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Friday, October 16, 2026

Schweizer Musikstiftungen – Riesenbeträge für die Musik: Wohin fliesst das viele Geld?

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Schweizer Musikstiftungen Riesenbeträge für die Musik: Wohin fliesst das viele Geld?

Sie finanzieren Opernhäuser, verleihen Stradivari-Geigen und coachen Sängerinnen im Selbstmarketing. Schweizer Stiftungen sitzen auf 160, bald 200 Milliarden Franken – und prägen damit auch die Musikwelt. Wer profitiert am meisten?

16.10.2026, 17:27

Knapp 14'000 Stiftungen gibt es in der Schweiz. Ein solides politisches Umfeld, steuerliche Vorteile und ein gut ausgearbeiteter rechtlicher Rahmen machen es attraktiv, hierzulande eine Stiftung zu unterhalten. In den letzten fünf Jahren ist das Stiftungsvermögen um 20 Milliarden Franken gewachsen – auf aktuell 160 Milliarden. Ausgeschüttet wird davon nur ein Teil: Sechs Milliarden Franken. Viel Geld, das aber auch für viel Verschiedenes eingesetzt wird.

Neue 40 Milliarden

Aus dem Vermögen des im August verstorbenen Logistik-Unternehmers Klaus Michael Kühne werden zu den 160 Milliarden noch einmal 40 Milliarden erwartet. Sie fliessen in die Kühne-Stiftung mit Sitz in Schindellegi (SZ), eine der grössten Stiftungen der Schweiz.

Die Kühne-Stiftung unterstützt in der Schweiz etwa seit Jahren das Lucerne Festival. Und unterhält am Opernhaus Zürich eine Akademie für Sänger und Sängerinnen mit Coaching zu Finanzen, Sozialversicherung, Selbstmarketing und mentaler Gesundheit.

Mit dieser und einer zweiten Akademie, geplant für künftige Intendanten, agiert die Kühne-Stiftung als operative Stiftung, realisiert also eigene Projekte. Nicht alle Stiftungen funktionieren gleich und wer profitiert, hängt stark vom Modell ab.

Operative Stiftung: Die Stiftung realisiert eigene Projekte – wie die Kühne-Stiftung mit ihren Akademien am Opernhaus Zürich.

Förderstiftung: Die klassische Stiftungsform. Aus dem Ertrag des Stiftungsvermögens werden externe Projekte finanziert. So funktioniert etwa die Ernst-Göhner-Stiftung, deren Name bei vielen Musikveranstaltungen auftaucht. Neben Kultur fördert sie auch Bildung, Wissen und Soziales. Ein oft anzutreffender Mix.

Sonderfall Pro Helvetia: Die Stiftung Pro Helvetia unterstützt zeitgenössisches Musikschaffen und andere Kunstsparten. Sie wird aber nicht privat, sondern vom Bund finanziert und ist öffentlich-rechtlich.

Ganz auf zeitgenössische Musik zielt die Ernst-von-Siemens-Musikstiftung ab. Mit einem Musikpreis in der Höhe von 250'000 Euro jedes Jahr. Und mit Kompositionsstipendien und Förderbeiträgen für Uraufführungen oder spezielle Konzerte.

Wer bekommt Gelder?

Wird nun die zeitgenössische Musik am meisten unterstützt? Nein. Unterstützung bekommen Akteure, die ohnehin schon viel Geld bekommen. Sei es von der öffentlichen Hand oder von anderen Stiftungen. Man redet hier vom sogenannten «Matthäus-Effekt». Gemäss einem Spruch des Evangelisten Matthäus bekommen diejenigen, die bereits haben. Dahinter verbirgt sich die Vorsicht von Förderern, in Projekte einzusteigen, deren Qualität sich noch nicht bewiesen hat.

Auch das oft hohe Alter der Stiftungsgründer spielt eine Rolle: Unterstützt werden eher etablierte Formen wie Sinfoniekonzerte und Oper. Aktuelle Genres wie Hip-Hop oder Rap gehen meist leer aus. Zeitversetzt könnten aber auch hier Fördermassnahmen greifen.

Ein Vermögen in Noten und Geigen

Eine Stiftung kann auch die Form eines Archivs oder einer Bibliothek annehmen. So wie die Basler Paul-Sacher-Stiftung. Sie beherbergt Noten, Briefe und Dokumente zu bedeutenden Komponisten und Komponistinnen des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Sacher-Stiftung ist Anlaufstelle Nummer eins für Forschende auf diesem Gebiet.

Oder das Stiftungsvermögen liegt in Form von Instrumenten vor: Eine solche Stiftung ist etwa die Stiftung Habisreutinger. Ihr gehören wertvolle Stradivari-Geigen, die sie an begabte Musiker und Musikerinnen ausleiht. Der Wert eines solchen Instruments kann in die Millionen gehen. Die Versicherung dafür haben die Beglückten in der Regel selbst zu bezahlen.

Die Schweizer Kultur- und Musikschaffenden können froh sein über die hohe Dichte an Stiftungen. Man sollte deren Gewicht und Einfluss aber nicht überschätzen. Im gesamten Kulturetat machen Stiftungsgelder nur einen Bruchteil aus. In der Stadt Basel sind es etwa zehn Prozent.

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