Sie schoss auf das Jesuskind – jetzt spendet sie dem Papst

Fall Ameti überraschend zu den Akten gelegt
Sie schoss auf das Jesuskind – jetzt spendet sie dem Papst
Sanija Ametis Gegner ziehen ihre Berufung gegen das Urteil überraschend zurück. Damit endet ein Fall, der die Schweiz zwei Jahre beschäftigt hat. Zum Schluss erlaubt sich die Ex-Politikerin einen letzten Seitenhieb.
Publiziert: vor 23 Minuten
- Urteil gegen Sanija Ameti ist rechtskräftig – Gegner ziehen Berufung zurück
- Ameti spendet 500 Euro dem Papst – und widmet die Spende dem GLP-Präsidenten
- Der Fall beschäftigte die Justiz zwei Jahre lang, zeitweise stand Ameti unter Polizeischutz
Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick
Selten brachte eine Social-Media-Provokation das Land dermassen in Wallung wie Sanija Ametis (34) Schüsse auf ein Marienbild. Mit einer Druckluftpistole feuerte sie im Keller ihres Wohnhauses 20 Mal auf eine A3-Seite aus einem Auktionskatalog. Die Fotos der Aktion publizierte sie auf Instagram und schrieb dazu: «Abschalten».
Zwei Jahre lang beschäftigte der Post die Justiz. Zwei Jahre lang berichteten Medien über jede noch so kleine Entwicklung. Jetzt wird der Fall zu den Akten gelegt.
500 Euro für Papst Leo XIV.
Nachdem Sanija Ameti ihre Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Zürich kürzlich zurückgezogen hat, tun das überraschenderweise auch ihre Gegner. Dabei hatten die Privatkläger um Mass-Voll-Chef Nicolas Rimoldi (31) öffentlich beklagt, dass ihnen die Busse von 500 Franken für Ameti wegen Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit bei weitem nicht ausreiche. «Das Urteil ist viel zu mild», wütete Rimoldi gegenüber Blick.
Ametis Strafe ist nun rechtskräftig. Fast genau zwei Jahre nachdem SonntagsBlick als Erstes über den Instagram-Post berichtet hat. «Ich bin enttäuscht, dass sich die Kläger nicht für die christlichen Werte einsetzen, wie sie es vorgegeben haben», sagt Ameti mit ironischem Unterton. Sie habe das Geld deshalb verdoppelt und zusätzlich 500 Euro an Papst Leo XIV. gespendet.
Dem Papst? Ameti: «Er hat ‹Remigration› als unchristlich bezeichnet, stellt sich gegen Faschismus und fordert die Einhaltung der Menschenrechte in Gaza.» Sie wolle ihn in seiner Arbeit für die christlichen Werte unterstützen.
Polizeischutz nach Morddrohungen
Hintergrund dieser Begründung ist laut Ameti auch, dass sie nach ihrem Social-Media-Aussetzer persönlich von einer Hetzkampagne betroffen war. Der österreichische Identitären-Anführer Martin Sellner bezeichnete die Ex-Politikerin als «widerliche Person» und forderte sie auf, die Schweiz zu verlassen.
Auch Nicolas Rimoldi sprach öffentlich davon, Ameti «deportieren» zu wollen. Und die Zürcher SVP fragte auf ihrer Website: «Was macht diese Frau noch in unserem Land?»
Zum Rückzug der Berufung sagt Rimoldi jetzt: «Wir haben Ameti politisch gestoppt, und Mass-Voll wird sich auch künftig gegen alle ‹Feinde der Schweiz› stellen.»
Obwohl Sanija Ameti den Instagram-Beitrag damals löschte und sich umgehend entschuldigte («Das war nicht richtig, tut mir von Herzen leid, falls ich damit jemanden verletzt habe»), verlor sie ihren Job bei der Kommunikationsagentur Farner und wurde von den Grünliberalen zum Parteiaustritt gedrängt. Nach Morddrohungen aus der rechtsextremen Szene musste die 31-Jährige unter Polizeischutz gestellt werden.
Seitenhieb gegen GLP-Präsidenten
Nun schliesst Ameti den Fall mit einem Seitenhieb gegen den GLP-Präsidenten ab. Gegenüber SonntagsBlick erklärt sie: «Meine Spende habe ich Jürg Grossen gewidmet.» Sie zähle auf alle Christen, dass sie ebenfalls spenden würden.
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