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Friday, October 16, 2026

Ende der Schwangerschaft – Tabuthema Schwangerschaftsverlust: Frauen brechen das Schweigen

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«Als ich anfing, darüber zu sprechen, wurde mir klar, dass ich nicht so allein war, wie ich dachte.» Das sagt eine der Frauen, mit denen das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) über ihre Fehlgeburten gesprochen hat. Die meisten von ihnen wünschten, dass ihr Name nicht genannt wird.

Das Thema ist heute noch ein Tabu. Frauen entdecken oft erst im Nachhinein, dass ihre Mutter, ihre Tanten oder enge Freundinnen dieselbe Erfahrung gemacht hatten, ohne je darüber zu sprechen.

Bild von einem Ultraschall auf einem Monitor in einem Untersuchungsraum.
Legende: Bild eines Fötus bei der ärztlichen Untersuchung mit dem Ultraschall. RTS

Dieses Schweigen erklärt sich teilweise durch die Tradition, eine Schwangerschaft nicht vor Ende des dritten Monats bekannt zu geben. «Wenn man es niemandem gesagt hat, ist es schwieriger, danach zu verkünden: ‹Ich war schwanger, aber ich habe es verloren›», sagt eine andere von RTS befragte Frau.

Nach der Trauer das Schuldgefühl

Die gesammelten Aussagen verdeutlichen, wie hart diese Erfahrung ist. Manche Frauen erleben ihre Fehlgeburt am Arbeitsplatz, andere bei einem Familienessen. «Eine Regelblutung hoch 1000», beschreibt es eine von ihnen. Die körperliche Gewalt geht mit einem emotionalen Schock einher, insbesondere wenn der Verlust eintritt, nachdem man bei einer Ultraschalluntersuchung den Herzschlag des Fötus gehört hat.

Frühe Schwangerschaftsverluste betreffen etwa 15 bis 20 Prozent der klinisch erkannten Schwangerschaften. Das sagt Jasmine Abdulcadir, leitende Ärztin der Notfallstation für Gynäkologie und Geburtshilfe am Universitätsspital Genf. Das Risiko steige jedoch deutlich mit dem Alter: Mit 40 Jahren liege es bei etwa 40 Prozent, und dann gemäss einigen Studien sogar auf über 50 Prozent steigen.

In mehr als der Hälfte der Fälle wiederholter Schwangerschaftsverluste wird gemäss Abdulcadir selbst nach Untersuchungen keine Ursache festgestellt.

Nach der Traurigkeit stellt sich rasch das Schuldgefühl ein: «Was habe ich falsch gemacht? Warum habe ich zu fett gegessen? Habe ich eine zu schwere Last getragen? Vielleicht war diese Jeans zu eng», fragen sich manche Frauen.

Caroline Rusterholz, Professorin für Sozialgeschichte an der Universität Freiburg und am Graduate Institute in Genf, erinnert daran, dass «diese Überzeugungen auf das 18. Jahrhundert zurückgehen, als Frauen versuchten, ihre Fehlgeburten zu rechtfertigen, um nicht der Abtreibung beschuldigt zu werden. Diese Gemeinplätze belasten noch heute potenzielle Mütter mit Schuldgefühlen.»

Die moderne Medizin hat paradoxerweise die frühe Bindung während einer Schwangerschaft verstärkt. Hochsensible Schwangerschaftstests und Tracking-Apps ermöglichen es, sehr früh zu wissen, dass man schwanger ist. «Man konzeptualisiert das Baby viel schneller», sagt eine Hebamme, was es umso schwerer mache, einen späteren Verlust zu verarbeiten.

Schon der Begriff «Fehlgeburt» ist problematisch

Fünf Monate lang befragte die Pflegefachfrau Roodelyne Joseph vom Universitätsspital Lausanne (CHUV) Frauen, deren Schwangerschaft geendet hatte. Ziel ihrer Studie: die Betreuung zu verbessern und die psychologischen Auswirkungen auf die Patientinnen zu verringern. Ihre Studie hat unter anderem gezeigt, dass 20 bis 40 Prozent der betroffenen Frauen Angst empfinden und 40 Prozent von ihnen den Wunsch äussern, über den Schwangerschaftsverlust zu sprechen und nach der Ursache zu suchen.

Frauen hinterfragen den Begriff «Fehlgeburt»:

Mehrere Frauen, die in der Dokumentation aussagen, stören sich am Begriff «Fehlgeburt». «Warum ‹Fehl-›? Es ist, als ob etwas falsch gewesen wäre. Das ist belastend. Es ist, als ob der Körper der Frau es nicht geschafft hätte», empört sich die 80-jährige Denise.

Trotz des Schmerzes plädieren viele Frauen dafür, das Schweigen zu brechen. Séverine sagt: «Wenn meine Tochter das eines Tages erleben muss, wünsche ich mir, dass sie eine andere Begleitung erhalten wird, als ich sie hatte. Ich wünsche mir auch, dass es weniger Schweigen um all das gibt.»

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