Bei Freunden schlafen? Hier zieht Lia (16) eine Grenze

Die Reise ist gebucht, die Vorfreude gross und in der Stadt kennst du sogar ein paar Leute. Praktisch, denn ein Hotel ist teuer. Aber kannst du jemanden bitten, dich ein paar Nächte auf dem Sofa schlafen zu lassen? Oder ist das schon zu viel verlangt? Darüber wird gerade auf Social Media diskutiert.
Ist es unhöflich, Freunde zu bitten, bei ihnen zu übernachten?
Creatorin Bridget veröffentlicht ein Video, mit dem sie knapp drei Millionen Aufrufe erzielt. Darin sagt sie, man sollte sich nicht einfach bei Bekannten melden und um eine Übernachtungsmöglichkeit bitten, nur weil man kein Hotel buchen möchte. Als Beispiel nennt sie Konzertbesuche: «Wer für ein Harry-Styles-Konzert nach New York reist und sich bei einer Freundin meldet, um nach dem Konzert dort zu übernachten, ist einfach unhöflich.»
In den Kommentaren sind viele anderer Meinung. Eine Nutzerin schreibt, sie werde sogar traurig, wenn ihre Freunde Geld für ein Hotel ausgäben: «Es macht mir Freude, ihnen das Leben leichter und den Besuch günstiger zu machen.» Jemand anderes meint: «Höflich zu fragen ist nicht dasselbe wie sich selbst einzuladen. Die andere Person kann dann höflich Nein sagen.»
«Ich achte auf den persönlichen Vibe»
Wir wollten wissen, was die Menschen auf der Strasse dazu sagen. Lia (16) findet es grundsätzlich völlig okay, bei Freunden zu übernachten, wenn man in deren Stadt ist. «Wichtig ist, dass man regelmässig Kontakt hat und es sich nicht um eine praktisch fremde Person handelt.» Bei der Dauer zieht sie eine Grenze: «Wenn eine Person länger als zwei oder drei Nächte bei mir übernachten möchte, fände ich das schon speziell.»
Andere sind zurückhaltender. Valentin (32) findet es zwar in Ordnung, wenn gute Freunde übernachten möchten. Bei Menschen, die er nicht besonders gut kennt, wäre er jedoch vorsichtig: «Man will ja nicht irgendwelche Menschen ins Haus lassen.»
Sina (24) findet: «Wenn ich eine Person schon länger kenne, ist es für mich kein Problem, habe ich sie aber erst neu kennengelernt, müsste ich mir das zweimal überlegen.» Ihre Kollegin Sonja (25) sagt: «Ich achte stärker auf den persönlichen Vibe.» Wenn man sich auf Anhieb gut verstehe, spiele es für sie eine kleinere Rolle, wie lange man sich bereits kenne.
Für Thomas (34) sei sowohl entscheidend, wie lange er eine Person schon kenne, als auch, wie gut man sich verstehe. «Wichtig ist mir auch, dass meine Mutter damit einverstanden ist, dass die Person bei uns zu Hause übernachtet.»
«Dafür sind Freunde doch da»
Wie sieht eine Therapeutin die Debatte? Tharsika Bühler erklärt auf Anfrage: «Aus meiner Sicht ist es grundsätzlich nicht unhöflich, Freunde zu fragen, ob man eine Nacht bei ihnen übernachten kann.» In einer Freundschaft dürfe man Bedürfnisse äussern und um Unterstützung oder einen Gefallen bitten. «Entscheidend ist, dass die andere Person frei entscheiden kann.»
«Problematisch wird es, wenn ein Nein Schuldgefühle, Rechtfertigungsdruck oder Konsequenzen für die Freundschaft nach sich zieht.» Sätze wie «Ich würde das schliesslich auch für dich tun» oder «Dafür sind Freunde doch da» würden indirekt vermitteln, dass man keine gute Freundin sei, wenn man Nein sage.
Über die Expertin
«Der Eingriff in den persönlichen Alltag kann unterschiedlich gross sein. Eine Übernachtung bedeutet für viele etwas anderes als ein Besuch von vier oder fünf Tagen», erklärt Bühler. Je länger jemand bleibe, desto stärker könnten Privatsphäre, Tagesablauf und Rückzugsmöglichkeiten betroffen sein. «Trotzdem sei es grundsätzlich nicht problematisch, offen zu fragen, ob man angesichts der hohen Hotelpreise vielleicht bei jemandem übernachten kann.» Entscheidend sei, dass daraus kein Anspruch entstehe.
Woran machst du fest, ob du bei jemandem übernachten würdest, wenn du in dessen Stadt bist?
Yasmina Al Dubai (yad), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juni 2026 bei 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Lifestyle-Ressort.
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