Grossbritannien – Rassismus-Skandal: Wie tief steckt Reform UK in der Krise?

Reform UK, die Partei von Rechtspopulist Nigel Farage, kommt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Nach mehreren Finanzierungsskandalen sorgen nun weitere schwerwiegende Enthüllungen für Kritik: Eine Undercover-Recherche dokumentiert rassistische und menschenverachtende Kommentare, getätigt durch Partei-Mitglieder und Unterstützer. Grossbritannien-Korrespondentin Fiona Endres ordnet ein.
Fiona Endres
UK-Korrespondentin
Die Recherchejournalistin Fiona Endres hat ihr Bachelorstudium in Medien- und Kommunikationswissenschaften und Zeitgeschichte an der Universität Freiburg absolviert und einen Master in Geschichte abgeschlossen. Derzeit arbeitet sie in London als Korrespondentin für Radio SRF.
Wie wurde die Recherche durchgeführt?
Die Journalisten haben verdeckt recherchiert – sie haben sich als Unterstützer von Reform UK ausgegeben und bei Wahlkampagnen mitgeholfen. Sie haben sich sogar erfolgreich auf einen Job innerhalb der Partei beworben und mit versteckter Kamera verschiedene Aussagen dokumentiert. Ein Politiker bezeichnete etwa asiatische Familien als «Parasiten». Und ein Partei-Aktivist sagte, es sollte in Grossbritannien nur ein Prozent der Menschen keine weisse Hautfarbe haben.
Wie schwer wiegen die Vorwürfe für Reform UK?
Es sind heftige Vorwürfe, die in Grossbritannien zu reden geben. Es gab zwar bereits in der Vergangenheit einzelne Fälle von rassistischen Äusserungen bei den Rechtspopulisten, doch bisher war nicht bekannt, dass ein solches Gedankengut so weit verbreitet ist. Die Personen, die solche Aussagen getätigt haben, mussten sich nun entschuldigen und einige mussten die Partei verlassen.
Was könnte das für Nigel Farage bedeuten?
Für Farage ist es ein Skandal mehr in einer Reihe von Kontroversen. Er steht bereits in der Kritik wegen umstrittener Spenden und weil ihm selbst rassistische Äusserungen in seinen Teenager-Zeiten vorgeworfen werden, was er bestreitet. In einer Stellungnahme betonte seine Partei, es gebe keinen Platz für Rassismus. Gleichzeitig griff Farage die Journalisten an, sie hätten mit den verdeckten Aufnahmen unlautere Methoden verwendet: «Wenn man das bei anderen Parteien machen würde, würde man genau das Gleiche finden.»
Wie reagieren andere Parteien?
Premierminister und Labour-Chef Andy Burnham verurteilte die Äusserungen scharf und hat alle Britinnen und Briten aufgerufen, noch stärker gegen Diskriminierung aller Art einzutreten. Die Chefin der Konservativen, Kemi Badenoch, will die Gunst der Stunde nutzen und sich als einzige vernünftige Partei im rechten Lager positionieren. Sie frohlockte nach den Enthüllungen und sagte, die Wählerinnen, die von den Konservativen zu Reform UK abgewandert sind, sollen nun wieder «nach Hause» kommen.
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