Juwel Romano verschlafen? Yakin wehrt sich gegen Vorwürfe

Darum gehts
- Der Winterthurer Alessandro Romano (20) hat sich gegen die Schweizer Nati und für die italienische Squadra Azzurra entschieden.
- Nati-Coach Murat Yakin reiste eigens nach Cagliari, um Romano zu überzeugen – vergeblich.
- Romano könnte bereits am 25. September gegen Belgien sein Debüt für Italien geben.
Es ist ein Stich ins Schweizer Nati-Herz. Alessandro Romano durchlief beim SFV sämtliche Nachwuchsstufen, war teilweise Captain und schaffte im Sommer den Sprung von der AS Roma zu Cagliari in die Serie A. Dort überzeugte er auf Anhieb und rückte damit auch ins Visier des italienischen Nationaltrainers Roberto Mancini.
Anfang September entschied sich Romano schliesslich für die Squadra Azzurra. Der Verlust eines Nati-Juwels wirft eine immer wiederkehrende Frage auf: Hat Yakin ein Juwel verschlafen?
Die ehemaligen Schweizer Nationalspieler Valon Behrami und Blerim Dzemaili werfen dem SFV vor, bei Romano zu spät reagiert zu haben. «Voll und ganz geschlafen», sagt Behrami gegenüber RSI.
Persönliches Treffen in Sardinien
Murat Yakin stellt an der Pressekonferenz vor der Nations-League-Kampagne klar, dass die Schweiz sehr wohl um Romano gekämpft habe. «Das Gespräch war sehr positiv und ehrlich», sagt Yakin über sein Treffen mit dem Youngster.
Der Nati-Coach war im August eigens nach Cagliari gereist, um den 20-jährigen Winterthurer von einer Zukunft mit der Schweizer Auswahl zu überzeugen. Ganz einfach war die Situation allerdings nicht. «Bei ihm ist es eine spezielle Situation, weil er schon seit vier Jahren in Italien ist und sich dort einen Lebensmittelpunkt aufgebaut hat», erklärt Yakin.
Zahlreiche Dossiers zum Thema Doppelbürger
Romano wechselte 2022 als U-Nationalspieler zur AS Roma und reifte dort zum Serie-A-Profi – nun lebt er auf Sardinien. Gleichzeitig hat er italienische Wurzeln – sein Vater Umberto ist als ehemaliger Trainer von FCZ und FC Winterthur eng mit der Schweiz verbunden.
Den Entscheid für die Squadra Azzurra nimmt Yakin ihm nicht übel – zumindest nach aussen. «Am Ende war es auch ein Herzensentscheid», sagt der 51-jährige Basler mit türkischen Wurzeln. Zudem hatte Yakin in den vergangenen Wochen noch viele andere Dossiers zum Thema Doppelbürger auf dem Tisch und versuchte, den betroffenen Spielern die aktuelle Realität und die Perspektive aufzuzeigen.
Murat Yakin: «Wir haben alles gemacht»
Winsley Boteli konnte er schnell für sich gewinnen. Beim 20-jährigen Shootingstar des FC Sion, der in dieser Saison bereits zwölf Tore erzielt hat, brauchte es für das erste Nati-Aufgebot keine grosse Überzeugungsarbeit.
Yakin: «Er hat sich zur Schweiz bekannt, nicht nur am Telefon, sondern auch öffentlich. Es macht mir als Trainer Freude, wenn er zu hundert Prozent bereit ist, für die Schweiz zu spielen. Solche Spieler brauchen wir.»
Auch Alvyn Sanches ist wieder dabei, obwohl er nicht für die WM aufgeboten wurde und noch kein Länderspiel hat. Beide können mit einem Einsatz in der Nations League definitiv an die Schweiz gebunden werden.
Bei Romano ist Yakin gespannt, ob er den Weg ins Team von Roberto Mancini tatsächlich schafft. «Wir werden sehen, wie er sich entwickelt und ob er bei Italien auch spielt», sagt der Nati-Coach und betont noch einmal: «Wir haben alles gemacht, was wir machen konnten. Wir wünschen ihm alles Gute und hoffen, dass es für ihn der richtige Entscheid ist.»
Romano könnte bereits am 25. September gegen Belgien sein Debüt für Italien geben. Die Fifa hat den Nationenwechsel inzwischen bestätigt.
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Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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