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Saturday, October 31, 2026

«Nach Auslandsaufenthalt hatte ich plötzlich keine Freunde mehr»

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  • Lea (23) ist nach mehreren Jahren nach Zürich zurückgekehrt und hat hier kaum enge Freundinnen.
  • Sie schreibt deshalb auf Reddit einen Aufruf und sucht Frauen in ihrem Alter für neue Freundschaften.
  • Rund 25 Personen melden sich, mit einer Frau hat sie sich bereits auf einen Kaffee getroffen.

Früher reichte ein gemeinsames Klassenzimmer, ein Studium oder ein Hobby, um neue Freundschaften zu schliessen. Man sah sich täglich, verbrachte die Pausen zusammen und verabredete sich spontan. Doch mit dem Einstieg ins Berufsleben verändert sich das oft. Neue Menschen kennenzulernen wird plötzlich zur Herausforderung.

Das erlebt auch Lea* (23). Die Zürcherin hat diesen Sommer ihr Studium an der Hotelfachschule in Lausanne abgeschlossen. Zuvor verbrachte sie ein Sprachjahr in der Westschweiz und in England. Nun ist sie zurück in ihrer Heimatstadt und arbeitet im Digital Marketing.

Enge Freundschaften im Erwachsenenalter entstehen laut Lea nicht von selbst, sondern brauchen Zeit und gegenseitige Initiative. (Symbolbild)

Enge Freundschaften im Erwachsenenalter entstehen laut Lea nicht von selbst, sondern brauchen Zeit und gegenseitige Initiative. (Symbolbild)Unsplash

Ihre Eltern, Geschwister, Grosseltern und ihr Freund leben in Zürich. Trotzdem fehlt ihr etwas: Freundinnen, mit denen sie spontan einen Kaffee trinken, brunchen oder einen Pilateskurs besuchen kann, wie sie im Gespräch mit 20 Minuten erzählt.

«Nach der Arbeit ging es oft direkt nach Hause»

«Ich hatte nie eine einzige grosse, feste Freundesgruppe, sondern eher einzelne gute Freundinnen aus verschiedenen Lebensabschnitten», sagt Lea. Einige Freundschaften hätten die Jahre überstanden, andere seien auseinandergegangen. Viele ihrer Freunde leben heute in anderen Städten oder im Ausland.

Wie sehr ihr ein enger Freundeskreis in Zürich fehlt, merkt sie erst nach ihrer Rückkehr. «Das wurde mir vor allem bewusst, als ich wieder regelmässig zur Arbeit pendelte. Nach der Arbeit ging es oft direkt nach Hause.»

Wie leicht fällt es dir, im Erwachsenenalter neue Freundschaften zu schliessen?

Während der Ausbildung oder des Studiums sei es einfacher gewesen, Gleichaltrige kennenzulernen. «Diese spontanen Begegnungen fallen im Berufsalltag eher weg.» Hinzu kommt, dass Lea introvertiert ist. «Ich bin anfangs eher zurückhaltend und brauche manchmal etwas Zeit, um auf neue Menschen zuzugehen.» Gleichzeitig habe sie den Eindruck, dass viele Menschen in ihrem Alter bereits feste Freundeskreise hätten.

«Manchmal ist es frustrierend und auch einsam»

Dabei hat die 23-Jährige durchaus versucht, neue Kontakte zu knüpfen. Auf Reisen lernte sie über Apps andere Frauen kennen, um gemeinsam Städte zu erkunden. Auch Networking-Veranstaltungen besuchte sie. Doch aus den Begegnungen entstanden nur selten langfristige Freundschaften.

«Neue Leute kennenzulernen ist das eine – aus einem ersten Kontakt eine enge Freundschaft zu entwickeln, braucht Zeit und gegenseitige Initiative.» Dass ihr manchmal die Gesellschaft fehlt, bedeutet nicht, dass sie ungern alleine ist. Im Gegenteil: Lea besucht auch ohne Begleitung Ausstellungen oder unternimmt Ausflüge. «Manchmal ist es frustrierend und auch einsam», gibt sie zu. «Man kann gerne alleine sein und sich trotzdem mehr soziale Nähe wünschen.»

«Es haben sich ungefähr 25 Menschen gemeldet»

Schliesslich fasst sich Lea ein Herz und veröffentlicht auf Reddit einen Aufruf. Darin sucht sie nach Frauen in ihrem Alter, die ebenfalls neue Freundschaften knüpfen möchten. Sie wünscht sich unkomplizierte Begegnungen, aus denen vielleicht eine engere Freundschaft entsteht.

Die Resonanz überrascht sie. «Es haben sich ungefähr 25 Menschen gemeldet. Damit hatte ich nicht gerechnet, und anfangs war ich etwas überwältigt.» Besonders freut sie, dass sich so viele in ihrer Situation wiedererkennen. Denn auch in ihrem Umfeld beobachtet sie, dass selbst offene und kontaktfreudige Menschen Mühe haben können, neue Freundschaften aufzubauen.

Ob Zürich dabei eine besondere Rolle spielt? «Ich nehme Menschen hier manchmal als etwas zurückhaltend wahr, wenn es darum geht, neue Personen in bestehende Freundeskreise aufzunehmen.» Das sei allerdings nur ihre persönliche Erfahrung.

Aus einer Nachricht wird ein Treffen

Lea versucht, möglichst allen Interessierten zurückzuschreiben. Doch nicht aus jedem Kontakt wird mehr. «Einige Gespräche sind nach ein paar Nachrichten wieder eingeschlafen, was ich schade fand, aber auch nachvollziehen kann – der Alltag ist oft voll.»

Mit einer Frau hat es inzwischen jedoch geklappt: Die beiden haben sich auf einen Kaffee getroffen und bereits eine weitere gemeinsame Aktivität geplant. «Ob daraus eine langfristige Freundschaft wird, weiss man natürlich noch nicht. Aber allein dafür hat sich der Schritt für mich schon gelohnt.»

Anderen Menschen, die sich mehr Anschluss wünschen, möchte Lea deshalb Mut machen. Denn eines habe sie gelernt: «Natürlich lässt sich eine Freundschaft nicht erzwingen. Aber wenn man sich Veränderung wünscht, kann es sich lohnen, selbst einen ersten Schritt zu machen.»

Wie ist es bei dir: Fällt es dir schwer, im Erwachsenenalter neue Freundschaften zu schliessen? Hast du nach einem Umzug oder dem Berufseinstieg den Anschluss verloren? Oder hast du über Social Media neue Freunde gefunden? Erzähl uns davon unten im Formular.

*Name geändert.

Deborah Gonzalez

Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Stellvertretende Ressortleiterin Gesellschaft & Community.

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