Nach Plagiatsvorwürfen: Ex-Cambridge-Professor Arday ist tot
Der nach schwerwiegenden Plagiatsvorwürfen zurückgetretene Professor der renommierten Universität Cambridge, Jason Arday, ist tot. Der Soziologe sei in einem Gebäude im Londoner Stadtteil Battersea ohne Lebenszeichen entdeckt und von Rettungskräften für tot erklärt worden, berichteten britische Medien. Später bestätigten die Universität und Ardays Familie den Tod des 41-Jährigen.
Zum jetzigen Zeitpunkt werde sein Tod als "unerwartet" eingestuft - es gebe jedoch keinen Grund zur Annahme, dass ein Verbrechen vorliege, teilte die Polizei mit. Der Fall werde weiter untersucht.
Deborah Prentice, die die Universität Cambridge als Vizekanzlerin leitet, zeigte sich "zutiefst betrübt über diese tragische Nachricht". In ihrer kurzen Stellungnahme heißt es weiter: "Unser tiefstes Mitgefühl gilt der Familie und den Freunden von Jason Arday in dieser unglaublich schweren Zeit."
Familie beklagt "Desinformationskampagne"
Die Familie selbst sprach mit Blick auf die Anschuldigungen gegen Arday von Mobbing und Schikane. "Die Desinformationskampagne war einfach zu viel für Jason." Zugleich betonten die Angehörigen: "Er war ein sanftmütiger Mensch, der in jedem stets das Gute sehen wollte."
Arday war 2023 als jüngster schwarzer Professor in Cambridge gefeiert worden - damals war er 37 Jahre alt. In der vergangenen Woche trat er mit sofortiger Wirkung zurück, nachdem die Universität eine Untersuchung zu sich mehrenden Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner Dissertation angekündigt hatte.
Seine Entscheidung dürfe nicht "als Zustimmung zu den Darstellungen, die mich umgeben, missverstanden werden", hatte Arday betont. Eine frühere Untersuchung der John-Moores-Universität in Liverpool, an der Arday seine Doktorarbeit verfasste, hatte kein Fehlverhalten festgestellt.

Die "Times" hatte vor Ardays Rücktritt kritische, investigative Artikel über ihn veröffentlicht. Auch an der Glaubwürdigkeit von Teilen seiner Lebensgeschichte wurde öffentlich gezweifelt. In einem Interview mit der Zeitung räumte der Akademiker zwar "Fehler" in seiner wissenschaftlichen Arbeit ein, erklärte jedoch, er werde zu Unrecht "als Lügner, Fantast und wissenschaftlicher Betrüger dargestellt". Zudem sprach er von einer "rassistisch motivierten Kampagne", um ihn aus seinem Amt "zu entfernen".
Den Stein ins Rollen gebracht hatten im Juli erhobene Plagiatsvorwürfe von Nathan Cofnas, einem US-Wissenschaftler, dessen Forschungszugehörigkeit zu einem Cambridge-College im Jahr 2024 aufgrund von Rassismusvorwürfen beendet worden war. Eine Professorin der Universität bezeichnete den Fall Arday zuletzt als "Geschenk" für diejenigen, die gegen Vielfalt an Hochschulen vorgehen würden.
wa/pg (afp, dpa)
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