«Star Trek»-Interview – Patrick Stewart: Warum er als Picard der ideale Captain war

Der britische Schauspieler Patrick Stewart ist vielen primär für eine Rolle ein Begriff: die des Captains Jean-Luc Picard in der TV-Serie «Star Trek – The Next Generation». Und das, obwohl Stewart auch als Theaterschauspieler und in zahlreichen Hollywoodfilmen geglänzt hat. Nun ist er im Alter von 86 Jahren verstorben. Warum er für viele einfach der beste Raumschiff-Kapitän war, erläutert Filmwissenschaftler und -journalist Simon Spiegel im Interview.
Simon Spiegel
Filmwissenschaftler und Science-Fiction-Experte
Simon Spiegel, geboren 1977 in Basel, ist Filmwissenschaftler und -kritiker und Titularprofessor an der Universität Zürich. Er forscht unter anderem zu Science-Fiction.
SRF: Wenn man «Star Trek» hört, dann denkt man an ikonische Figuren wie Captain Kirk, Mister Spock und Dr. «Pille» McCoy. Wo reiht sich Patrick Stewarts Captain Jean-Luc Picard in diese Riege ein?
Simon Spiegel: Jean-Luc Picard als Figur war in verschiedener Hinsicht ein Gegenentwurf zum Captain der ersten «Star Trek»‑Serie. Kirk – das war ein Draufgänger, ein Frauenheld. Der war ungestüm, emotional. Picard dagegen ist ein ruhiger, besonnener, intellektueller Typ – auf den ersten Blick eher förmlicher, zurückhaltender. Der aber, wie sich dann zeigt, eine grosse Humanität hat, der Dinge verstehen will und der auch einen ganz starken moralischen Kompass hat. Diese Eigenschaften wurden durch Patrick Stewart sehr gut verkörpert.
Patrick Stewart war gestandener Shakespeare-Mime auf den britischen Theaterbühnen. Eine eher ungewöhnliche Wahl für eine Rolle in einer Science-Fiction-Serie?
Tatsächlich hat Patrick Stewart zu Beginn damit gerungen: Soll er diese Rolle annehmen? Angeblich hatte er, als er vorgesprochen hat, «Star Trek» gar nicht gekannt. Gleichzeitig muss man auch sagen: Es war nicht seine erste Science-Fiction-Rolle. Er hat bereits vorher in David Lynchs missglückter Verfilmung von «Dune» mitgespielt. Das waren Genrewelten, die ihm nicht vollkommen fremd waren.
Da ist dieser Mann mit der sonoren Stimme, der Ernsthaftigkeit ausstrahlt.
Ich denke auch, dass gerade dieses Ernsthafte, Seriöse, das ganze Pathos, das mitkommt via Shakespeare, für seine Figur auch richtig war. Wenn man die Nachrufe auf ihn liest, taucht ein Begriff immer wieder auf: «Gravitas» (lateinisch für Gewicht, Schwere, Anm. der Redaktion). Da ist dieser Mann mit der sonoren Stimme, der Ernsthaftigkeit ausstrahlt. Das ist ein wichtiger und sogar ein essenzieller Teil dieser Figur.
Science-Fiction war für ihn nie etwas Minderwertiges.
Interessant ist auch, dass Stewart, der später auch wieder auf der Bühne stand und auch wieder Shakespeare gespielt hat, nie auf «Star Trek» heruntergeschaut hat – und später auch bei den «X-Men» mitspielte. Science-Fiction war für ihn nie etwas Minderwertiges. Er war immer stolz darauf und auch darauf, wie viele Leute er mit dieser Serie erreicht hat.
Patrick Stewart in seinen bekanntesten Rollen
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Bild 1 von 6. Raumschiff Enterprise: Patrick Stewart führte die Crew als Captain Picard, hier an der Seite von Brent Spiner als Android Data. Bildquelle: IMAGO / Everett Collection.
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Bild 2 von 6. Patrick Stewart in X-Men 2 als Professor X. Bildquelle: IMAGO / Everett Collection.
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Bild 3 von 6. ... hier mit seinen X-Men. Bildquelle: IMAGO/Cinema Publishers Collection.
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Bild 4 von 6. Von links nach rechts: Ian McKellen, Richard Linnell, Sam Walton und Partrick Stewart vor dem Theatre Royal Haymarket in London anlässlich des Theaterstücks «Waiting for Godot» von Samuel Beckett, 2009. Bildquelle: IMAGO / Avalon.red.
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Bild 5 von 6. Gil Blank und Patrick Stewart im Film «Hunting Elephants» aus dem Jahr 2013. Bildquelle: IMAGO / Capital Pictures.
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Bild 6 von 6. Jake Kasch, Macon Blair and Patrick Stewart in «Green Room» (2015). Bildquelle: IMAGO / Capital Pictures.
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Patrick Stewarts Picard kennt man auch ausserhalb der «Star Trek»-Fanblase. Wie ist ihm das gelungen?
Er ist ein Chef oder ein Anführer, wie man ihn sich wünscht. Besonnen. Er überlegt zuerst. Er versucht, das Richtige zu machen. Er prescht nicht vor. Er ist korrekt, aber nicht überkorrekt. Er stellt sich moralischen Fragen, versucht, diese richtig zu lösen. Gerade wenn man die heutige Weltpolitik anschaut, würde man sich viel mehr Führungspersonen mit diesen Eigenschaften wünschen.
«Star Trek» hat mittlerweile eine 60-jährige Geschichte. Captains sind gekommen und gegangen. Welchen Status hält Patrick Stewart als Jean-Luc Picard in dieser fortlaufenden Geschichte?
Was man auf jeden Fall sagen kann, ist, dass kein Captain, der später kam, in Sachen Ausstrahlung und Bekanntheit an Picard heranreicht. Die Fans können sich dann streiten, wer der bessere Captain ist, ob Kirk oder Picard. In Umfragen unter Fans ist aber regelmässig Picard auf Platz eins.
Das Gespräch führte Bodo Frick.
Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 30.10.2026, 17:10 Uhr ; frib/gert
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