Kameras filmen unter Dirndl – Tausende Aufnahmen landen im Netz

- Auf Plattformen wie Facebook, Youtube und Tiktok kursieren Zehntausende Videos von Frauen auf dem Oktoberfest-Teufelsrad, die oft Unterwäsche zeigen.
- Eine BR-Recherche deckt auf, dass ein Mann und eine Frau aus Bayern mit über einem Dutzend Accounts Videos verbreiteten.
- Auch eine ukrainische Community verdient systematisch Geld mit solchen Aufnahmen.
Auf Plattformen wie Facebook, Youtube und Tiktok kursieren Zehntausende Videos von Oktoberfest-Besucherinnen auf dem Teufelsrad. Die Aufnahmen zeigen häufig junge Frauen im Dirndl – und immer wieder deren nackte Oberschenkel und Unterwäsche. Die Kameras richten sich vor allem dann auf die Frauen, wenn sie auf dem drehenden Rad den Halt verlieren und ihre Kleider verrutschen.
Eine Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR) zeigt nun, dass hinter der massenhaften Verbreitung einige besonders aktive Akteure stehen.
Videos von Menschen aus Bayern
Einer der Urheber solcher Videos ist laut BR ein Mann aus Bayern, der mutmasslich selbst filmte und mit mehr als einem Dutzend Social-Media-Accounts in Verbindung steht. Seine erfolgreichsten, inzwischen gelöschten Videos erreichten zusammen mehrere hundert Millionen Aufrufe. Eine darin gezeigte Frau berichtet von «Ekel, Scham und Wut». Ein einzelner Clip mit ihr wurde mindestens 74 Millionen Mal aufgerufen.
Auch eine Frau aus Oberbayern soll systematisch solche Aufnahmen produziert haben. Nach eigenen Angaben filmte sie innerhalb von 18 Tagen mehr als 600 Videos. Ihr erfolgreichster YouTube-Kanal zählt über 160'000 Abonnenten. Mehr als 500 unveröffentlichte Clips bot sie für mehrere hundert Euro zum Verkauf an und behauptete, mit einem einzigen Video über Nacht 9000 Euro verdient zu haben.
Auch Akteure aus der Ukraine
Die Recherche führt auch in die Ukraine. Dort hat eine Community mit Tausenden Mitgliedern offenbar erkannt, dass sich mit Teufelsrad-Videos gezielt Reichweite aufbauen und Geld verdienen lässt. Kanäle aus ihrem Umfeld versahen die Aufnahmen teils mit pornografischen Vorschaubildern.
Dutzende Accounts wurden auf einem ukrainischen Online-Marktplatz zum Verkauf angeboten. In einer Telegram-Gruppe wurden zudem Videos mit ausschliesslich weiblichen Fahrgästen für sechs Euro pro Minute angeboten – viermal so teuer wie Aufnahmen, auf denen auch Männer zu sehen sind. Der Anbieter erklärte später, lediglich die Nachfrage getestet zu haben.
Wiesn-Organisation reagiert gelassen
Nach Anfragen des BR entfernten Youtube, Meta und Tiktok nach eigenen Angaben Videos und Accounts. Auch die Betreiber des Teufelsrads erklären, seit 2024 gegen Upskirting vorzugehen. Schilder weisen auf die Strafbarkeit hin, bei Verdachtsfällen werde die Polizei gerufen. Dennoch beobachtete der BR Personen, die über längere Zeit mit Smartphones und GoPros filmten, ohne vom Personal gestoppt zu werden. Eine Person streamte trotz Wiesn-weitem Livestream-Verbot stundenlang auf Tiktok und veröffentlichte dabei auch Aufnahmen von Kindern.
Wiesn-Chef Christian Scharpf fordert in der Debatte «Augenmass». Wo Darstellungen Menschen herabwürdigten oder diskriminierten, müsse darüber gesprochen werden. Er kündigte weitere Gespräche mit der Gleichstellungsstelle an.
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Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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