«Schiff macht mir zu schaffen» – dann geht Matrose über Bord

- Die Ehefrau eines Matrosen der USS Abraham Lincoln erhebt schwere Vorwürfe gegen die US Navy.
- Die Navy habe sie psychische Hilferufe ihres Mannes ignoriert.
- US-Präsident Trump hält trotz Berichten über Missstände an Bord am Einsatz fest, kündigt aber einen Trägerwechsel an.
Trotz Berichten über Missstände auf dem seit Monaten im Nahen Osten eingesetzten Flugzeugträger USS Abraham Lincoln hält US-Präsident Donald Trump am Militäreinsatz fest. Wie in einem Video von CBS News zu sehen ist, antwortete er auf die Frage einer Journalistin, ob der Einsatz schon zu lange dauere: «Nein, nein, nein. Bei weitem noch nicht lange genug.»
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Trump spielte zudem Bedenken von Familienangehörigen der Einsatzkräfte bezüglich der Bedingungen an Bord des Flugzeugträgers herunter und fügte hinzu, dass das Schiff in Kürze verlegt und durch ein anderes «sehr ähnliches Schiff» ersetzt werde. Damit bestätigte Trump zum Teil Medienberichte, wonach der Flugzeugträger aus dem Nahen Osten abgezogen und durch die USS George Washington ersetzt werden solle. Das hatten das «Wall Street Journal» sowie die US-Sender CNN und NBC News unter Berufung auf Insider berichtet.
Ehefrau eines Matrosen erhebt schwere Vorwürfe
Die Ehefrau eines Matrosen, der am 3. August von der USS Abraham Lincoln über Bord ging, erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen die US Navy. Ihr Mann habe sich nach ihren Angaben rund eine Stunde im Wasser befunden, bevor er gerettet worden sei. Sie bezeichnet den Vorfall als Suizidversuch.
«Ich glaube, das Schiff macht mir langsam wirklich zu schaffen.»
Besonders kritisiert sie, dass die Navy sie erst vier Tage später offiziell informiert habe. «Ich finde, dass damit sehr schlecht umgegangen wurde, weil sie mich nicht informiert haben und nicht wollten, dass ich davon erfahre», sagte sie gegenüber dem US-Sender MS NOW. Sie wirft der Navy zudem vor, den Vorfall vertuschen zu wollen.
Sorgen des Matrosen immer wieder abgetan
Nach Darstellung der Frau hatte ihr Mann bereits vor dem Vorfall psychische Probleme angesprochen. Er habe sich sowohl an seine Vorgesetzten als auch an das medizinische Personal an Bord gewandt und deutlich gemacht, dass es ihm nicht gut gehe. Seine Sorgen seien jedoch immer wieder abgetan worden, sagt sie. «Ich glaube, das Schiff macht mir langsam wirklich zu schaffen.»
USS Abraham Lincoln
Die USS Abraham Lincoln verliess San Diego am 21. November 2025. Mitte August 2026 ist sie damit seit knapp neun Monaten im Einsatz. Besonders aussergewöhnlich: Sie hat mehr als 240 Tage ohne Unterbrechung auf See verbracht – laut der Nachrichtenagentur AP ein Rekord.
Die Lincoln war ursprünglich bereits früher zur Rückkehr vorgesehen, blieb aber wegen des Iran-Kriegs länger in der Region. Inzwischen ist die USS George Washington unterwegs, um sie abzulösen. Die US Navy sieht für einen normalen operativen Einsatz grundsätzlich maximal sieben Monate beziehungsweise 220 Tage vor, wie das Department of the Navy auf ihrer Webseite schreibt. Das steht auch in ihrer offiziellen OPTEMPO-Richtlinie.
Die Ungewissheit über die Rückkehr nach Hause, die schlechte Internetverbindung und der verlängerte Einsatz hätten ihn zunehmend belastet. Er schrieb auch, er wisse nicht, ob er den laufenden Einsatz überhaupt zu Ende bringen könne.
Vier Tage nach dem Vorfall informiert
Laut seiner Frau hatte der Matrose zudem Sehprobleme, weil die Verschreibung seiner Kontaktlinsen abgelaufen war. Trotzdem habe er weiter auf dem Flugdeck arbeiten müssen. Die Navy äussert sich aus Datenschutzgründen nicht zu seinen medizinischen Umständen und untersucht den Vorfall.

Vier Tage nach dem Vorfall informierte die Navy die Ehefrau, ihr Mann sei «sicher und wohlbehalten» und werde zur medizinischen Betreuung nach San Diego gebracht. Unter Angehörigen wachsen derweil die Sorgen über Erschöpfung und psychische Belastungen an Bord der USS Abraham Lincoln.
Ist die Stimmung an Bord angespannt?
Iranische Medien hatten berichtet, bei gewaltsamen Auseinandersetzungen an Bord des Flugzeugträgers seien sieben Menschen ums Leben gekommen. Die Stimmung an Bord sei angespannt.

Mit der aus dem Südchinesischen Meer abgezogenen «USS Abraham Lincoln» und ihren Begleitschiffen hatte das US-Militär bereits Anfang Januar seine Präsenz im Nahen Osten ausgebaut. Am 28. Februar hatten die USA und Israel Militärschläge gegen den Iran begonnen. Seither ist der Flugzeugträger im Arabischen Meer im Einsatz, um die US-Seeblockade gegen Schiffe durchzusetzen, die versuchen, iranische Häfen anzulaufen oder zu verlassen.
Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?
Hier findest du Hilfe:
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch
Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen
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Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.
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