The Jerusalem PostIran-backed militias trample US flag, exposing Iraq’s sovereignty problem - analysisESPNOur guide to every Week 4 game: Matchup previews, predictions, picksInquirerWoman killed, 2 injured in Pangasinan tricycle crashESPN DeportesVerstappen está de vuelta, ganó en Malasia con autoridadPunchZamfara begins road project to boost farming, security한겨레“국외 영화제 초청 받은 ‘암살자(들)’ 상영 막겠다” 국힘, 도 넘은 정치공세ZDF heuteAktuelle Pressemitteilungen des ZDFSouth China Morning PostOn-site staff, hotline deployed as Kai Tak Hospital starts phased operationsThe South AfricanSpringbok Women beat Spain in WXV as Ireland home Tests loomSportstarMohun Bagan vs Punjab FC LIVE score: MBSG 0-0 PFC; Chhangte, Liston start in IFA Shield semifinal
The Daily Newsstand · Free, Always
Sunday, October 4, 2026

Influencer werden für ethische Jagd zum Problem

Translate
Jägerin beim Nachladen einer Bockbüchsflinte.

Stand: 04.10.2026 • 12:16 Uhr

Für die Reichweite in sozialen Medien bringt Action oft mehr als Jagdethik. Einen verantwortungsvollen Umgang mit Waffen gibt es dabei bisweilen nicht. Jagdausstatter distanzieren sich deshalb von einigen Influencern.

Von Birgit Augustin, NDR

Für Nicolas Rath ist die Jagd mehr als ein Hobby, sie ist eine Haltungsfrage. Der 38-Jährige schätzt das unmittelbare Erleben der Natur zu jeder Jahreszeit - und genießt selbst erlegtes Wildfleisch: "Das hochwertigste Lebensmittel, das wir uns vorstellen können." Ein eigenes Revier hat er noch nicht, er gilt als "Jungjäger". Denn seinen Jagdschein hat er vor zwei Jahren gemacht. Pachten geht erst nach drei Jahren.

Deshalb ist der Hamburger froh, wenn er zu Gesellschaftsjagden eingeladen wird. Dort hat er Gelegenheit, von erfahrenen Jägern wertvolle Tipps zu erhalten. Theoretische Grundlagen, den Umgang mit der Waffe - das, sagt Rath, habe er in der Jagdschule zwar gelernt, aber es gebe noch viel mehr zu verstehen. Wesentliches lerne man erst nach der staatlichen Jägerprüfung.

Wachsendes Interesse an der Jagd

In den vergangenen dreißig Jahren ist die Zahl der Jägerinnen und Jäger in Deutschland laut Deutschem Jagdverband von fast 329.000 im Jahr 1995 auf 468.000 im Jahr 2025 gestiegen. Das macht einen Zuwachs von 42 Prozent.

Damit wächst auch der Markt für Waffen, Munition und immer modernere Ausrüstung. Zur Basisausrüstung gehört eine Jagdwaffe mit Optik, ein Waffenschrank, Fernglas, Rucksack, Messer. Dazu robuste Schuhe und Bekleidung. Die Preisspanne für eine solche Erstausstattung reicht von 3.000 bis 10.000 Euro - je nach individuellen Vorlieben - wobei nach oben eigentlich keine Grenze gesetzt ist.

Und auch nach der Erstausstattung ist Jagen eine kostenintensive Freizeitbeschäftigung. Laut Frankonia, einem Versandhandelsunternehmen für Jagdwaffen, Zubehör und Bekleidung, geben Jäger pro Jahr im Durchschnitt mehr als 4.300 Euro aus.

Wachsende Zielgruppe für Jagdausstatter

Frankonia und andere Jagdausrüster werben mittlerweile kaum mehr in klassischen Jagdzeitschriften, sondern mit Hilfe von gesponserten Influencern im Netz. Weil einige von diesen in der Vergangenheit auch Videos zeigten, in denen nicht tierschutzgerecht getötet und die Regeln der waidgerechten Jagd verletzt wurden, gab es harsche Kritik, unter anderem vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Dessen Präsident, Jörg-Andreas Krüger, spricht im Interview mit Plusminus von "Schießbudenschießen" auf Wildtiere und "saugefährlichen" Distanzschüssen.

