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Tuesday, November 3, 2026

Ärger-Hotspot in reicher Stadt – Drogen, Dreck, Kriminalität: Kleinbasel fühlt sich vernachlässigt

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Basel geht es glänzend; der Stadtkanton schreibt seit Jahren dreistellige Überschüsse. In einem Stadtteil jedoch werden Stimmen lauter, man werde vernachlässigt: Im unteren Kleinbasel setzen sich Süchtige am helllichten Tag Spritzen auf Trottoirs, nachts wird randaliert, Dealer sprechen Passantinnen an, Dreck nervt.

Die Anzahl der Dealer, die sichtbar auf der Strasse Drogen verkaufen, hat sich verdreifacht.

Manche fühlen sich an die offene Drogenszene der 1980er-Jahre erinnert. Kein Zufall also, dass ein Anlass aus jener Zeit wiederbelebt wurde, an dem sich Anwohnende, Behörden und Fachleute austauschen: Beim jüngsten Kleinbasler «Drogenstammtisch» war der Saal voll – das Problem brennt unter den Nägeln.

Menschen, die in einem stimmungsvoll beleuchteten Restaurant essen.
Legende: Schauplatz des 8. Drogenstammtisches war das Restaurant Union an der Klybeckstrasse. Die Diskussion war emotional, dennoch sehr gesittet. Dominik Asche / Bajour

Nach diversen Zwischenfällen bei der Dreirosenmatte und Klagen aus dem Umfeld der Matthäuskirche sind Behörden dort präsenter. «Wir konnten diesen Sommer nachts wieder schlafen», sagt eine Anwohnerin. Das Problem hat sich indes nur verlagert; heute ist der Claraplatz einer der Hotspots.

Man hat Angst, am Abend herumzulaufen. Es ist verflixt.

«Die Anzahl der Dealer, die sichtbar auf der Strasse Drogen verkaufen, hat sich verdreifacht», sagt ein Mann. Eine Frau hat im Hauseingang beim Claraplatz Dealer mit Kundschaft angetroffen, die Drogen aufkochte und spritzte. «Man hat Angst, am Abend herumzulaufen. Es ist verflixt.»

Regierungspräsident Conradin Cramer (LDP) nahm nach neun Jahren in der Basler Exekutive erstmals an einem Drogenstammtisch teil. Das Problem zu bekämpfen sei wichtig, unterstrich er; diesen Sommer waren mehr Polizei und Sozialarbeitende dort unterwegs.

Sicherheitsdienst nach Zürcher Vorbild

Man könne die schlimmsten Symptome abwenden, um die Lebensqualität im Kleinbasel zu erhalten, auch wenn man der Szene nicht Herr werde. «Für den Konsum von Drogen und die Begleiterscheinungen gibt es nicht die Lösung und schon gar nicht einfache Lösungen.» Heute seien zudem neue Drogen im Umlauf, die Süchtige aggressiver machten, sagte Cramer.

Während Cramer mit einem schärferen Polizeigesetz auf einfacheres Wegweisen von Dealern hofft, hat SP-Grossrat Mahir Kabakci ein Modell wie in Zürich, Luzern und Biel im Auge: einen Dienst für Sicherheit, Intervention und Prävention. Der soll als aufsuchende Sozialarbeit für alle im Quartier ansprechbar sein und helfen, den Konflikt zu entschärfen.

Ich bin sehr gerne hier zu Hause, aber wir haben auch Probleme, die wir angehen müssen – ohne Hass und Hetze.

Kabakci wehrt sich gegen ein zu düsteres Bild seines Quartiers: «Ich bin im Kleinbasel gross geworden, lebe immer noch im Kleinbasel. Ich bin sehr gerne hier zu Hause, aber ja, wir haben auch Probleme und die müssen wir angehen – ohne Hass und Hetze.»

Damit kritisiert er eine Petition der FDP als Verunglimpfung des Kleinbasels: Mit einem KI-Bild eines verängstigten Paares in einer dunklen Gasse mit bösen Gestalten und dem Titel «Gnueg isch gnueg» werden Unterschriften gesammelt und die Regierung zum Handeln aufgefordert.

Selbst ich mit fast zwei Metern Grösse kann abends, wenn es dunkel wird, nicht mehr ohne mulmiges Gefühl vom Claraplatz Richtung Kaserne laufen.

FDP-Präsident Daniel Seiler – auch er ein Kleinbasler – verteidigt die düstere Bildsprache: «Das Problem ist heute, dass selbst ich mit fast zwei Metern Grösse abends, wenn es dunkel wird, nicht mehr ohne mulmiges Gefühl vom Claraplatz Richtung Kaserne laufen kann. Dort stehen 20 bis 30 dunkle Gestalten herum.»

Gut anderthalb Stunden dauerte der Austausch, den das Onlinemedium «Bajour» und das Stadtteilsekretariat Kleinbasel organisiert hatten. Gegen Ende meldete sich auch der frühere Basler Drogendelegierte Thomas Kessler zu Wort. Er mahnte an, die organisierte Kriminalität zu bekämpfen; dieser Wettlauf gegen die Zeit sei zentral.

Regionaljournal Basel Baselland, 29.10.2026, 17:30 Uhr ;  lanr;fise;wilh

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