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Friday, September 25, 2026

Ärger im Strassenverkehr – Warum immer die anderen schuld sind auf der Strasse

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Egal ob mit Auto, Velo oder ÖV: Der Strassenverkehr kann einen ganz schön auf die Palme bringen. Oder besser gesagt: Die anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Etwa jede und jeder zweite in der Schweiz regt sich mehrmals pro Woche über andere im Verkehr auf. Das zeigt eine neue Umfrage des Versicherers Axa und des Forschungsinstituts Sotomo. Markus Hackenfort ist Professor und Unfallforscher an ZHAW und schätzt diese Ergebnisse ein.

Markus Hackenfort

Professor für Verkehrs-, Sicherheits- & Umweltpsychologie

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Markus Hackenfort ist Professor für Verkehrs-, Sicherheits- & Umweltpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. 2008 hat er unter dem Thema «Entwicklung und Evaluation eines zielgruppenspezifischen Präventionsprogramms zur Verringerung von Wegeunfällen» dissertiert.

SRF News: Warum ist die Stimmung im Schweizer Strassenverkehr so aufgeladen?

Markus Hackenfort: Wir sind ganz generell gestresst, möglicherweise weil da draussen ein paar mehr unterwegs sind, weil wir ein bisschen sensibilisierter geworden sind und weil uns Verhaltensweisen anderer etwas mehr nerven als früher. Vielleicht spielt auch ein bisschen die verringerte Gelassenheit mit rein. Aber mit Sicherheit spielt eine Rolle, dass wir uns generell selbst für ziemlich gute Fahrzeuglenkende halten.

Warum entsteht der Eindruck, man mache selbst keine Fehler, nur die anderen?

Grund Nummer eins ist, dass wir tatsächlich selber keine Unfälle haben. Das ist statistisch extrem unwahrscheinlich. Wenn wir dann auch noch zeitgleich mitbekommen, dass andere Missgeschicke und Unfälle haben, dann haben wir tendenziell den Eindruck, dass wir ein bisschen besser sind als andere. Der zweite Effekt nennt sich Korrespondenzverzerrung in der Psychologie.

Man kann nicht einer bestimmten Verkehrsteilnehmerart den schwarzen Peter zuschieben.

Wenn wir selber Missgeschicke haben, dann haben wir immer den Eindruck, die Ursache dafür war die ungünstige Situation. Wenn wir allerdings Missgeschicke anderer beobachten, glauben wir tendenziell, dass das mit deren persönlicher Inkompetenz zu tun hat. Wir bewerten Missgeschicke anderer also systematisch anders als unsere eigenen.

Wer macht denn effektiv Fehler?

Schlussendlich alle. Man kann nicht einer bestimmten Verkehrsteilnehmerart den schwarzen Peter zuschieben. Es gibt lediglich Verkehrsteilnehmerarten, die durch andere stärker gefährdet sind, weil sie weniger Schutz um sich herum haben.

Wieso ist die Wahrnehmung je nach Gruppe, zu der man gehört, unterschiedlich? Also zum Beispiel als Velo- oder Autofahrende.

Wenn wir uns irgendwo als Teil einer Gruppe sehen, haben wir den Eindruck, dass das Verhalten innerhalb unserer eigenen Gruppe besser ist als das Verhalten von Nicht-Gruppenmitgliedern.

Andere zu belehren, führt zu einer Spirale von noch aggressiverem Verhalten. Dagegen hilft nur die eigene Gelassenheit.

Wenn wir also beispielsweise auf einem Velo unterwegs sind, haben wir eher den Eindruck, dass sich die Motorfahrzeuglenkenden schlechter verhalten, als es die Velofahrenden machen – und umgekehrt genauso.

Wie beeinflusst unsere Stimmung die eigene Sicherheit beim Fahren?

Das kommt ein bisschen auf die Person drauf an. Aber bei Personen, die eine geringe Impulskontrolle haben, stellen wir eher kritischere Verhaltensweisen fest. Wenn die gestresst sind und wenn sie den Eindruck haben, dass andere sich schlecht verhalten, kann das schnell eine Unfallrelevanz bekommen.

Was raten Sie Menschen, die sich im Strassenverkehr oft aufregen?

Das eine ist Empathie. Wenn wir tatsächlich mal versuchen würden, die Welt der anderen Personen durch deren Brille zu erblicken und dabei feststellen würden, dass es Sinn ergeben kann, dass die Person so langsam fährt, können wir das auch besser nachvollziehen. Andere zu belehren, führt zudem in der Regel zu einer Spirale von noch aggressiverem Verhalten. Dagegen hilft nur die eigene Gelassenheit. Sich einfach sagen: In 5 bis 10 Sekunden habe ich die Situation eigentlich schon wieder komplett vergessen.

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