Krüger ist selbst Jäger. Dass immer mehr Menschen den Jagdschein machen, hält er grundsätzlich für eine positive Entwicklung - weil der Jagd beim Aufbau eines klimaresilienten Mischwaldes eine große Bedeutung zukomme. In den Jahren 2017 bis 2024 sind in Deutschland mehr als 900.000 Hektar Wald verlorengegangen, vor allem durch Stürme und Borkenkäferbefall in Fichten-Monokulturen, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt anhand von Satellitendaten ermittelt hat.

Um die Flächen wieder aufzuforsten, brauche es, so NABU-Präsident Krüger, ein effizientes "Wildtiermanagement". Die Bestände müssten reduziert werden. Denn Rehe und Rotwild fressen die jungen Triebe nachwachsender Bäume ab.

Gesetzliche Vorgaben unterscheiden sich

Aber nicht alle Jungjäger interessieren sich für Naturschutz. Einige definieren sich eher über Abschusserfolge und teure Ausrüstung - und haben ihren Jagdschein nicht selten im Schnelldurchgang erworben.

Der Weg zum Jagdschein ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Die Bundesländer legen unterschiedliche Anforderungen an die Vorbereitung auf die Jägerprüfung fest. In einigen Ländern ist ein Vorbereitungslehrgang vorgeschrieben, in anderen können Bewerber auch ohne einen solchen Lehrgang zur Prüfung zugelassen werden. Der Deutsche Jagdverband empfiehlt mindestens 100 Stunden theoretische Ausbildung sowie zusätzliche praktische Ausbildung und jagdliches Schießen.

Wie umfangreich die Ausbildung tatsächlich sein muss, unterscheidet sich von Land zu Land. In Bayern etwa sind mindestens 120 Stunden vorgeschrieben, davon mindestens 60 Stunden praktische Ausbildung. In Mecklenburg-Vorpommern müssen Theorie und Praxis zusammen mindestens 130 Stunden umfassen. Die vorgeschriebenen Schießübungen kommen dort noch hinzu.

Jagdschein in wenigen Wochen möglich

Trotz solcher Vorgaben gibt es kompakte Ausbildungsmodelle. Private Jagdschulen bieten beispielsweise mehrwöchige Intensivkurse an. Für individuell zugeschnittene "Managerkurse" werden Preise von bis zu 6.000 Euro aufgerufen.

Die Kritik richtet sich deshalb nicht allein gegen die Zahl der Ausbildungsstunden. Entscheidend ist auch, wie diese Zeit genutzt wird. Florian Asche, Präsident des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorpommern, spricht von einer fehlenden "Reifezeit": Neben dem Wissen für die Prüfung brauche es Zeit, um fachliche und ethische Standards zu entwickeln und praktische Erfahrungen zu sammeln.

Denn auch eine Ausbildung, die die vorgeschriebene Stundenzahl erfüllt, kann in wenigen Wochen absolviert werden. Die reine Dauer des Kurses sagt daher wenig darüber aus, wie viel Gelegenheit ein angehender Jäger hatte, das Gelernte im Revier anzuwenden und Erfahrungen im Umgang mit Wild und Waffe zu sammeln. Zurückdrängen lasse sich die Entwicklung nicht, räumt Asche ein. Seine Vision: verbesserte Ausbildungsangebote an junge Menschen.

Jagdausrüster gehen auf Distanz

Auf Nachfrage von Plusminus distanzieren sich einige Jagdhersteller vom Fehlverhalten ihrer Werbepartner. Dazu gehören Roedale, Frankonia, Zeiss und Leica. Sie beteuern, bereits Kooperationen beendet zu haben, wenn die Standards einer nachhaltigen Jagd und eines respektvollen Umgangs mit dem Wild nicht eingehalten worden seien.

Ob das der Jagd nach Klicks Einhalt gebietet, darf bezweifelt werden. Auf der Bezahlplattform Hunt-on-Demand, nach eigenen Angaben die größte Jagdvideo-Streaming-Plattform im deutschsprachigen Raum, fehlen mittlerweile einige Unternehmen. Dafür sind andere Sponsoren an ihre Stelle getreten.

Nicolas Rath, der Hamburger Jungjäger, kann Jagdvideos - auch jenen mit unproblematischen Inhalten - wenig abgewinnen. Und zeigt sich für Werbung eher unempfänglich: "Am Ende des Tages schießen wir auf ein Lebewesen und wollen das waidgerecht erlegen. Und das funktioniert nur, wenn alles passt. Da ist die Marke völlig egal."

View the original on Tagesschau →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.