Strafvollzug im Tessin – Tessin eröffnet neue Gefängnisabteilung für Frauen

- Im Tessiner Gefängnis La Stampa in Lugano ist vergangene Woche eine Frauenabteilung eröffnet worden.
- Die Abteilung verfügt über elf Plätze, neun Zellen wurden bereits bezogen.
- Das Gefängnis soll dem wachsenden Frauenanteil bei den Gefängnisinsassen gerecht werden.
Die neue Struktur gewährleiste «angemessenere Bedingungen» für Frauen im Strafvollzug, wie das Tessiner Justiz- und Polizeidepartement mitteilte. Der Bereich umfasse auch Räume für den Freigang und die täglichen Aktivitäten sowie eine Werkstatt für Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Unter den elf Plätzen ist auch eine Zelle, die für eine Mutter mit einem Kind von bis zu drei Jahren konzipiert ist.
Bisher wurden die Frauen in der Haftanstalt La Farera untergebracht oder für längere Freiheitsstrafen in ausserkantonale Einrichtungen verlegt. «Das kann wegen der Sprache ganz schwierig sein, aber auch, weil sie dann weit weg von ihren Familien und ihren Kindern sind», sagt Martina Kobiela. Die Journalistin der «Tessiner Zeitung» war bei der Eröffnung dabei. Zudem sei dies mit erheblichen finanziellen Kosten verbunden gewesen, heisst es im Communiqué des Polizeidepartements.
Bis zu 22 Stunden in der Zelle
Bei kürzeren Strafen von bis zu einem Jahr wurden Frauen häufig im Untersuchungsgefängnis La Farera untergebracht. Dort sind die Haftbedingungen deutlich strenger als im regulären Strafvollzug. «Die Frauen mussten oft bis zu 22 Stunden täglich in ihren Zellen bleiben und hatten kaum Zugang zu Ausbildungs- und Resozialisierungsangeboten», sagt Journalistin Kobiela.
Die Probleme waren bekannt: Nach einem Besuch 2024 kritisierte die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter die Haftbedingungen. Bereits 2023 habe die kantonale Justizabteilung eingeräumt, dass die Bedingungen für Frauen sehr streng seien, sagt Kobiela.
Mehr Platz für Männer gebraucht
Eine frühere Frauenabteilung wurde vor rund zwanzig Jahren geschlossen, weil mehr Platz für Männer benötigt wurde. Damals seien im Tessin lediglich drei verurteilte Frauen inhaftiert gewesen, erklärt Kobiela. Heute sind es mehr: Insgesamt machen Frauen etwa 6 Prozent der Gefangenenpopulation aus. Frauen mit besonders langen Strafen bleiben teilweise weiterhin in ausserkantonalen Einrichtungen.
Der Kanton Tessin kämpft seit Längerem mit vollen Haftanstalten – insbesondere das Untersuchungsgefängnis stösst an seine Kapazitätsgrenzen. Laut dem Tessiner Gefängnisdirektor Stefano Laffranchini lässt sich dies mit der peripheren Lage des Tessins erklären. Drogenhandel, grenzüberschreitender Diebstahl und Probleme im Zusammenhang mit den Migrationsströmen seien typische Merkmale eines Transit- und Grenzkantons.
Die neue Abteilung bietet Gemeinschaftsräume, eine grosse Küche und eine Werkstatt. Die Frauen sollen ihren Alltag stärker selbst gestalten können. Dazu gehört ein eigener Zellenschlüssel: Sie können sich zurückziehen und die Tür abschliessen. Das Aufsichtspersonal hat jederzeit Zutritt.
«Wenn dieses neue Haftregime bei den Frauen gut klappt, sollen auch die Männer mehr Autonomie und vielleicht auch einen eigenen Schlüssel zu ihrer Zelle bekommen», so Kobiela.
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