Sie war einst berühmter als ihr Ehemann Xi – wer ist Peng Liyuan?

- Peng Liyuan, Ehefrau von Chinas Staatspräsident Xi Jinping, begleitet diesen beim Staatsbesuch in den USA.
- Die einstige Sopranistin und Generalmajor der Volksbefreiungsarmee gilt als Xis «Soft-Power-Superwaffe».
- Peng übernahm sichtbarere diplomatische Rollen als alle chinesischen First Ladies vor ihr – und sprach sogar vor den Vereinten Nationen.
Elegant gekleidet und stets mit einem Lächeln: Beim Staatsbesuch ihres Ehemannes Xi Jinping in den USA zieht Peng Liyuan alle Blicke auf sich. Im Nationalmuseum für asiatische Kunst in Washington lauschte sie gemeinsam mit Melania Trump einem Kinderchor, der das chinesische Volkslied «Jasminblume» vortrug. Peng sang leise einige Zeilen mit. «Danke, Mutter Peng!», riefen ihr die Kinder anschliessend zu.
Doch: Auch wenn es in vielen der Bilder des Staatsbesuchs so wirken mag, steht Peng Liyuan nicht nur an der Seite des mächtigsten Mannes Chinas. Die einstige Sopranistin verkörpert ein kultiviertes China und ist zu einem Aushängeschild seiner internationalen Darstellung geworden. Die Nachrichtenagentur Reuters bezeichnete sie gar als Xis «Soft-Power-Superwaffe».
Als Sängerin ein Star in China
Peng Liyuan wurde 1962 in der ostchinesischen Provinz Shandong geboren. Als Tochter eines lokalen Parteifunktionärs und einer Sängerin wandte sie sich früh dem Gesang zu. Sie besuchte Kunstschulen, studierte später am Chinesischen Musikkonservatorium und tourte mit dem China National Orchestra durch mehrere europäische Länder.
1980 trat sie der Volksbefreiungsarmee bei und sang in Armee-Ensembles bei offiziellen Zeremonien, für Truppen und in staatlichen Fernsehshows. Berichten zufolge trat sie auch für jene Militärkräfte auf, die die Proteste auf dem Tian’anmen-Platz im Juni 1989 gewaltsam niederschlugen. Als Interpretin chinesischer Volks- und patriotischer Lieder wurde sie schliesslich zum Star. Vor der Wahl Xis zum Präsidenten war Peng damit in China bekannter als ihr Ehemann.
Pengs Popularität in der chinesischen Armee dürfte Xis politischer Karriere genutzt haben, glauben Experten. Sie selbst erreichte in der Volksbefreiungsarmee den Rang eines Generalmajors. Ihr letzter grosser dokumentierter Bühnenauftritt fand 2008 in der Wiener Staatsoper statt.
Seit 40 Jahren ein Paar
Peng, damals 24, lernte den neun Jahre älteren Xi 1986 über einen gemeinsamen Freund kennen. Sie erzählte später, sie habe bei dem Treffen «weite Armee-Hosen» getragen, um herauszufinden, ob Xi sich nur für ihr Aussehen und ihre Bekanntheit interessierte. Als er sie jedoch nach den verschiedenen Gesangsarten fragte, habe sie sich von ihm ernst genommen gefühlt.
Xi, der bereits einmal verheiratet war, soll ihr später erzählt haben, er habe schon in den ersten vierzig Minuten des Treffens gewusst, dass sie seine zukünftige Frau sein werde. Das Paar hat eine Tochter, Xi Mingze, die unter einem Pseudonym an der US-Eliteuniversität Harvard studierte.
Die Verbindung zu Peng soll sich rasch positiv auf Xis politische Karriere ausgewirkt haben. Laut dem China-Experten Willy Lam nutzte sie in den 1990er-Jahren ihre Kontakte in Militär und Kulturbetrieb, um Xi wichtigen Mitgliedern der Shanghaier Fraktion der Kommunistischen Partei vorzustellen. Seit 2012 ist Xi Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas, im Folgejahr wurde er Staatspräsident Chinas.
Pengs Rolle für Xis Image
Auch die Kommunikationsabteilung der Kommunistischen Partei erkannte das Potenzial der chinesischen First Lady: Während das Privatleben früherer Parteiführer weitgehend vor der Öffentlichkeit verborgen blieb, helfe die Beziehung zu Peng, Xis Image zu mildern, sagt George Guo, Professor für chinesische Politik am Guilford College.
«Insbesondere in den vergangenen Jahren hat Peng zunehmend dazu beigetragen, dem Parteichef das Image eines wohlwollenden Staatsführers zu verleihen – eines Mannes mit Liebe, Güte und Mitgefühl für die Bevölkerung.»
An Xis Seite nimmt Peng eine öffentlichere Rolle ein wie viele ihrer Vorgängerinnen. Sie begleitet ihn oft zu Konferenzen und diplomatischen Besuchen – und hat selbst schon vor den Vereinten Nationen gesprochen. Zudem ist sie Goodwill-Botschafterin der Weltgesundheitsorganisation für Tuberkulose und HIV/Aids.
Chinas First Ladies: Lange im Hintergrund
Die Rolle der «First Lady» ist in China deutlich weniger institutionell verankert als in den USA. Die bekannteste Ausnahme vor Peng Liyuan war Maos vierte Ehefrau, Jiang Qing. Die frühere Schauspielerin wurde während der Kulturrevolution zu einer mächtigen politischen Akteurin und gehörte zur «Viererbande», die nach Maos Tod 1976 gestürzt wurde.
Die Ehefrauen späterer chinesischer Spitzenpolitiker hielten sich in der Öffentlichkeit meist zurück. Peng Liyuan hingegen übernimmt eine sichtbarere diplomatische Rolle: Sie begleitet Xi Jinping auf Staatsbesuchen, auch in sozialistische Staaten wie etwa das benachbarte Nordkorea – ein Bruch mit einer lange gepflegten, informellen Praxis, Ehepartner bei solchen Reisen nicht mitzunehmen.
Shirin Camenisch (sca) arbeitet seit 2025 als Praktikantin im Ressort News
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