Giftspritzen-Hinrichtung «fehlgeschlagen»: Was ist Pentobarbital?

- Bei der Hinrichtung von Christa Pike (50) in Nashville, Tennessee, lief die Giftspritze offenbar nicht nach Plan.
- Laut ihren Anwälten war Pike nach zwei Dosen Pentobarbital noch am Leben.
- Das Barbiturat Pentobarbital ist schwer zu beschaffen – Compounding-Pharmacies verlangen teils 500'000 Dollar für 200 Gramm.
Bei der Hinrichtung von Christa Pike (50) in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee ist am Mittwochabend offenbar nicht alles nach Plan gelaufen. Laut ihren Anwälten war die 50-Jährige nach zwei Dosen des Mittels Pentobarbital noch am Leben. Doch was ist Pentobarbital überhaupt, und warum setzen US-Behörden auf dieses Mittel? Eine Übersicht.
Ein Mittel, das das Nervensystem herunterfährt
Pentobarbital gehört zur Gruppe der Barbiturate. Diese Wirkstoffe dämpfen die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark, wie unter anderem die «Deutsche Apotheker Zeitung» schreibt. Die Wirkung hängt stark von der Dosis ab. In kleinen Mengen beruhigt Pentobarbital, in grösseren Mengen macht es schläfrig, und in noch höherer Dosis versetzt es in eine Narkose. Eine Überdosis führt zum Atem- und Herzstillstand. Pentobarbital wird nicht nur bei Hinrichtungen eingesetzt. Auch Sterbehilfeorganisationen in der Schweiz verwenden es.
Lange bestand die Giftspritze in den USA meist aus drei Substanzen: einem Narkosemittel wie Thiopental oder Propofol, einem Mittel, das die Muskeln lähmt, und Kaliumchlorid, das das Herz stoppt. Bei der neueren Methode kommt allein Pentobarbital zum Einsatz.
Schwierige Beschaffung des Stoffes
Hintergrund ist die schwierige Beschaffung. Seit aus Europa kein Thiopental mehr für Hinrichtungen geliefert werden darf, greifen US-Behörden vermehrt auf das verwandte Pentobarbital zurück. Bereits 2019 kündigte das US-Justizministerium an, auch auf Bundesebene künftig nur noch dieses eine Mittel einzusetzen.
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Doch auch Pentobarbital ist für US-Gefängnisse nicht einfach zu bekommen. Die Pharmahersteller liefern es eigentlich nicht mehr für Hinrichtungen. Einige Bundesstaaten setzen deshalb auf sogenannte Compounding-Pharmacies. Das sind Apotheken, die das Mittel eigens als Rezeptur herstellen. Ganz unumstritten ist das nicht: Laut der «Deutschen Apotheker Zeitung» wurden bei solchem extra hergestelltem Pentobarbital bereits ernsthafte Qualitätsbedenken laut.
500'000 Dollar für 200 Gramm
Für die Anbieter kann das ein lohnendes Geschäft sein. Laut einem früheren Bericht der «Berliner Morgenpost» soll ein Hersteller in Kalifornien dem zuständigen Justizministerium 200 Gramm einer Substanz für 500'000 Dollar (fast 420'000 Franken) angeboten haben. Zudem sollten Stoffe von unlizenzierten Herstellern aus Indien bezogen werden. Solche Lieferungen seien regelmässig von der Drogenfahndung und der US-Arzneimittelbehörde FDA abgefangen worden.
Um welche Substanzen es sich genau handelte und ob sie die nötige Qualität hatten, war laut dem Bericht nicht bekannt. Denn die Herkunft der Mittel unterliegt strengen Geheimhaltungsvorschriften. Diese verteidigen die Bundesstaaten auch vor Gericht.
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Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch
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