Tor oder kein Tor? "Beispiellose Computerpanne" in der Ligue 1
Die Ligue-1-Partie zwischen AJ Auxerre und dem FC Le Mans wurde am Sonntagabend vor einer Schiedsrichter-Kontroverse überschattet. So ist auch nach Spielende nicht wirklich klar, ob das 1:0 nach der Pause hätte zählen dürfen.

Auxerres Trainer Will Still kann nicht glauben, dass der Ball vor dem 0:1 die Torlinie vollständig überquert haben soll. IMAGO/Icon Sport
Tor oder kein Tor? Diese vermeintlich simple Frage beschäftigte am Sonntagabend all jene, die die französische Erstligapartie zwischen dem Tabellenzwölften AJ Auxerre und dem Aufsteiger FC Le Mans (16.) verfolgt hatten.
Die strittige Szene ereignete sich kurz nach der Pause. Ein Halbfeldfreistoß von der rechten Seite segelte in den Strafraum. Am ersten Pfosten gewann Buades das Kopfballduell und drückte die Kugel abgefälscht in Richtung des kurzen Ecks. Auxerres Keeper Paul Nardi tauchte blitzschnell ab und krallte sich den Ball noch vor der Linie - zumindest hätte man das meinen können.
Auch das Schiedsrichtergespann um Willy Delajod wertete die Szene zunächst als starke Abwehraktion des heimischen Keepers und ließ weiterspielen. Doch dann meldete sich die Torlinientechnik auf der Uhr des Unparteiischen. Die Entscheidung: Tor! Der Ball hatte die Linie laut Torlinientechnik mit vollem Umfang überquert. Im Lager von Auxerre regte sich Protest - allen voran bei Auxerres Trainer Will Still.
Ligue 1, 8. Spieltag
Auch unter den Unparteiischen herrschte offenbar Uneinigkeit darüber, ob der Treffer zählen sollte. Wie Still nach dem Spiel im Interview mit Ligue 1+ erklärte, war es während der Partie wohl zu technischen Problemen gekommen: "Sie (die Schiedsrichter, Anm. d. Red.) meinten zu mir: 'Nur zwei der vier Uhren ertönten, wir hatten eine Computerpanne, so etwas ist beispiellos.'"
Dies hatte zur Folge, dass Delajod trotz des Uhrensignals die Bilder des VAR überprüfte. Da sich anhand der Aufnahmen jedoch nicht zweifelsfrei feststellen ließ, dass der Ball die Linie nicht vollständig überquert hatte, blieb die Torentscheidung bestehen. Zwar glich Auxerre nur wenige Minuten später (56.) aus und sicherte sich letztlich einen Punkt, doch Stills Frustration dürfte dadurch nur bedingt gemildert worden sein.
Es ist sein Handschuh. Ich schwöre, es ist sein Handschuh.
Auxerres Trainer Will Still
"Aus jedem erdenklichen Blickwinkel betrachtet (ist das kein Tor, d. Red.). Es ist sein Handschuh (Paul Nardis), den sie in der Wiederholung zeigen. Ich schwöre, es ist sein Handschuh, den man im Spiel sieht. Wenn man sich die Wiederholung hinter dem Tor ansieht, ist es unmöglich, dass der Ball im Tor war", war der 34-jährige Cheftrainer vollends überzeugt.
Auch der unmittelbar Betroffene, Auxerres Keeper Nardi, ist sich "zur 300 Prozent sicher, dass das kein Tor war" und übte sich anschließend auch in Selbstironie: "Roboter sind vielleicht besser als Menschen. Wenn man sagt, dass es ein Tor war, und sich zu 100 Prozent sicher ist (…) tja, dann ist das eben so". Viel mehr bleibt Auxerre in dieser Situation auch nicht übrig.
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