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Thursday, October 15, 2026

Zwischen China und Nordkorea – Brücke zwölf Jahre nach Fertigstellung eingeweiht

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Ewig endete die Brücke von China nach Nordkorea einfach im Nichts. Jetzt wurde sie aber eröffnet. SRF-Ostasien-Korrespondent Samuel Emch zu den Hintergründen.

Samuel Emch

Ostasien-Korrespondent

Samuel Emch ist seit Sommer 2022 Ostasien-Korrespondent für SRF. Zuvor war er während mehrerer Jahre Wirtschaftsredaktor bei SRF.

Worum geht es genau?

China und Nordkorea haben die vierspurige Brücke über den Grenzfluss Yalu (koreanisch: Amnok) offiziell eröffnet. Das 2014 fertiggestellte Bauwerk verbindet die chinesische Grenzstadt Dandong mit der nordkoreanischen Stadt Sinuiju. Die Brücke soll die jahrzehntealte, einspurige «Freundschaftsbrücke» entlasten. Über diese lief bisher der Grossteil des gegenseitigen Warenverkehrs.

Warum stand die Brücke seit 2014 ungenutzt da?

Zwar hatte China seinen Teil der Brücke bereits 2014 weitgehend fertiggestellt. Auf nordkoreanischer Seite endete sie jedoch jahrelang buchstäblich im Niemandsland. Es gab keine Zufahrtstrassen und keine Infrastruktur am nordkoreanischen Ende.

Dafür gab es mehrere Gründe:

  • Politische Spannungen: Diktator Kim liess 2013 seinen Onkel Jang Song-thaek hinrichten. Dieser war ein wichtiger Fürsprecher enger Wirtschaftsbeziehungen zu China. Das belastete das Verhältnis spürbar.
  • Finanzierungsstreit: Pjöngjang verlangte, dass Peking auch die Zufahrtsstrassen und Zolleinrichtungen auf nordkoreanischem Territorium bezahlt.
  • Atomtests und Sanktionen: Nordkoreas Atomwaffentests 2016 führten zu verschärften UNO-Sanktionen, die auch von China mitgetragen wurden.
  • Pandemie: Mit dem Ausbruch von Covid-19 riegelte Nordkorea seine Grenzen fast vollständig ab. Der Personenverkehr kam praktisch zum Erliegen. Eine Nutzung der Brücke rückte in weite Ferne.

Warum wird die Verbindung ausgerechnet jetzt freigegeben?

Die Eröffnung markiert eine spürbare Annäherung zwischen Peking und Pjöngjang. Nordkorea verstärkte ab 2024 die militärische und diplomatische Partnerschaft mit Moskau. Die Beteiligung Nordkoreas am Ukrainekrieg hat Peking unter Zugzwang gesetzt. China möchte seinen strategischen Einfluss auf Nordkorea beibehalten und die Stabilität an seiner Aussengrenze sichern. Peking ist derzeit sichtlich bemüht, die Beziehungen zu Nordkorea zu verbessern. Vor rund einem Monat wurde zudem bereits eine neue Grenzbrücke zwischen Nordkorea und Russland eröffnet. Die heutige Brückeneinweihung kann als chinesische Antwort darauf gelesen werden. Die Eröffnung der Brücke, die vor 12 Jahren fertiggestellt, aber nie genutzt wurde, ist ganz im Kontext des chinesisch-nordkoreanischen Annäherungsprozesses zu sehen.

Grosse Hängebrücke über einen Fluss mit bewölktem Himmel.
Legende: Von der «Freundschaftsbrücke» zur neuen Yalubrücke. Reuters / Florence Lo

Gelten die internationalen Sanktionen nicht mehr?

Völkerrechtlich sind die UNO-Sanktionen weiterhin in Kraft. Sie rücken aber zusehends in den Hintergrund. Während Russland sie offen ignoriert, hält sich Peking offiziell noch daran. Allerdings nehmen Vorwürfe zu, wonach China Umgehungsgeschäfte mit sanktionierten Gütern zunehmend toleriert. Auch soll die Zahl von nordkoreanischen Arbeitskräften in chinesischen Fabriken wieder deutlich zugenommen haben. Das verbieten die Sanktionen eigentlich, da das Regime in Pjöngjang den Grossteil ihrer Löhne erhält. Die Inbetriebnahme der Brücke unterstreicht, dass pragmatische Wirtschaftsinteressen und geopolitischer Einfluss für beide Länder inzwischen in den Vordergrund gerückt sind.

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