Seit drei Monaten ist dieser Waldbrand nicht zu löschen

- Im ehemaligen Tagebau Rusendorf bei Meuselwitz in Thüringen schwelt seit Ende Juni ein unterirdischer Brand.
- Die Glut sitzt tief in einer kohlehaltigen Schicht – selbst 280'000 Liter Löschwasser aus einem Helikopter reichten nicht aus.
- Die LMBV rechnet mit zwei bis vier Jahren Arbeit; Rauch und Geruch sollen bis Jahreswechsel nachlassen.
Seit Ende Juni schwelt bei Meuselwitz im Osten Thüringens ein unterirdischer Brand. Vermutlich ging er von einem Waldbrand zwischen Mumsdorf und Falkenhain aus.

Fast drei Monate später brennt es dort noch immer – und die Löscharbeiten dürften sich weiter hinziehen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu einem aussergewöhnlichen Fall.
Was brennt genau?
Das Feuer hat im ehemaligen Tagebau Rusendorf kohlehaltige Ablagerungen erfasst und betrifft inzwischen rund acht Hektar. Oberirdisch sind die Flammen gelöscht. Im Untergrund schwelt der Brand jedoch weiter; Rauch und Geruch belasten die umliegenden Orte.
Warum lässt sich das Feuer nicht einfach löschen?
Die Glut sitzt mindestens 50 Zentimeter tief in einer drei bis fünf Meter dicken Schicht aus Kohletrübe. Unterirdisch kann sie sich unbemerkt ausbreiten und andernorts wieder aufflammen. Selbst 280'000 Liter Löschwasser aus einem Helikopter löschten den Brand nur oberflächlich, berichtet MDR. Nun sollen Wasser, Brandschneisen und später eine Erdschicht die Sauerstoffzufuhr unterbinden.
Wie kam die Kohle in die Grube?
Über Jahrzehnte wurde Kohletrübe in das Restloch des früheren Tagebaus Rusendorf eingespült. Dabei handelt es sich um einen nassen Produktionsrückstand aus Wasser, Kohlestaub und feinen Kohlepartikeln, der etwa bei der Brikettherstellung anfiel. Auch Asche wurde dort abgelagert. So entstand im Untergrund eine mehrere Meter dicke, heute brennbare Schicht.
Wie lange wird es noch brennen?
Wann der Brand endgültig erlischt, ist offen. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) rechnet allein für das spätere Abdecken der Fläche mit einer bis zu zwei Meter dicken Erdschicht mit zwei bis vier Jahren Arbeit. Zuvor soll das Gelände intensiv bewässert werden, um die Glut zu kühlen. Rauch und Geruch dürften nach Einschätzung der Verantwortlichen aber bis zum Jahreswechsel deutlich nachlassen.
Besteht Explosionsgefahr?
Eine akute Explosionsgefahr wurde bislang nicht gemeldet. Dennoch kontrolliert die LMBV täglich die Methankonzentration in Luft und Rauch, da brennbare Gase sicherheitsrelevant sein können. Die Behörden überwachen die Lage fortlaufend, wie MDR weiter berichtet. Im Vordergrund steht derzeit die Frage, wie stark die Rauchgase die Menschen in den umliegenden Orten belasten.

Hat die verschmutzte Luft gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung?
Ob die Rauchgase bereits gesundheitliche Folgen haben, wird noch untersucht. In fünf Orten messen Fachleute deshalb Feinstaub, Schwermetalle und giftige Gase. Die Sorge in der Bevölkerung ist gross: «Meine Frau ist lungenkrank, die ist bis dahin vielleicht schon tot, bis Sie das erledigt haben», sagte ein Anwohner gegenüber «Focus».
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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