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Sunday, November 8, 2026

So gut stehen Thomas Aeschis Bundesrats-Chancen

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Erfahrenes Schwergewicht oder ewiger Hardliner? Blick ordnet ein

So gut stehen Thomas Aeschis Bundesrats-Chancen

SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi will Bundesrat werden. Wie stehen seine Chancen? Trotz seines Hardliner-Images könnte er breit punkten. Doch entscheidend wird, wer noch aufs Ticket kommt. Das Taktieren geht erst richtig los. Blick zeigt, worauf es jetzt ankommt.

Publiziert: vor 14 Minuten

  • SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi kandidiert für die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin
  • Trotz seines Hardliner-Images geniesst Aeschi bei FDP und Mitte überraschend viel Wohlwollen
  • Die Ticketstrategie der SVP könnte für Aeschis Wahlchancen entscheidend sein

Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Er liess alle zappeln: Thomas Aeschi (47) hat gezögert und taktiert. Obwohl ihn seine Zuger Kantonalpartei längst für die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin (66) angemeldet hatte, liess der SVP-Fraktionschef wochenlang offen, ob er tatsächlich ins Bundesratsrennen geht.

Doch damit ist nun Schluss: Aeschi will! Das gab er im Interview mit Blick bekannt. «Ich bin überzeugt, dass ich mir das nötige Rüstzeug für dieses Regierungsamt erarbeitet habe», sagte er. Dabei verwies er auf seine 15 Jahre im Nationalrat, neun Jahre als Fraktionspräsident sowie seine langjährige Tätigkeit als Unternehmensberater.

Ein Schwergewicht in der SVP

Sein Zögern begründete Aeschi damit, dass er einen solchen Entscheid nicht leichtfertig treffen wolle. Für ihn steht viel auf dem Spiel: Schon 2015 griff er nach einem Sitz in der Landesregierung – und scheiterte an Parmelin.

Klar ist: Ein Platz auf dem offiziellen SVP-Ticket dürfte ihm ziemlich sicher sein. Das zeigen nicht nur Gespräche mit Fraktionsmitgliedern, dafür spricht allein schon seine Stellung innerhalb der Partei. Seit Jahren gehört er zur Führungsriege der SVP, leistet Schwerarbeit für sie und zählt zu den einflussreichen Köpfen im Bundeshaus. Er gilt als dossiersicherer, analytisch starker Schnelldenker. Aeschi ist ein Chrampfer, der sich tief in die Materie einarbeitet.

Ein ähnlicher Denkzettel wie bei der SP, wo es der langjährige Fraktionschef Roger Nordmann (53) 2023 nicht aufs Bundesratsticket schaffte? Bei der SVP deutet nichts auf einen solchen Fall hin.

Die Gesichter des Thomas Aeschi

Doch auch diesmal ist der Weg für Aeschi in den Bundesrat steinig. Mit Mitte-Mann Martin Pfister (63) sitzt bereits ein Zuger in der Landesregierung. Und mit seiner kompromisslosen Parteilinie dürfte Aeschi insbesondere im linksgrünen Lager einen schweren Stand haben. Bisweilen zeigt er sich von einer aufbrausenden Seite. Das Etikett des ewigen Hardliners haftet an ihm. Allerdings gehört es auch zum Job eines Fraktionschefs, die Parteilinie mit Nachdruck zu vertreten.

In Bern ist dieser Tage denn auch eine andere Sicht auf Aeschi zu hören: die des erfahrenen Schwergewichts, das man kennt und einzuschätzen weiss. Entscheidend dürfte sein, ob es Aeschi gelingt, möglichst viele Stimmen aus dem bürgerlichen Lager hinter sich zu bringen. Mit öffentlichen Unterstützungserklärungen hält man sich naturgemäss noch zurück. Doch wer mit Vertretern von FDP und Mitte spricht, spürt überraschend viel Wohlwollen.

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«Aeschi kann ein harter Hund sein, aber er ist besonnener geworden», sagt ein einflussreiches Parlamentsmitglied. «Vor allem weiss man bei ihm, woran man ist. Wer mit ihm in einer Kommission einen Kompromiss aushandelt, kann sich auf ihn verlassen.»

Ein anderes Schwergewicht betont: «Wer Aeschi abseits von Kameras oder öffentlichen Auftritten erlebt hat, weiss, dass er auch eine andere Seite hat. Er hat mehr Humor, als man denkt. Er ist ein Gesprächspartner mit breitem Horizont.» Gespannt dürfe man sein, wie er sich in den Hearings der anderen Fraktionen präsentiere. «Ich rechne nicht damit, dass er sich verbiegt. Aber dort wird sich zeigen, wie er die Bundesratsrolle verstehen würde.»

Ein Hardliner neben Aeschi?

Die SVP-Fraktion hat es selbst in der Hand, wie sie das Ticket ausgestaltet – und so Aeschis Wahlchancen beeinflusst. Blick-Recherchen zeigten: Vieles deutet darauf hin, dass die SVP-Strategen diesmal ein Zweierticket anstreben.

So ist denkbar, dass neben Aeschi ein strammer, aber vergleichsweise unerfahrener Hardliner antritt. Dass es der Solothurner Nationalrat Rémy Wyssmann (59) aufs Ticket schafft, wäre allerdings eine Überraschung. Damit rückt der Walliser Nationalrat Michael Graber (45) in den Vordergrund. Das Risiko: Ein solches Ticket könnte die anderen dazu verleiten, eine wilde Kandidatur zu unterstützen. Andererseits wollen wohl die wenigsten die SVP vor dem Wahljahr verärgern. Ein Kalkül, das für Aeschi aufgehen könnte.

Oder doch ein Regierungsrat?

Mehr Konkurrenz droht Aeschi, wenn die SVP ihm einen weniger umstrittenen Kandidaten zur Seite stellt. Dafür kommen insbesondere der Walliser Staatsrat Franz Ruppen (55) und der Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg (63) infrage.

Auch dem Tessiner Ständerat und Ex-Parteichef Marco Chiesa (52) werden Chancen eingeräumt – für Aeschi wäre er ein ernst zu nehmender Konkurrent. Die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz (47) hingegen hat insbesondere in der Deutschschweizer SVP einen schweren Stand. Ein Platz auf dem Ticket wäre daher eher eine Überraschung. Sollte sie es dennoch schaffen, ist schwer abzuschätzen, wer von beiden im Parlament die besseren Karten hätte.

Als eher aussichtslos gilt in der Fraktion die Kandidatur des Aargauer Regierungsrats Jean-Pierre Gallati (60), der wiederum im Parlament durchaus Chancen hätte. Sein harter Corona-Kurs ist in der SVP-Bundeshausfraktion schlecht angekommen. Im eigenen Kanton hingegen geniesst er den Ruf eines umsichtigen Staatsmanns.

Jetzt beginnt das grosse Taktieren erst richtig. Für Aeschi bleibt es ein Spiel mit Risiko. Und wenn es nicht klappt? Eine zweite Wahlniederlage wäre ein empfindlicher Rückschlag. Im Interview gab er sich demonstrativ gelassen. «Das ist Demokratie», antwortete Aeschi.

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