Algorithmen im HR – KI sortiert vor: So verändert sich die Jobsuche

Algorithmen im HR KI sortiert vor: So verändert sich die Jobsuche
Zwei Drittel der Schweizer Firmen nutzen KI beim Bewerbungsprozess. Sie spart Kosten, birgt aber Risiken durch Verzerrungen und Intransparenz.
02.10.2026, 08:03
Marie-Lexane ist auf der Suche nach einer Stelle als HR-Assistentin und fragt sich inzwischen, ob ihre Bewerbung überhaupt noch von einem Menschen bearbeitet wird.
Innerhalb eines Jahres hat sie mehr als hundert Bewerbungen verschickt – und fast ebenso oft keine Antwort erhalten. «In 90 Prozent der Fälle bekomme ich überhaupt keine Rückmeldung, nicht einmal eine Absage. Es ist, als würden die Bewerbungen vollständig in einem schwarzen Loch verschwinden», schildert sie gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
In der Schweiz setzen laut Zahlen des Temporär-Stellenvermittlers Manpower von vergangenem Frühjahr rund 66 Prozent der Unternehmen KI in ihren HR-Prozessen ein.
Manpower selbst setzt mit «Hubert» eine KI ein, die die erste Vorauswahl der Bewerbungen übernimmt. In einem Chat beantwortet die Bewerberin oder der Bewerber Fragen der KI zum Wohnort, zur Berufserfahrung oder zu bestimmten Voraussetzungen.
Werden einzelne grundlegende Kriterien – sogenannte Hard Skills – nicht erfüllt, scheidet die Person aus, noch bevor ein Mensch sich meldet.
Für das Unternehmen bedeutet dies eine erhebliche Zeitersparnis. Zumal die Zahl der Bewerbungen jährlich stark zunimmt.
KI auf beiden Seiten
«KI unterstützt uns angesichts dieser wachsenden Zahl an Bewerbungen, vor allem bei den technischen Kompetenzen», erklärt Thomas Portenseigne, Leiter Marketing und Kommunikation bei der Manpower-Gruppe. «So können unsere Recruiter die Erwartungen unserer Partner sowie die Fähigkeiten der Kandidatinnen und Kandidaten besser verstehen und passendere Vermittlungen vornehmen.»
Doch diese Automatisierung ist nicht unumstritten und wirft verschiedene Fragen auf – insbesondere in Bezug auf Transparenz, Fairness und den Schulungsbedarf.
Auch aufseiten der Bewerbenden entsteht rund um diese Entwicklung ein eigener Markt.
Marie-Lexane verwendet etwa eine Plattform, mit der sie ihren Lebenslauf mithilfe von KI und relevanten Schlüsselwörtern optimieren kann. Dafür bezahlt sie 20 Franken pro Monat.
Die Ergebnisse lassen allerdings noch zu wünschen übrig, weshalb sie die von der KI erstellten Inhalte jedes Mal selbst überprüfen und korrigieren muss.
Mögliche Verzerrungen
Die KI-Expertin Justine Dima von der Hochschule für Wirtschaft und Ingenieurwissenschaften des Kantons Waadt warnt vor möglichen Verzerrungen beim Rekrutierungsprozess durch KI-Systeme.
Sie verweist auf Beispiele, bei denen Algorithmen, die mit historischen Daten trainiert worden waren, bei der Suche nach Führungspositionen Profile von Männern um die 50 bevorzugten und dadurch andere Bewerberprofile praktisch unsichtbar machten.
Im Wallis will sich das Start-up Hoora einen Anteil an diesem Markt sichern. Das Unternehmen versichert, es lasse seine Systeme laufend überprüfen, um solche Verzerrungen zu vermeiden.
Charles Bendotti und Laetitia Tierny haben «Alex» entwickelt, einen virtuellen Assistenten, der Bewerberinnen und Bewerber telefonisch kontaktiert, um ihre Sozial- und Fachkompetenzen auf sachliche Weise zu beurteilen – ohne dabei Emotionen zu analysieren.
Ihr Verkaufsargument: schnellere und günstigere Einstellungen von Personen. Ziel ist es, die Rekrutierungskosten von derzeit 2000 bis 2500 Franken auf weniger als 500 Franken zu senken. Rund 30 Unternehmen im Wallis setzen das System bereits ein.
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