«Ich möchte so gut sein wie Schauspieler ohne Downsyndrom»

- Im neusten Zürcher «Tatort – Frei wie ein Adler» spielt Benjamin Raue (24) mit Trisomie 21 eine Hauptrolle.
- Er verkörpert Jacob Göldi, den die Kommissarinnen Grandjean und Ott des Mordes an seiner Chefin verdächtigen.
- Der Berliner wünscht sich vielfältige Rollenangebote für Menschen mit Trisomie 21, nicht nur behinderungsbezogene.
Der neuste Zürcher «Tatort – Frei wie ein Adler» steht ganz im Zeichen von Inklusivität. Eine der Hauptrollen im Krimi spielt Benjamin Raue, ein junger Schauspieler, der mit Trisomie 21 geboren wurde. «Ich wollte schon immer Schauspieler werden, damit ich den Menschen mein Talent zeigen kann», erzählt der 24-jährige Berliner 20 Minuten.
Schon in der Kita machte Benjamin erste Schritte als Schauspieler. An der Arbeit vor der Kamera fasziniert ihn die Abwechslung. «Ich kann bei jedem Dreh jemand anderes sein und in die verschiedensten Charaktere und Emotionen eintauchen.»
Für den Zürcher «Tatort» schlüpft Benjamin in die Rolle von Jacob Göldi. Die Kommissarinnen Isabelle Grandjean und Tessa Ott haben ihn für den Mord an seiner Chefin im Visier. Das Ermittlerinnen-Duo sucht in der Folge nicht nur den Täter, sondern auch eine Antwort auf die Frage, ob Menschen mit Trisomie 21 wie alle anderen Tatverdächtigen zu behandeln sind.
Was wünschst du dir von der Film- und Serienbranche bei Rollen für Menschen mit Beeinträchtigung?
Am Set in Zürich hatte Benjamin am meisten Schwierigkeiten mit dem Auswendiglernen seiner Texte. Eine spezifische Szene beschreibt er als besonders herausfordernd. Im Affekt schlägt Jacob auf eine Türe ein. «Beim Dreh der Szene habe ich mich an der Hand verletzt. Das hat mich so sehr aufgewühlt, dass ich weinen musste», so der Schauspieler.
Mit der aufbrausenden Art seiner Rolle hat Benjamin wenig gemein. «Wir sind ganz verschieden», sagt er. Jacob fühlt sich beispielsweise auf einem Motorrad «frei wie ein Adler». Benjamin hat dieses Gefühl hingegen beim Klettern, «wenn ich ganz oben bin».
«Wenn es sein muss, kann ich aber auch den Bösewicht spielen.»
Auch als Schauspieler will er hoch hinaus. «Ich möchte so gut spielen wie alle anderen auch, die kein Downsyndrom haben», sagt er. Er wünscht sich von der Schauspielbranche deshalb vor allem eins: «Dass es auch für Menschen mit Trisomie 21 vielfältige Rollenangebote gibt. Nicht nur solche, die mit der Beeinträchtigung zusammenhängen.»
Wenn er wählen kann, spielt der Deutsche am liebsten die guten Charaktere. «Ich bin gerne ein netter Mensch. Wenn es sein muss, kann ich aber auch den Bösewicht spielen», erklärt er.
Ob Jacob zu den Guten oder Bösen gehört, kann man am Sonntagabend, 8. November, um 20.10 Uhr auf SRF 1 sehen.
Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People und arbeitet seit Oktober 2022 bei 20 Minuten. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».
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