Nur weibliche Jockeys – Kuh-Grand-Prix am Flumserberg lockte Tausende an

Der Kuh-Grand-Prix ist ein Spektakel, an welchem ausschliesslich weibliche Jockeys über zwei Runden um die Krone kämpfen. Mittendrin ist Selina Gadient. Die 23-Jährige ist Skirennfahrerin und gelernte Landwirtin. Bereits zum sechsten Mal geht sie auf der Alp Tannenboden am Flumserberg an den Start, gewonnen hat sie bis dato noch nie.
Die richtige Kuhwahl sei matchentscheidend. «Wir versuchen es jedes Jahr, aber es geht nicht mit allen», erklärt die Flumserin. Eine tragende Kuh oder ein Tier, das hinkt, fallen von vornherein weg. Die Wahl fiel schliesslich auf die 700 Kilo schwere «Odyssee», die sich im Alltag viel bewegt, dominant ist und bereits im Vorjahr den dritten Platz belegt hatte.
Zwar gelingt Gadient der Start, doch kurz darauf wird sie von fast allen Teilnehmerinnen überholt. In der zweiten Runde verlieren die führenden Kühe jedoch die Lust und bleiben zum Teil komplett stehen. Gadient nutzt die Gunst der Stunde und rollt das Feld mit ihrer Kuh «Odyssee» von ganz hinten auf. «Ich freue mich sehr», sagt die Gewinnerin, gibt aber gleichzeitig zu, dass sie eigentlich kaum Einfluss auf den Sieg hatte.
Die Jockeys haben wenig Einfluss
«Die Jockeys haben wenig Einfluss, ich zwinge die Kuh zu nichts. Wenn ein Tier einfach stehen bleibt, hat man keine Chance», betont Gadient. Vorwürfe von Tierquälerei weist sie deshalb zurück: Die Kuh entscheide stets selbst, ob und wie schnell sie rennen wolle. Demgegenüber kritisieren Tierschutzkreise, dass Kühe anatomisch nicht zum Reiten geeignet seien und die Tiere durch Menschenmassen sowie lautes Geschrei gestresst würden.
Der Ostschweizer Nutztierarzt Franz Mäder erklärt auf Anfrage von SRF, dass der Stress für die Kühe bei einer Renndauer von zehn Minuten minimal sei. Zudem würden die Bauern ihre Kühe kennen und nur Tiere auswählen, die sich für ein solches Event eignen. Ausserdem sei es für eine Kuh überhaupt kein Problem, eine Reiterin mit einem Gewicht von beispielsweise 60 Kilo zu tragen, so der Veterinärmediziner. Im Vorfeld der diesjährigen Ausgabe habe es laut Selina Gadient zudem kaum Kritik an dem Event gegeben.
Wetten auf die Lieblingskuh
Brigitta Kurath ist die Erfinderin des Kuh-Grand-Prix. Als sie ihre Idee vor 20 Jahren dem rein männlichen Organisationskomitee vorstellte, erntete sie zunächst nur Spott. «Die Männer fanden es gar nicht gut», erinnert sich Kurath. Kurzerhand entschied sie damals, dass ausschliesslich weibliche Jockeys im Sattel sitzen dürfen. Diese Tradition hat sich bis heute erfolgreich gehalten.
In einem eigenen Wettbüro können Besucherinnen und Besucher bis zu 20 Franken auf ihre Favoritin setzen. Die Kriterien bei der Auswahl der vermeintlichen Siegerkuh sind dabei denkbar vielseitig: Während die einen auf besonders dominante Tiere setzen, vertrauen andere auf die lautstarken oder die, die sich am meisten bewegen.
Vor dem Startschuss lassen sich die herausgeputzten Kühe gemeinsam auf einer Wiese beobachten. Eine Touristin aus Boston glaubt zum Beispiel, die Leitkuh entdeckt zu haben. Sie hat 20 Franken gewettet, doch am Ende hat sie doch auf die falsche Kuh gesetzt.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.