Deutscher Busservice geht viral – in der Schweiz gibts ihn längst

Der Bus fährt praktisch an deiner Haustür vorbei – aussteigen kannst du aber erst an der nächsten Haltestelle. Gerade spätabends kann das einen längeren Fussweg durch dunkle Strassen bedeuten. Doch dafür gibt es eine Lösung: Beim Halt auf Wunsch darfst du abends zwischen zwei regulären Haltestellen aussteigen.
Ein Tiktok-Video über dieses Konzept der Rheinbahn in Düsseldorf wurde knapp zwei Millionen Mal aufgerufen. In mehr als 700 Kommentaren diskutieren Userinnen und User über das Angebot.
«Würde mich nicht trauen, Bescheid zu sagen», schreibt eine Nutzerin – und bekommt dafür über 1800 Likes. Eine andere ermutigt sie, an ihre Sicherheit und den kürzeren Heimweg zu denken.
Andere kennen das Prinzip schon von früher: Eine Person erzählt etwa, sie habe bereits vor 17 Jahren nachts darum gebeten, früher aussteigen zu dürfen, um nicht im Dunkeln zurücklaufen zu müssen. Zwischen den Reaktionen taucht auch eine Frage auf, die sich aus Schweizer Sicht aufdrängt: «Gibts das in der Schweiz?»
Wie findest du die Möglichkeit, abends mit dem Bus zwischen zwei Haltestellen auszusteigen?
Auch in der Schweiz kannst du früher raus
Die Antwort? Ja. Bei der Baselland Transport AG (BLT) gibt es den Halt auf Wunsch offiziell seit dem 1. Oktober. Allein reisende Fahrgäste und kleine Gruppen können ab 21 Uhr darum bitten, zwischen zwei Haltestellen auszusteigen.
Der Wunsch wird beim Einsteigen angemeldet. Ob ein Halt möglich ist, entscheidet das Fahrpersonal anhand der örtlichen Gegebenheiten sowie der Sicht-, Platz- und Verkehrsverhältnisse. Innerorts geht das grundsätzlich auf Strassenabschnitten mit Tempo 50 oder weniger. Einsteigen kann man weiterhin nur an offiziellen Haltestellen.
BLT stellt wachsendes Sicherheitsbedürfnis fest
Eingeführt hat die BLT das Angebot vor allem wegen des Sicherheitsgefühls. «Generell stellen wir ein wachsendes Bedürfnis nach mehr Sicherheit im ÖV fest», sagt Doris Fritschi, Leiterin Kommunikation und Public Affairs, zu 20 Minuten. Besonders nachts und in der dunkleren Jahreszeit fühlten sich Fahrgäste weniger wohl und sicher.
Für Zahlen zur Nutzung sei es nach wenigen Wochen noch zu früh. Die bisherigen Rückmeldungen seien aber «durchwegs positiv». Kommt der Service weiterhin gut an und wird er rege genutzt, soll er laut Fritschi fester Bestandteil des BLT-Kundenservice werden.
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Postauto will sich BLT genauer anschauen
Könnte das Modell nun auch bei anderen Schweizer Verkehrsbetrieben folgen? Postauto plane derzeit nicht, den Halt auf Wunsch systematisch im gesamten Netz einzuführen, wie es auf Anfrage von 20 Minuten heisst. «Die Anforderungen und Rahmenbedingungen unterscheiden sich je nach Region und Liniennetz stark», sagt Mediensprecherin Katharina Merkle.
Interessant findet Postauto das Modell trotzdem: «Wir nehmen diese Angebote mit Interesse zur Kenntnis und wollen uns mit der BLT über ihre Erfahrungen austauschen.» Schon heute berücksichtige das Fahrpersonal in besonderen Situationen die Gegebenheiten vor Ort. Oberste Priorität habe dabei die Sicherheit. Merkle sagt: «Mit Publicar bieten wir in verschiedenen Regionen einen bedarfsgesteuerten Rufbus an, der Fahrgäste je nach Angebot sogar von Tür zu Tür befördert.»
Sicherheit spricht für – und gegen – den Zwischenhalt
Andere Verkehrsbetriebe winken ab. Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) etwa lassen ihre Busse nicht zwischen regulären Haltestellen stoppen. Man bewege sich vorwiegend im städtischen Gebiet und verfüge bereits über eine hohe Haltestellendichte, so Mediensprecherin Selina Meyer.
Ähnlich argumentieren die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Einen Halt auf Wunsch habe man im Linienbusnetz bisher nicht vertieft geprüft. Das Haltestellennetz in Zürich sei bereits «sehr dicht», gleichzeitig sei die Nutzungsdichte im Strassenraum hoch. Da viele Busse auf Hauptverkehrsachsen unterwegs seien, könnten Zwischenhalte etwa mit Velostreifen, Halteverboten oder Fussgängerstreifen in Konflikt geraten.
Auch bei Bernmobil ist das Modell kein Thema. «Die Haltestellenabstände betragen in der Regel rund 300 Meter. Somit besteht gar kein Bedarf für zusätzliche Halte zwischen den Haltestellen», sagt Rolf Meyer, Leiter Kommunikation.
Interessant: Während die BLT mit einem höheren Sicherheitsgefühl argumentiert, führt Bernmobil die Sicherheit als Grund gegen Zwischenhalte an. «Es besteht das Risiko, dass andere Verkehrsteilnehmende nicht mit einem Halt auf offener Strasse rechnen und gefährliche Situationen entstehen. Da keine Haltekante vorhanden ist, besteht zudem für Fahrgäste das Risiko, dass sie beim Aussteigen auf die Strasse stürzen.» In einer Kundenzufriedenheitsumfrage vom Frühling gaben laut Bernmobil nur rund zwei Prozent an, sich in Fahrzeugen, an Haltestellen oder auf dem Weg dorthin nicht sicher zu fühlen.
Hast du auf deinem Heimweg mit den ÖV im Dunkeln schon einmal eine unangenehme Situation erlebt? Erzähl uns in den Kommentaren davon.
Malin Mueller (mmu) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin Lifestyle und Beauty-Redaktorin. Ihr Fokus: Hautpflege, Frisuren und Trend-Checks.
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