Viele Verletzte, grosse Wut: «Kein Fans, sondern Kriminelle»

Darum gehts
- Beim DFB-Pokal-Derby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern kam es am Freitagabend zu schweren Ausschreitungen.
- FCK-Fans schossen Feuerwerkskörper in den Sitzplatzbereich, woraufhin Mannheimer Fans den Rasen stürmten und die Partie 30 Minuten unterbrochen wurde.
- 35 Polizeibeamte wurden verletzt; Kaiserslautern gewann das Spiel schliesslich 1:0 nach Verlängerung.
Nach den schweren Ausschreitungen beim Südwest-Derby im DFB-Pokal zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern müssen beide Vereine mit Konsequenzen rechnen. Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) kündigte eine umfassende Aufarbeitung der Vorfälle an.
Nach Polizeiangaben wurden 35 Beamte verletzt und mehrere Fussballfans vorläufig festgenommen. Insgesamt mussten demnach 85 Personen medizinisch betreut werden und acht von ihnen zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus. Bei den behandelten Blessuren handelt es sich laut einer Polizeisprecherin nach früheren Erkenntnissen um leichte Verletzungen.

Die beiden Fanlager sind seit Jahren verfeindet
Der DFB hatte bereits unmittelbar nach dem Spiel auf die Ausschreitungen reagiert. «Der Deutsche Fussball-Bund wird die Berichte auswerten und den zuständigen Gremien zuleiten», hiess es in einer Stellungnahme auf Instagram. Für sicherheitsgefährdendes Verhalten sei im Fussball kein Platz. «Der Sonderbericht wird entsprechend lang sein», sagte Schiedsrichter Robert Schröder bei Sky.
Nach Angaben des Veranstalters hatten rund 23’500 Zuschauer das ausverkaufte Carl-Benz-Stadion in Mannheim am Freitagabend besucht, darunter etwa 3’500 Gästeanhänger. Die beiden Fanlager sind seit den frühen 1980er-Jahren verfeindet und liefern sich auch diesmal ein aufgeheiztes Duell auf den Rängen – inklusive Pyrotechnik, Feuerwerkskörpern und aufwendiger Choreografien.
Fans stürmen den Rasen
Nach torlosen 90 Minuten eskalierte die Situation, als nach einer Rudelbildung zwischen den Spielern auf dem Rasen einige FCK-Anhänger Feuerwerkskörper in den Sitzplatzbereich schossen. Daraufhin stürmten die Mannheimer Fans den Platz.
Einsatzkräfte der Polizei – manche von ihnen zu Pferd – mussten einschreiten, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Insgesamt waren rund 1.400 Sicherheitskräfte im Einsatz – darunter Beamte aus Rheinland-Pfalz und Bayern.
Zeitweise drohte ein Abbruch der Partie. Der Anpfiff zur Verlängerung musste infolge der Krawalle kurzzeitig verschoben werden, nach Wiederaufnahme des Spiels blieb es aber ruhig. Danach löschte die Feuerwehr einen von FCK-Anhängern im Gästefanblock gezündeten Brand.
Die Polizei ermittelt nun wegen Beleidigungen, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, tätlicher Angriffe auf Polizeibeamte sowie Verstössen gegen das Sprengstoffgesetz.
Beide Vereine kritisieren Randalierer
Lauterns Geschäftsführer Thomas Hengen fand deutliche Worte für die Geschehnisse. «Das ist ein Derby, da sind die Emotionen gross, also darf etwas aber nicht ausarten.» «Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem Fussball», sagte der Ex-Profi bei Sky. Für ihn waren das Einschreiten der Polizei und das umsichtige Agieren des Schiedsrichterteams entscheidend dafür, dass es nicht zum Spielabbruch kam. Auf dem Platz sei es aber ein faires Derby gewesen.

Mannheims Sportdirektor Mathias Schober schob derweil die Schuld für die Eskalation dem Gegner zu. Schober bei Sky: «Nach der Rudelbildung hier an der Ecke, auf die wir deeskalierend eingewirkt haben, sind wir hinübergegangen und dann sind, glaube ich, Raketen aus dem Lautern-Block in unsere Haupttribüne geschossen worden. Ich glaube, dass das der Auslöser für die Spielunterbrechung war.»
Moderator Patrick Wasserziehr fragte in der Folge, ob also die Fans von Kaiserslautern schuld seien. Schober: «So wie ich das mitbekommen habe, sind aus der Fankurve Leuchtraketen auf die Haupttribüne geschossen worden.» Wasserziehr entgegnete, dass auch möglicherweise Gegenstände von den Mannheimer Fans geworfen worden seien.
Schober: «Meine Wahrnehmung war, dass es drei Gelbe Karten gab, eine davon gegen Ritter, und als Ritter zu seiner Bank gegangen ist, hat er auf seine Art provoziert und Dampf abgelassen. Das entschuldigt nicht die Becherwürfe. Aber ich denke schon, dass das sehr provozierend war.»
Innenminister: «Kein normales Derby»
Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) verurteilte die Szenen. «Das war heute in Mannheim kein normales Derby», erklärte er. «Wer den Fussball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist kein Fan, sondern ein Krimineller.»
Letztlich gewann Kaiserslautern das Spiel 1:0 (0:0) nach Verlängerung. Den entscheidenden Treffer für den Zweitligisten erzielte Ibrahim Kanaté in der 120. Minute, wenige Momente vor einem möglichen Elfmeterschiessen.
Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredakteur und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
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