Angriff auf Kyjiw - Selenskyj beklagt fehlende Vorwarnung
Unmittelbar nach Auslösung des Luftalarms wegen herannahender ballistischer Raketen waren schon die ersten Explosionen in Kyjiw zu hören. Ein neunstöckiges Wohngebäude im Bezirk Desnjanskyj ging nach einem Treffer in Flammen auf. Laut Bürgermeister Vitali Klitschko gab es mindestens zwei Tote und mehr als 20 Verletzte.
Wie schon am Vortag hätten die internationalen Partner auch diesmal keine Warnhinweise auf einfliegende Raketen gegeben, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Geschosse seien quasi erst im Anflug auf die ukrainische Hauptstadt von den Radaren entdeckt worden. Außer dem Wohnblock sei auch ein Heizkraftwerk getroffen worden.
US-Regierung bestreitet Vorwürfe
Selenskyj beklagte, den russischen Angreifern werde es zu einfach gemacht. "Das ist überhaupt nicht gerecht, wenn sie Energieanlagen zerstören und die Ukraine nicht einmal Warnungen vor dem Start von ballistischen Raketen erhält", schrieb er im Nachrichtendienst Telegram. Die US-Regierung bestritt Vorwürfe, wonach militärische Informationen nicht mehr mit den Ukrainern geteilt würden.

Die Ukraine verließ sich in ihrem seit 2022 andauernden Abwehrkampf gegen Russland bislang vor allem auf Aufklärungsdaten des US-Militärs, aber auch auf die anderer NATO-Mitgliedstaaten. Zuletzt traten jedoch wieder Spannungen zwischen den Regierungen in Kyjiw und Washington offen zutage.
Trump will Ende der gegenseitigen Angriffe
Russland attackiert die Energieversorgung in Kyjiw seit Wochen verstärkt. Die Angriffe führten bereits zu Strom- und Wasserausfällen und brachten zeitweise auch den U-Bahn-Verkehr zum Erliegen. Als Reaktion greift die Ukraine Energieinfrastruktur in Russland und nimmt dabei unter anderem Raffinerien und Öldepots ins Visier. US-Präsident Donald Trump, der wegen der infolge des Iran-Kriegs hohen Spritpreise unter Druck steht, verlangt ein Ende dieser Angriffe.

Trump hatte am Freitag eine Vereinbarung mit Kreml-Chef Wladimir Putin über die Lieferung von russischem Diesel bekanntgegeben. Mit dem umstrittenen Diesel-Deal setzte sich Trump über die vom Westen und den USA verhängten Russland-Sanktionen hinweg. Nach Kritik Selenskyjs an der Vereinbarung forderte Trump dessen Ablösung und Neuwahlen in der Ukraine.
Am Sonntag erklärte Trump dann, Russland und die Ukraine hätten einer Einstellung der Angriffe auf Energieanlagen im jeweils anderen Land zugestimmt. Moskau bestätigte eine solche Vereinbarung nicht.
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