ESPN DeportesVinícius cae y Diomande sube: nuevos valores del Real MadridThe Jerusalem PostHouthis abduct, indoctrinate kids to believe they are fighting Jews, Yemeni journalist tells 'Post'ESPNSources: Payton to expand role in more collaborative playcalling approachDaily MaverickWhy Africa’s agricultural crisis is a matter of race, class and epistemicideRTP DesportoCeferin recandidata-se à presidência da UEFA e defende reforma da FIFAZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioColliderStar Trek’s Most Infamous Disaster Is Officially Getting a Documentary [Exclusive]Business AMCEO van Ryanair waarschuwt dat vliegtickets in Europa tot 2028 duur kunnen blijvenVarietyAva DuVernay’s Doc ‘14th’ to Submit New Original Song by Brittany Howard and Robert Glasper for Oscars Consideration (EXCLUSIVE)DeadlineChuck Lorre Has Message For Trump Tonight Via ‘Georgie & Mandy’s First Marriage’ Title CardThe Hollywood Reporter“Where Is My Husband!” Inside the Song That Made Raye All The RageESPN CricinfoConnolly or Maddinson? Australia keep their cards close to the chest
The Daily Newsstand · Free, Always
Thursday, October 8, 2026

Ratten, Schimmel, Löcher: «Hier zu unterrichten, macht depressiv»

Translate
Bilder aus dem Lycée Paul-Éluard in Saint-Denis, das wegen seiner maroden Gebäude und schlechten Lernbedingungen immer wieder für Schlagzeilen sorgt.20min

Darum gehts

  • In Frankreich gehen seit über einer Woche Schülerinnen und Schüler auf die Strasse, um für bessere Bedingungen zu protestieren.
  • Die Demonstrationen wurden teils gewalttätig, es kam zu vielen Festnahmen.
  • Doch wie schlimm ist es wirklich an den Schulen in Paris?
  • 20 Minuten hat einige Schulen besucht.

Das Lycée Paul Éluard im Norden von Paris gilt als Problemschule. Die dortigen Zustände waren mit Auslöser für die landesweiten Schülerproteste, die seit zehn Tagen Hunderttausende auf die Strassen gebracht haben. Wieso die Schüler auf die Barrikaden gehen, zeigt sich bei einem Besuch von 20 Minuten vor Ort.

Die grosse Demo am Dienstag: Tränengas und Vermummte bestimmten das Bild gegen Ende der Proteste.20min

Die Problemschule liegt in Saint-Denis, einem der ärmeren Vororte von Paris. Die angespannte Stimmung ist vor Ort deutlich spürbar: Polizisten stehen in voller Schutzausrüstung mit Schutzschilden vor dem Schultor. Hinein darf nur, wer sich als Schülerin oder Schüler ausweisen kann. Kurz nach acht Uhr ertönt der Ruf: «Alle herein, wir schliessen das Tor!» Wenig später ist es verriegelt. Doch vor der Schule steht eine Gruppe streikender Lehrpersonen und Jugendlicher, die von ihrem Schulalltag berichten.

Polizisten bewachen am Donnerstagmorgen das Lycée Paul Éluard im Norden von Paris.

Polizisten bewachen am Donnerstagmorgen das Lycée Paul Éluard im Norden von Paris.20min

«Das Unterrichten hier macht mich depressiv»

«In den WCs hat es überall Schimmel, weil man die Türen nicht abschliessen kann, steht ein Tisch im Bad, um die Türe zu blockieren. Es fehlt an Schreibtischen, Stühlen, Computern. Bis zu 38 Schülerinnen und Schüler sind in derselben Klasse, haben Unterricht in Schulzimmern, in denen es im Sommer 40 und im Winter gegen 0 Grad hat», erzählt Irene (27), eine Lehrerin der Schule. Bei einem Rundgang durch die von Polizisten versperrte Schule zeigt sie die Missstände im Innern des Gebäudes auf (siehe Video).

«Das ist eine schwierige Schule hier», erzählt die Mathelehrerin. «Das Unterrichten macht mich depressiv.» Ihre Schülerinnen und Schüler seien oft schlecht gelaunt und wütend. «Teilweise gibt es nicht einmal genügend Stühle und Tische für alle.»

