Rätsel gelöst – Mysteriöse Whatsapp-Gruppen für Nachbarn: Urheber outen sich

Darum geht es: In Mehrfamilienhäusern in Winterthur und Zürich wurden Zettel mit einem QR-Code in die Briefkästen gesteckt. Es ist ein Aufruf dazu, einer Whatsapp-Gruppe für die Nachbarschaft beizutreten. Die Gruppe soll dem Austausch unter Nachbarinnen und Nachbarn dienen: für Anlässe, gegenseitige Hilfe und anderes. Klingt nach einer sympathischen Idee…
Das ist rätselhaft: Niemand weiss, wer die Gruppen initiiert hat. Zwar finden sich in der Gruppenübersicht sogenannte Admins. Diese geben sich allerdings nicht zu erkennen und reagieren nicht auf Fragen nach ihrer Identität. Eine junge Frau, welche auf dem Admin-Profilbild erscheint, ist in der betreffenden Liegenschaften in Winterthur unbekannt.
Rätsel gelöst: Die Urheber der Whatsapp-Gruppen outen sich
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Nach dem Bericht im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» hat sich der Schweizer Verein «Plauder» als Urheber dieser Nachbarschafts-Chats zu erkennen gegeben. Die Mitglieder der Whatsapp-Gruppen sowie «Espresso» erhielten eine entsprechende Erklärung.
Die Co-Präsidenten des Vereins Philipp Semmler und Stefan Godly geben sich selbstkritisch: «Bei einzelnen frühen Einladungen und Gruppen war nicht deutlich genug ersichtlich, wer hinter der Einladung via Brief steht. Auch Andrea, unsere virtuelle Plauder-Figur, war nicht überall ausreichend als solche erklärt. Das war kommunikativ nicht gut und hat verständlicherweise Skepsis ausgelöst. Dafür entschuldigen wir uns.»
Sie hätten unterschätzt, «wie sensibel der private Raum der Nachbarschaft ist. Mit unserem Vorgehen haben wir Menschen verunsichert und sind einigen zu nahegetreten.» Das würden sie heute definitiv anders machen.
Erste Versuche mit solchen Nachbarschaftsgruppen habe es im Frühjahr 2026 gegeben. «Wir haben bisher rund 100 Gruppen eingerichtet.» Diese seien unterschiedlich aktiv. Der Verein hat auch eine eigene Homepage.
Plauder betont, dass sie mit den Nachbarschafts-Chats kein Geld verdienen wollen. Es würden auch keine Daten gesammelt – weder Namen und Nummern von Chat-Mitgliedern noch Inhalte der Chats. Diese würden auch nicht mitgelesen oder ausgewertet.
Die virtuelle Administratorin «Andrea Plauder» sei keine KI und nicht von sich aus aktiv. Wenn ein Gruppenmitglieder Andrea direkt anschreibe, würde das Vereinspräsidium diese Nachrichten beantworten.
So spekulieren die Betroffenen: Diese «Geister-Admins» sind den Bewohnenden des Mehrfamilienhauses in Winterthur suspekt. «Sucht jemand im Chat eine Person zum Blumen giessen während der Ferien, ist das innerhalb der Hausgemeinschaft kein Problem», sagt ein Mieter im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». «Es erfährt aber auch die unbekannte Person im Hintergrund, dass in dieser Zeit eine Wohnung unbewohnt ist. Sie könnte dort einbrechen.» Zudem könnte diese Person mit den Namen und Handynummern der Chat-Mitglieder Schindluder treiben.
Das ist bisher in den Gruppen passiert: Aus der Whatsapp-Gruppe in diesem Haus in Winterthur sind die meisten vorsichtshalber wieder ausgetreten. Sie wollen eine eigene Gruppe gründen. In einer Liegenschaft ganz in der Nähe hat sich dagegen ein reger Austausch mit Apéros und gegenseitiger Hilfe entwickelt – trotz unbekanntem Administrator. In einer weiteren solchen Gruppe in Zürich habe es keine Aktivitäten gegeben, erzählt ein ehemaliges Mitglied. Er sei deshalb wieder ausgetreten. Harmlos oder unseriös?
Diese Vorsichtsmassnahmen empfiehlt die Polizei
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Die Kantonspolizei Zürich sowie die Stadtpolizei-Korps von Zürich und Winterthur geben im Zusammenhang mit diesen rätselhaften Whatsapp-Gruppen folgende Ratschläge:
- Vor dem Beitritt abklären, wer die Gruppe eingerichtet hat und welchem Zweck sie dient.
- Die Urheberschaft möglichst über eine unabhängige und vertrauenswürdige Stelle, etwa die Verwaltung oder die Hauswartung, überprüfen.
- Die Datenschutz- und Profileinstellungen von Whatsapp kontrollieren.
- Keine persönlichen, vertraulichen oder finanziellen Angaben in der Gruppe veröffentlichen.
- Unbekannte Links, Dateien und Zahlungsaufforderungen nicht ungeprüft öffnen beziehungsweise befolgen.
- Bei verdächtigen Nachrichten keine Zahlungen leisten und keine Zugangsdaten oder Bestätigungscodes weitergeben.
- Verdächtige Inhalte dokumentieren, die Gruppe verlassen und gegebenenfalls der Polizei melden.
Das sagt die Polizei: Die Kantonspolizei Zürich mit ihrer Abteilung Cybercrime schreibt auf Anfrage: «Aufgrund der uns derzeit vorliegenden Informationen lässt sich keine eindeutig strafbare Handlung erkennen.» Es gebe auch keine konkreten Hinweise, «dass über die Whatsapp-Gruppe bereits betrügerische Handlungen vorgenommen, persönliche Daten missbräuchlich verwendet oder Straftaten vorbereitet wurden.» Derzeit lasse sich nicht abschliessend beurteilen, ob es sich bei diesen Gruppen um ein seriöses nachbarschaftliches Angebot oder um einen Versuch mit missbräuchlichen beziehungsweise kriminellen Absichten handle. Diesen Aussagen schliessen sich die Stadtpolizei-Korps von Winterthur und Zürich an.
«Espresso» ist an Ihrer Meinung interessiert
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Das Rätsel blieb zunächst ungelöst: Eine Nachbarin in Winterthur hatte einen jungen Mann angesprochen, der die Zettel eingeworfen hat. Er habe ihr gesagt, dass er dies im Rahmen einer Abschlussarbeit mache. In Zürich beispielsweise habe er mit diesen Whatsapp-Gruppen für die Nachbarschaft schon Erfolg gehabt.
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