Selbstständig mit Behinderung – Mit der Rampe ins Bundeshaus: Julian Mosers Einsatz für Inklusion

Der 19-jährige Julian Moser wohnt trotz seiner Zerebralparese selbstständig in einer Wohnung in Zürich. Im Alltag braucht er viel Hilfe: «Grundsätzlich brauche ich überall Hilfe, wo ich Sachen nicht machen kann wegen meiner Behinderung», sagt Moser. Die benötigte Unterstützung erhält er durch eine Assistenzperson. Sie hilft ihm, zu kochen, zu essen, zu trinken, einzukaufen und sich zu kleiden.
Die Assistenz ist vor allem abends und nachts bei Moser. Wenn er tagsüber einen Termin ausser Haus wahrnehmen will, muss er Zusatzstunden beantragen.
Teilhabe am sozialen und beruflichen Leben
Finanziert werden seine täglichen acht Assistenzstunden über die Invalidenversicherung (IV). Er wünscht sich aber mehr Unterstützung, um am sozialen und beruflichen Leben teilnehmen zu können.
Moser wollte eine Lehre anfangen, diese ist aber am verlangten Arbeitspensum gescheitert: «Ich habe dem Bund angeboten, eine Lehre auf 60 Prozent zu machen, die IV hat aber Konditionen an die Lehre geknüpft, die ich nicht erfüllen konnte.»
Inklusionsinitiative und Gegenvorschlag
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Eingereicht wurde die Inklusionsinitiative am 5. September 2024. Sie fordert, dass die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung von Menschen mit und ohne Behinderungen in allen Lebensbereichen in der Verfassung verankert wird. Der Bundesrat lehnt die Initiative ab, hat aber einen indirekten Gegenvorschlag vorgelegt. Dieser beinhaltet Folgendes:
- Förderung von selbstbestimmtem Wohnen
- Mehr moderne Hilfsmittel wie Prothesen und Hörgeräte
- Vereinfachter Zugang zum Assistenzbeitrag der IV
- Überprüfung der Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention
Denn Moser ist bereits Arbeitgeber: Er koordiniert die Arbeitspläne für seine Assistenzpersonen – das kostet ihn viel Energie. Auch die Physiotherapie nimmt zusätzliche Zeit in Anspruch. Die IV wollte ihm nur eine Lehre auf 80 Prozent finanzieren: mit seinen anderen Verpflichtungen eine zu grosse Überforderung.
Moser kämpft aber für seine Ziele und engagiert sich politisch. Gemeinsam mit anderen Menschen mit Behinderungen ist er am Dienstag nach Bern gereist, um im Bundeshaus für die Anliegen der Inklusionsinitiative zu lobbyieren.
Beschwerliche Reise ins Bundeshaus
Die Reise war anstrengend: «Sobald ich weiss, dass ich einen Termin habe, muss ich Assistenz organisieren, muss die SBB anrufen, um mich anzumelden, dass ich komme. Jeder Mensch mit Behinderung muss das machen.»
Bei der Sicherheitskontrolle beim Bundeshaus mussten er und seine Mitstreiterinnen länger warten. In die Wandelhalle zu gelangen, bereitete Moser aber fast keine Schwierigkeiten. Er nahm die Rampe im Haupteingang und fuhr mit dem Lift nach oben, um Parlamentarierinnen und Parlamentariern von seinen Erfahrungen zu erzählen.
Einen Tag nach Mosers Besuch in Bundesbern diskutierte der Nationalrat intensiv über die Inklusionsinitiative und den indirekten Gegenvorschlag des Bundesrates. Der Rat hat noch keine Entscheidung gefällt, die Diskussionen werden am 21. September weitergeführt. Die Initiative hat schlechte Chancen, während der Gegenvorschlag eine Mehrheit finden könnte.
Inklusionsinitative: Stimmen aus der Nationalratsdebatte
Ob sich die Situation für Julian Moser verbessern wird, ist noch offen. Klar ist: Er will sich weiterhin engagieren und strebt ein politisches Amt an. «Sei es Nationalrat, Ständerat oder Stadtrat, ich sehe mich definitiv in der Zukunft dort.» Sein Vorbild: SP-Nationalrat und Behindertenrechtsaktivist Islam Alijaj. Über Mosers Schreibtisch hängen mehrere Bilder der beiden.
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