Auch ihr Kollege, ein 29-jähriger Englischlehrer, streikt vor der von der Polizei überwachten Schule. «Die Zustände hier sind fatal. Auf den Gängen rennen Ratten an einem vorbei. Letztes Jahr ist ein Dach eingestürzt, ein anderes wurde vom Wind weggeweht und durch die übrigen regnet es hinein.» Der Lehrermangel mache sich deutlich bemerkbar: «Es gibt Klassen, die in einzelnen Fächern jahrelang keinen Unterricht haben, weil die Lehrpersonen fehlen.» Manche seiner Schüler hätten etwa zwei Jahre lang keinen Englischunterricht gehabt.

Wegen der Hitze werden Schüler ohnmächtig

Mehr als 2000 Schülerinnen und Schüler besuchten die Schule, dennoch gebe es nicht einmal eine Sozialarbeiterin. «Das geht einfach so nicht.» Auch die Infrastruktur sei äusserst problematisch: «Aufzüge gibt es keine. Im obersten Stockwerk hat es zeitweise kein Wasser gegeben, sodass Wasser in Eimern nach oben getragen werden musste.» Weil es im Sommer in den Räumen extrem heiss werde, komme es auch vor, dass Schüler deswegen ohnmächtig werden.

Die beiden Lehrpersonen arbeiten beide seit über fünf Jahren dort. Warum bleiben sie trotz dieser Zustände? «Wir sind überzeugt, dass es ein Job ist, der sich lohnt. Wenn wir zusammenhalten, können wir es schaffen. Wir sind unglaublich stolz auf unsere Schülerinnen und Schüler.»

Auch Schülerinnen und Schüler vor Ort leiden unter den Umständen: Chris (19) besucht das Lycée seit zwei Jahren. Grundsätzlich gehe er gerne zur Schule und schätze seine Lehrkräfte. Dennoch kritisiert er die Bedingungen: «Im Sommer heizen sich die Räume so stark auf, dass es fast unmöglich ist, etwas zu lernen.» Hinzu komme der Lehrermangel. Wie sein Kollege Rafai (18) ergänzt: «Manchmal kommen wir in die Schule und stellen dann fest, dass gar kein Lehrer da ist. Dann gehen wir wieder nach Hause.» Für ihn ist klar: «Wir haben nicht die gleichen Möglichkeiten wie andere, zu lernen und Fortschritte zu machen.» Auch die Ausstattung der Schule sei in einem schlechten Zustand.

Zwei 16-jährige Schülerinnen berichten ebenfalls von fehlenden finanziellen Mitteln und dem schlechten Zustand des Gebäudes. «Die Toiletten sind katastrophal», sagt eine von ihnen.

Auch an Top-Schulen wächst der Protest

Besonders prekär sind die Zustände an vielen Schulen in den Banlieues. Doch die Proteste haben längst auch besser gestellte Pariser Schulen erreicht: Jugendliche vom Lycée Hélène Boucher und selbst vom renommierten Lycée Henri IV beteiligen sich an der Mobilisierung – auch aus Solidarität mit Schülerinnen und Schülern, die unter deutlich schlechteren Bedingungen lernen.

«Die schlimmsten Zustände findet man an den Schulen ausserhalb von Paris», sagt Héloïse (16) vom Hélène Boucher. Dort berichteten Jugendliche von Ratten, undichten Dächern und Problemen mit der Kanalisation. Ganz problemlos sei es aber auch an ihrer Schule nicht: Im Sommer würden die Klassenzimmer bis zu 40 Grad heiss, im Winter teilweise nur sechs Grad. Zudem sässen nach Zusammenlegungen teils mehr als 35 Jugendliche in einer Klasse. Besonders frustriert die Jugendlichen, dass ihre Beschwerden aus ihrer Sicht seit Jahren folgenlos bleiben. «Wir schreien auf den Strassen, und sie hören uns trotzdem nicht zu», sagt Héloïse.

Auch Aurora (16), die ein gutes Pariser Lycée besucht, sieht ihre vergleichsweise privilegierte Situation als Grund, sich mit anderen zu solidarisieren. Freundinnen von ihr hätten etwa ein ganzes Jahr keinen Französischlehrer gehabt. «Es ist nicht gerecht, dass es so grosse Ungleichheit gibt.» Für sie geht es deshalb um mehr als die eigene Schule: «Wenn unsere Generation nichts unternimmt, übergeben wir das Problem an die nächste – und es wird nur noch schlimmer.»

Selina Keller

Selina Keller (sek) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Redaktorin im Ressort Community

Martine Anastasiou

Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Wirtschaft.

View the original on 20 Minuten →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.