Klimareserve für Wein – Wie die Schweizer Weinbranche um den Markt kämpft

Die Schweizer Weinbranche ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Da ist einerseits der Klimawandel und andererseits der Fakt, dass Menschen immer weniger Wein trinken.
«Der sinkende Konsum ist nicht nur in der Schweiz ein Problem sondern weltweit», sagt Beat Kamm, Präsident des Branchenverbands Zürcher Wein. Dass ausländische Produzenten ihren Überschuss in der Schweiz günstig zu verkaufen versuchten, verschärfe die Situation zusätzlich.
Dabei sind Anpassungen bei den Reben und bei der Ernte kurzfristig nicht möglich. «Reben sind ein Produkt, das einen Zyklus von 25 bis 40 Jahren hat. Wir können nicht einfach den Hahn zudrehen», sagt Kamm.
Röstigraben bei den Massnahmen
Wie die Branche ihre Probleme lösen soll, darüber herrscht Uneinigkeit – insbesondere zwischen der Deutschschweiz und der Westschweiz. «Es sind sehr viele Instrumente auf dem Tisch. Welche am Schluss effektiv etwas bringen, wissen wir noch nicht», sagt Kamm.
So eine Massnahme ist die Klimareserve. Damit sollen Schweizer Weinproduzentinnen Ernteschwankungen besser ausgleichen können.
Die Klimareserve im Detail
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Der Nationalrat hat sich am Mittwoch mit 128 zu 43 Stimmen bei 16 Enthaltungen hinter die Vorlage seiner Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK-N) gestellt. Als Nächstes entscheidet der Ständerat darüber. Eine Lösung gefordert hatte die Weinbranche.
Die Vorlage sieht vor, dass Einkellerinnen und Einkellerer Trauben, die über den kantonalen Höchsterträgen, aber unter den vom Bundesrat vorgegebenen Höchstlimiten liegen, in Form von Weinreserven einlagern können. Auf den Markt gebracht werden dürfen sie aber nur, wenn es die Marktlage erfordert.
Die Regelungen für die Bildung respektive Freigabe der AOC-Wein-Reserven müssen die Kantone erlassen. Die Reserve soll einerseits Jahre mit kleinen Ernten überbrücken, andererseits aber auch verhindern, dass die Preise purzeln, wenn viel Wein auf dem Markt ist.
Der Bundesrat erklärte sich mit der Klimareserve einverstanden. Bundespräsident und Wirtschaftsminister Guy Parmelin, selbst Weinbauer, wies darauf hin, dass die Teilnahme am System freiwillig sei, sowohl für die Kantone als auch für die Produzentinnen und Produzenten. Dem Bund entstünden keine Mehrkosten.
Die Kritikerinnen und Kritiker der Vorlage wiesen auf das Risiko einer Traubenüberproduktion hin und befürchteten einen zunehmenden Preisdruck, was insbesondere die kleinen Weinproduzentinnen und -produzenten treffen würde. Aus Sicht der unterlegenen Minderheit ist es Aufgabe der Weinbauern und -bäuerinnen, Weinvorräte zu bilden und unterschiedliche Erntemengen auszugleichen.(sda)
In erntestarken Jahren dürfen mehr Trauben geerntet werden und als AOC-Weinreserve gelagert werden. Diese soll nach geringen Ernten auf den Markt kommen und so ermöglichen, den Marktanteil der Schweizer Weine zu halten. Am Mittwoch hat der Nationalrat dieser Reserve zugestimmt.
Laut Wein-Experte Andreas Keller dürften davon vor allem Produzenten von grösseren Mengen profitieren – und die gebe es vor allem in der Westschweiz.
Schwierige Aufgabe für den Bundesrat
Ob die Reserve der Weinbranche hilft, kommt für Keller und Kamm auf die Umsetzung an. Diese ist freiwillig und wird kantonal geregelt. «Wir glauben, es hätte einfachere Lösungen gegeben. Das wird mehr Kontrolle und Aufwand bedeuten», sagt Kamm.
Eine weitere politische Massnahme, die den Weinimport betrifft, war kürzlich in der Vernehmlassung. Konkret geht es um eine Neuverteilung der Wein-Importkontingente zugunsten von denjenigen, die Schweizer Trauben verarbeiten. Die Antwort des Bundesrats wird dazu erwartet.
«Das wird eine schwierige Auslegung für Bundesrat Parmelin», sagt Kamm. Der ehemalige Weinbauer sei extrem unter Druck – sowohl seitens der Weinproduzenten als auch der Wirtschaft.
Kreative Lösungen für junge Konsumentinnen
Und auch bei dieser Vorlage sind sich Deutschschweiz und lateinische Schweiz innerhalb der Branche uneinig. Beat Kamm zeigt sich aber loyal: «Das Ausspielen der Westschweiz gegen die Deutschschweiz finde ich nicht ganz korrekt, weil damit die Grössenordnung der Produktion ausgeblendet wird. Hätten wir im Kanton Zürich so viele Reben wie die Waadtländer und Walliser, dann hätten wir die gleichen Probleme.»
Einig ist sich die Branche zumindest beim Ankurbeln des Weinkonsums. Die Schweizer Produzenten decken etwas mehr als einen Drittel des inländischen Konsums ab.
Kamm sagt: «Wir müssen dem Schweizer Konsumenten aufzeigen, dass Schweizer Wein ein sehr gutes Produkt ist. Alle politischen Massnahmen könnten gestrichen werden, hätten wir 5 Prozent mehr Marktanteil.»
Wein-Experte Andreas Keller glaubt, dass die Winzer selbst kreative Lösungen finden müssen. «Wichtig wäre zum Beispiel, jüngere Konsumentinnen und Konsumenten zu gewinnen. Dafür sollten aber die Weine deren geschmacklichen Vorlieben entgegenkommen – zum Beispiel fruchtiger und weniger alkoholreich sein.»
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