Milchbauern verdienen 8.30 Fr. pro Stunde – Rapsbauern 73.60 Fr.

- Schweizer Milchbauern verdienen laut einer neuen FHNW-Studie im Schnitt nur 8.30 Franken pro Stunde.
- Rapsbauern kommen hingegen auf 73.60 Franken – fast neunmal so viel wie Milchproduzenten.
- Laut Studienautor wäre ein Preisaufschlag von 77 Prozent auf Milch nötig, damit Bauern einen fairen Lohn erzielen.
Wer in der Schweiz Milch produziert, verdient damit im Schnitt gerade einmal 8.30 Franken pro Stunde. Noch tiefer fällt der Verdienst bei der Mutterkuhhaltung mit 4.30 Franken und bei der Rindermast mit 7.90 aus. Das geht auch aus einer neuen Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im Auftrag des Vereins Faire Märkte Schweiz hervor, über die die «Sonntagszeitung» berichtete.
Ganz anders sieht es beim Pflanzenbau aus: Mit Zuckerrüben lassen sich 55.90 Franken pro Stunde erwirtschaften, mit Raps sogar 73.60 Franken, wie die Studie besagt. Der Stundenverdienst ist bei Raps also fast neunmal so hoch wie bei der Milchproduktion.
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Wieso sind die Unterschiede so gross?
Die grossen Ertragsunterschiede haben vor allem mit dem Arbeitsaufwand zu tun, wie Studienautor und FHNW-Ökonom Mathias Binswanger gegenüber der «Sonntagszeitung» erklärt. Die Milchwirtschaft ist mit rund 35 Prozent aller Schweizer Landwirtschaftsbetriebe der grösste Bereich der Landwirtschaft.
Im Pflanzenbau im Flachland können viele Arbeitsschritte automatisiert werden, bei der Viehhaltung sei das schwieriger. Hinzu kommen grössere Risiken: Wetterextreme beeinflussen den Futteranbau und damit die Milch- und Fleischproduktion. Gleichzeitig können Bauern ihren Tierbestand nicht kurzfristig an Preisschwankungen anpassen.
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Forderung: Milch sollte 77 Prozent teurer werden
Der Produzentenpreis für tierische Produkte müsste deutlich steigen, damit Bauern einen mit anderen regionalen Einkommen vergleichbaren Lohn erzielen, wie Binswanger gegenüber der Sonntagszeitung sagt. Bei Milch wäre ein Aufschlag von 77 Prozent nötig, bei Rindfleisch sollten es 39 Prozent sein, bei der Mutterkuhhaltung sogar 101 Prozent.
Das bedeutet für Konsumentinnen und Konsumenten allerdings nicht automatisch, dass Milch im Laden ebenfalls 77 Prozent teurer würde. Wie viel höhere Produzentenpreise an die Kundschaft weitergegeben würden, hängt auch von Verarbeitern und Detailhändlern sowie deren Margen ab.
Gerade der trockene und heisse Sommer zeigt das: Der Bund stockte die Soforthilfe für Landwirte um 54 Millionen Franken auf. Die Schlussfolgerung: Würden Bauern von ihren Abnehmern angemessenere Produzentenpreise erhalten, könnten sie schwierige Jahre eher selbst auffangen.
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Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Wirtschaft.
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