6 Meter Eis weg: Gletscher-Foto macht Glaziologen sprachlos

- Am Grossen Aletschgletscher sind diesen Sommer an einem Messpunkt fast sechs Meter Eis geschmolzen.
- Fehlende Schneefälle und anhaltende Hitze verstärken die Gletscherschmelze in den Schweizer Alpen.
- Der Gletscherschwundtag wurde 2026 bereits am 29. Juni erreicht – so früh wie erst einmal zuvor.
Die Gletscherschmelze schreitet auch in den Schweizer Alpen schnell voran. Die Hitzewellen des Sommers trieben sie auf Rekordniveau. «Unsere Daten zeigen, dass in diesen Tagen rund 400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde von den Gletschern abschmelzen», sagte Matthias Huss im Juni zu 20 Minuten. Welche Folgen das haben kann, zeigt ein aktueller X-Post von ihm. Der Glaziologe und Leiter des Schweizerischen Gletschermessnetzes Glamos dokumentiert seit Jahren den Eisverlust in den Schweizer Alpen.
«Da fehlen mir die Worte»
Der Post enthält ein Foto vom Konkordiaplatz am Grossen Aletschgletscher. Aufgenommen hat es der Geograph und Glaziologe Andreas Linsbauer. Mit im Bild: ein Mann mit einer sehr langen Messstange, die ihn deutlich überragt. Sie zeigt, wie viel Eis an dieser Stelle, einem Messpunkt, im Sommer 2026 verloren gegangen ist. «Eine fast sechs Meter dicke Eisschicht ist verschwunden», schreibt Huss dazu. Dies «mitten im grössten Gletscher der Alpen.» Selbst für Glaziologen sei das kaum zu begreifen. «Da fehlen mir die Worte.»
Sommerliche Schneefälle ausgeblieben
Zwar nimmt die Eisdecke auf Gletschern im Sommer immer ab, jedoch nicht in dem Ausmass, wie auf dem Foto zu sehen ist. Normalerweise verlieren die Gletscher im Hochsommer «pro Tag zwischen fünf und zehn Zentimetern Eis», erklärte Huss im Juli gegenüber der NZZ. Doch in diesem Jahr seien die sommerlichen Schneefälle im Gebirge ausgeblieben. «Seit Mitte Mai hat es in den Alpen nicht mehr richtig geschneit.» 2025 sei das anders gewesen, so der Experte. Da habe es im Juli mehrfach etwas Neuschnee gegeben. Diese Schneefälle seien wichtig, «da sie die Schmelze für ein paar Tage komplett abstellen können.»
Ein besonders herausforderndes Jahr
Dass 2026 für Gletscher ein besonders herausforderndes Jahr ist, zeichnete sich schon im Juni ab. Früh einsetzende und «langanhaltende Hitzeperioden sind der Worst Case für die Gletscher», sagte Huss damals. «Da der Schnee früher verschwindet, wird eine helle Oberfläche, die viel Energie reflektieren kann, mit einer dunklen ersetzt. Mit denselben Temperaturen schmilzt also noch mehr Eis ab.»
Beunruhigt dich das Schmelzen der Gletscher?
Das belegt auch das Datum des diesjährigen Gletscherschwundtags. Dieser wurde am 29. Juni erreicht. So früh wie in diesem Jahr wurde der Gletscherschwundtag erst einmal erreicht: im Jahr 2022. Damals war es der 26. Juni. In anderen Jahren war das erst später der Fall (siehe Box).
Gletscherschwundtag?
Der Gletscherschwundtag ist der Tag, an dem die Schweizer Gletscher ihre im Winter angesammelten Schneereserven komplett aufgebraucht haben. Er markiert den Zeitpunkt, ab dem das Schmelzen des Eises die Winteransammlung übersteigt und der Gletscher netto an Substanz verliert. Im Jahr 2025 war es am 4. Juli soweit, 2024 am 11. August.
Die endgültige Bilanz des Gletscherjahres 2026 wird erst Ende September vorliegen, so Blue News.
Wie die extreme Sommerhitze den Gletschern zugesetzt hat, zeigt ein weiterer Post von Huss, in dem die Entwicklung des Rhonegletschers zu sehen ist.
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