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Monday, September 14, 2026

Auf Wolkenjagd in Somerset – Ein Brite kämpft für den Ruf der Wolken

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Gavin Pretor-Pinney spaziert mit mir durch die englische Grafschaft Somerset. Er sieht zum blauen Himmel und runzelt die Stirn: «Das wird heute ein problematischer Tag für die Wolkenjagd», prophezeit er. Dabei liebt er Wolken.

Person zeigt auf Landschaft mit Bäumen und blauem Himmel.
Legende: Somerset und keine Wolken in Sicht: Der Brite Gavin Pretor-Pinney auf der Jagd nach seiner grossen Liebe: Bewölkung. Tobias Wenzel

Er hat sogar einen Verein zur Wertschätzung von Wolken gegründet, die Cloud Appreciation Society, und das nun erschienene «Handbuch für Wolkengucker» geschrieben.

Gleichgültigkeit aus Gewohnheit

Als wir einen bewaldeten Hügel hochgehen, sagt Pretor-Pinney, Kinder würden noch tolle Fragen stellen wie «Warum fallen die schweren Wolken nicht vom Himmel?» Bis auch diese Kinder erwachsen würden.

«Wir haben uns dann so sehr an seinen Anblick gewöhnt», erläutert Pretor-Pinney, «dass wir blind für Wolken geworden sind.» Andere hassen Wolken gar, weil sie sie mit Regenwetter assoziieren. Das alles will Gavin Pretor-Pinney ändern. Deshalb erklärt er in seinem Buch nicht nur Wolkengattungen. Auch nähert er sich Wolken wie einem Naturkunstwerk, als Ästhet.

Wir haben die Lichtung auf dem Hügel erreicht, die perfekt ist zum Wolkengucken. Eigentlich. «Heute gibt es keine Wolken», stellt Pretor-Pinney fest. «Aber da am Horizont, sind das nicht dünne Wolken?», frage ich ihn verzweifelt. Pretor-Pinneys ernüchternde Antwort: «Das ist nur aufgewirbelter Staub.»

Die Wolke als Drache

An der Hamburger Alster hat die Kinderbuchautorin Cornelia Funke («Die wilden Hühner», «Tintenwelt») mehr Glück. «Oh!», sagt sie, während sie fasziniert auf eine Wolke über einem Waldstück zeigt. «Der Drache mit seinem ganz langen Hals, wie er da unten aus den Bäumen kommt.»

Für mich sehe das wie eine Kuh aus, sage ich. «Das ist das Wunderbare», freut sich die prominente Wolkenliebhaberin. «Wir sehen vollkommen unterschiedliche Sachen. Das heisst, der Himmel spricht mit uns auf unterschiedliche Weise.»

Ein Leben ohne Wolken?

Funke ist eines von mehr als 60'000 Mitgliedern in Pretor-Pinneys Verein der Wolkenfreunde. In seinem «Handbuch für Wolkengucker» ist das Manifest des Vereins abgedruckt.

Buchhinweis

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Gavin Pretor-Pinney: «Handbuch für Wolkengucker». Herausgegeben von der Cloud Appreciation Society. Aus dem Englischen übersetzt von Martin Bauer. Liebeskind, 2026.

«Wir glauben, dass Wolken zu Unrecht verleumdet werden und das Leben ohne sie unendlich viel ärmer wäre», lautet der Beginn des Manifests, den ich Cornelia Funke vorlese. «Ich kann das nur bestätigen, weil ich ja sehr lange in Kalifornien gelebt habe», sagt Funke. «Wenn ich irgendetwas dort vermisst habe, dann waren das die Wolken.»

Zum Glück sieht sie nun etliche am Hamburger Himmel. «Da kommt so etwas Flauschiges reingedriftet», sagt sie. «Das sieht schon sehr wie ein Schaf aus. Aber ich nehme an, es ist einfach eine Wolke.»

Aufatmen durch Zirruswolken

«Einfach» ist gut. Wieder in England deutet Pretor-Pinney am Schluss unseres Spaziergangs endlich zum Himmel: «Wir sehen dort ein paar Zirruswolken. Einige sind aus Kondensstreifen entstanden», erklärt er. «Andere haben sich wohl infolge steigender Luftfeuchtigkeit im oberen Bereich der Troposphäre gebildet.»

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  • Bild 1 von 8. Imposante Gebilde, exquisite Namen: Hier kommen Wolken für Geniesser – wie diese Cumulonimbus-Wolke über München. Bildquelle: Dimitrios Germichalos.

  • Bild 2 von 8. Mitglieder der Cloud Appreciation Society haben eine Reihe bildgewaltiger Wolkenfotos zusammengetragen wie von dieser Stratocumulus-Wolke im Abendrot. Bildquelle: Daniela Kühnast.

  • Bild 3 von 8. Ein Schauspiel: Turbulenzen eines herannahenden Gewitters mit Cumulonimbus-Wolken. Bildquelle: Tanja Bremer.

  • Bild 4 von 8. Hier schwebt die Pileus-Wolke, eine vor allem schalen- oder haubenförmige Begleitwolke. Bildquelle: Wiebke von Hauenschild.

  • Bild 5 von 8. Fetzen am Himmel: eine Cirrus-spissatus-Federwolke in der Nähe von Paderborn. Bildquelle: Megan Wehrhahn.

  • Bild 6 von 8. Feingestreifter Himmel über Somerset. Cirrus-Wolken sind reine Eiswolken in grosser Höhe. Bildquelle: Helen Crawley.

  • Bild 7 von 8. Altocumulus radiatus deutet auf Instabilität in mittleren Schichten der Atmosphäre hin und kündigt oft herannahendes Unwetter an. Bildquelle: Bernhard Kaliner.

  • Bild 8 von 8. Der Klassiker: Cumulus – eine dichte Quellwolke mit einer flachen Basis und blumenkohlartiger Oberseite. Bildquelle: Eckbert Andresen.

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Gavin Pretor-Pinneys Miene hat sich sofort aufgehellt. Er lacht: «Das war schon ein gutes Gefühl, wenigstens etwas im englischen Himmel zu zeigen.» Ansonsten gibt es ja auch noch das «Handbuch für Wolkengucker».

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