Höchstes Amt in Deutschland – Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden

- In der CDU-Führung besteht offenbar Einigkeit darüber, dass die CSU-Politikerin und bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner Bundespräsidentin werden soll.
- Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus mehreren hochrangigen Quellen der Union will Bundeskanzler Friedrich Merz sie am Sonntag und Montag den CDU-Führungsgremien offiziell vorschlagen.
- Auch mehrere andere Medien berichteten darüber. Eine Bestätigung von Merz selbst gab es zunächst allerdings nicht.
«Wir kommentieren keine Meldungen und verweisen auf die Gremien am Montag», heisst es aus seinem Umfeld. CSU-Chef Markus Söder hatte Aigner schon im April ins Spiel gebracht. Merz hatte sich lange Zeit in der Kandidatendebatte gar nicht geäussert, sich dann am Montag aber auf eine Frau festgelegt.
Es gibt kaum noch Zweifel: Am Samstag, dem 30. Januar 2027, wird Ilse Aigner in Berlin, im Plenarsaal des Reichstags, zur ersten Bundespräsidentin Deutschlands gewählt werden. Laut CDU-Insidern ist kein anderer Name mehr im Gespräch. Auch die Sozialdemokraten sind für Aigner. Ilse Aigner wird nächstes Jahr also Staatsoberhaupt, jene Person, die in Deutschland über den Parteien steht – aber dennoch nicht nur repräsentative Aufgaben hat und neue Bahnhöfe oder Kunstausstellungen eröffnet. Äusserungen zur Tagespolitik sind möglich – die Freiheiten gross. Als Bundespräsidentin wäre Aigner jene Person, die über den Wirren der Tagespolitik steht – eine Landesmutter im besten Sinn.
Kanzler Merz und Ilse Aigner sind befreundet, die derzeitige Parlamentspräsidentin in Bayern wird weitherum geschätzt. Sie ist zugänglich, keine Parteisoldatin – und sie hat für Spitzenämter eine ungewöhnlich gewöhnliche Biografie. Nach einer Lehre als Radio- und Fernsehtechnikerin im Geschäft der Eltern arbeitete sie sich ganz an die Spitze – war unter Angela Merkel Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin.
Und nun wohl bald Bundespräsidentin. Und erst noch eine der CSU. Für Kanzler Merz hätte das den angenehmen Nebeneffekt, Markus Söder als Kanzler-Konkurrenz los zu sein. Ein eine Bundespräsidentin und ein Kanzler der Christlich-Sozialen Union wäre nicht vorstellbar. Am nächsten Montag wird sich Kanzler Merz offiziell zur Personalie Aigner äussern – spätestens.
In den vergangenen beiden Tagen sprachen sich dann immer mehr CDU-Landeschefs offen für Aigner aus. Auch Fraktionschef Thorsten Frei äusserte sich positiv zu ihr. Die formelle Entscheidung sollen CDU-Präsidium und -vorstand am Montag treffen. Schon am Sonntagabend trifft Merz die Mitglieder des Präsidiums zu einem Abendessen.
Die Bundesversammlung, der neben den 630 Bundestagsabgeordneten ebenso viele Wahlleute aus den Ländern angehören, entscheidet am 30. Januar über die Nachfolge von Steinmeier. Union und SPD haben dort eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch und einzelne SPD-Ministerpräsidenten haben sich schon für Aigner ausgesprochen. Damit gilt es als sicher, dass die 61-Jährige an die Staatsspitze gewählt wird.
Die SPD wäre derweil bereit, Ilse Aigner bei einer offiziellen Kandidatur mit zur Bundespräsidentin zu wählen. «Wenn das Präsidium sich dann auch offiziell durchringt in der Union am Montag, dass man Ilse Aigner vorschlägt, dann kann ich nur für die SPD sagen, dann würden wir das begrüssen und unterstützen», sagte Parteichef Lars Klingbeil bei einem finanzpolitischen Jugenddialog in Berlin.
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