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Monday, August 17, 2026

Hitze trifft Tradition – Dem Rhein fehlt die Kraft: Basler Fähre steht still

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Ihr Blick ist gedankenversunken auf den Rhein gerichtet. «Es tut mir im Herzen weh», sagt Fähri-Frau Rosi Tiefenthal. Träge zieht der Fluss in der brütenden Mittagshitze an ihrer Fähre vorbei. «Wir leben im Takt des Rheins. Wir leben mit dem Rhein. Und jetzt ist er wie ein Stausee», sagt die Pächterin der St.-Alban-Fähre.

Eine Frau steht auf einer Fähre beim Rhein in Basel.
Legende: Momentan erinnere der sonst lebendige Rhein an einen Stausee, sagt Rosi Tiefenthal, Pächterin der «Dalbe-Fähri». SRF

Ihre Fähre, der «Wild Maa», steht fest vertäut am Steg. Eine Überquerung des Rheins ist auf unbestimmte Zeit nicht möglich: «Safety first», betont Tiefenthal.

Denn die Basler Fähren überqueren den Rhein ohne Motor, nur mit der Kraft der Natur, der Strömung. Allerdings hat der längste Fluss der Schweiz derzeit zu wenig Zug, um die «Dalbe Fähri» innert der vorgeschriebenen Zeit sicher vom einen Ufer zu bringen.

Der längste Fluss der Schweiz ohne Kraft

Was Tiefenthal beschreibt, ist mehr als persönlicher Kummer. Es ist das Gefühl, dass sich etwas Grundlegendes verändert. Eine Tradition, vermeintliche Sicherheiten werden infrage gestellt. «Normalerweise ist der Rhein so ein dynamischer Fluss», sagt die Pächterin der St.-Alban-Fähre.

Die Fähren gehören zur Basler DNA, ähnlich wie das Münster, die Fasnacht oder der FCB. Seit 1854 überqueren sie den «Bach», wie der Rhein in Basel auch genannt wird. Dabei werden sie einzig von der Strömung des Flusses angetrieben, ganz ohne Motor.

Tabubruch mit Elektromotoren?

Dieter Bühler, Präsident der Stiftung, die die Basler Fähren betreibt, kennt den Rhein seit Jahrzehnten. Der Siebzigjährige betont, dass Niedrigwasser im Sommer an und für sich kein neues Phänomen ist. Es sei auch nicht das erste Mal, dass eine Fähre den Rhein mangels Strömung nicht mehr überqueren kann.

Allerdings bringe der Hitzesommer 2026 eine neue Situation: Dass eine Fähre auf unbestimmte Zeit nicht mehr fahren kann, ist für Bühler neu: «Das hat es noch nie gegeben.»

Elektromotoren passen wahrscheinlich niemandem, auch uns nicht.

Bühler denkt als Ingenieur. Für ihn ist es vorstellbar, an den Fähren Elektromotoren zu montieren. Unauffällige, möglichst leise Antriebe, kaum sichtbar, wie er betont. Allerdings würden Motoren den Fähren jenes Flair rauben, das sie einzigartig macht.

«Es passt wahrscheinlich niemandem, auch uns nicht», gibt Bühler zu. «Doch wenn wir vor der Wahl stehen, den Fährbetrieb vorübergehend einzustellen oder die Boote mit unauffälligen Elektromotoren zu betreiben, ist der Fall klar, glaube ich.»

Auch Passantinnen und Passanten kommen beim Blick auf die stillstehende Fähre ins Grübeln. «Etwas Sorgen macht es mir schon, wegen des Klimas. Nächstes Jahr ist es sicher wieder so heiss», sagt eine Frau, die am Rheinbord spaziert.

Putzen und auf Regen hoffen

Rosi Tiefenthal lässt sich nicht hängen und freut sich über die Solidarität aus der Bevölkerung. «Ich werde oft angesprochen. Das ist toll», stellt sie mit Erstaunen und Rührung fest. «Ich hätte nicht gedacht, dass die Fähre derart im Fokus der Bevölkerung steht.»

Die Fährfrau nutzt die Zwangspause, um das Boot zu reinigen. Arbeiten, die sonst im Herbst anfallen. Sie will bereit sein, wieder auf dem Rhein zu fahren, sobald der Pegel steigt – und der Rhein wieder Kraft bekommt, ihre Fähre über den «Bach» zu führen.

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