Xhaka lacht nach Einvernahme – Staatsanwaltschaft Luzern schweigt

Darum gehts
- Granit Xhaka hat sich wegen des Erwerbs eines gefälschten Covid-Zertifikats vor der Staatsanwaltschaft Luzern verantwortet.
- Der Ausgang der Einvernahme ist unbekannt – die Behörden schweigen und berufen sich auf den Persönlichkeitsschutz.
- Rechtsanwalt Fabian Teichmann hält eine bedingte Geldstrafe im sechsstelligen Bereich für möglich; zum Vergleich: Breel Embolo kassierte 60'000 Franken.
Will man den Bildern Glauben schenken, dann hat Granit Xhaka die ersten turbulenten Tage der Covid-Affäre gut überstanden. Der Sunderland-Captain zeigt sich auf Instagram mit einem grossen Lachen zurück im Training des Premier-League-Vereins.
Drei Tage bevor der 34-jährige Basler am kommenden Samstag im Stadium of Light gegen Brighton – nach über zwei Wochen Nationalmannschaftspause – den Ligaalltag auf Platz 14 wieder aufnimmt, zündet er für eine seiner drei Töchter eine Geburtstagskerze an.
Licht ins Dunkel brachte vor über zwei Wochen sein öffentliches Geständnis. Nachdem er zugegeben hatte, ein falsches Covid-Zertifikat erworben zu haben, versuchte er, seinen eigenen Geburtstag mit Ehefrau Leonita in einem edlen Fünf-Sterne-Haus Grantley Hall in North Yorkshire zu geniessen.
Um vom Schreck der medialen Berichterstattung rund um seine Person noch mehr Abstand zu gewinnen, zog es ihn zu Beginn des Halloween-Monats mit seiner Familie auf eine beschauliche Kürbisfarm – rund eine halbe Autostunde von der Küste von Sunderland entfernt.
Staatsanwaltschaft beruft sich auf Persönlichkeitsschutz
Am Mittwoch gewann die Schweiz in Luzern das vierte Nations-League-Spiel in Folge und etablierte sich in der Liga B als Gruppenleader – bereit für den Aufstieg im November auswärts in Ljubljana gegen Slowenien.
Zwischen der Reise und dem 3:0 der Nati gegen Nordmazedonien musste sich Xhaka vor der Staatsanwaltschaft – ausgerechnet in Luzern – verantworten.
Der Ausgang der Einvernahme ist unbekannt. Die zuständigen Behörden schweigen bis anhin und berufen sich auf den Persönlichkeitsschutz. Eine Anfrage von 20 Minuten blieb bis anhin unbeantwortet.
Das dürfte sich ändern, sobald der Strafbefehl fertiggestellt ist, da bei Personen wie dem Nati-Captain bei einem Delikt wie der besagten Urkundenfälschung ein erhöhtes öffentliches Interesse besteht.
Kein Gefängnis, aber eine hohe Geldstrafe
Nach Einschätzung von Rechtsanwalt Fabian Teichmann, Experte für Strafprozesse, sieht das Schweizer Strafgesetzbuch für Urkundenfälschung eine bedingte Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren und eine bedingte Geldstrafe vor. Das ist allerdings der gesetzliche Strafrahmen und nicht automatisch die zu erwartende Strafe. Eine Gefängnisstrafe hält Teichmann für ausgeschlossen.
Die Berechnung einer bedingten Geldstrafe wird in der Schweiz über sogenannte Tagessätze festgelegt. Die Zahl der Tagessätze richtet sich nach dem Verschulden, die Höhe eines Tagessatzes nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Ein Tagessatz kann bis zu 3'000 Franken betragen.
Teichmann hält deshalb eine bedingte Geldstrafe im sechsstelligen Bereich für möglich. Effektiv zu bezahlen wären die Busse, die üblicherweise mit einer bedingten Geldstrafe verbunden ist (maximal 10’000 Franken), sowie die Verfahrenskosten. «Die bedingte Geldstrafe muss nur bezahlt werden, wenn er sich in der Probezeit nicht bewährt.»
Vergleich zum Fall Embolo oder Fischer
Zum Vergleich: Breel Embolo kassierte wegen gefälschter Covid-Zertifikate eine bedingte Geldstrafe von insgesamt 60’000 Franken. Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer wurde per rechtskräftigem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Luzern wegen Urkundenfälschung zu einer unbedingten Geldstrafe von 38’910 Franken verurteilt.
Unabhängig davon, wie das Urteil gegen Xhaka ausfällt, geniesst der Captain innerhalb der Nati einen grossen Rückhalt – verbunden mit dem Wunsch nach einer Rückkehr im November, wenn die Schweiz gegen Slowenien um den Aufstieg in die Liga A spielt.
Wie beurteilst du, dass Granit Xhaka nach dem Eingeständnis eines falschen Covid-Zertifikats vor die Justiz muss?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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