«Spitzenklasse»: Yakin lobt den Eisvogel in den Himmel

Darum gehts
- Nico Elvedi erzielt gegen Schottland das vorentscheidende 2:0 – einen Tag vor seinem 30. Geburtstag.
- Nati-Trainer Murat Yakin adelt den Leeds-Verteidiger mit dem Wort «Spitzenklasse».
- Elvedi war vor gut einem Jahr noch aus der Nati ausgebootet worden – nun gilt er als bester Schweizer Abwehrspieler des WM-Turniers 2026.
Tore sind im Leben von Nico Elvedi ein seltenes Ereignis. Vor dem Nations-League-Spiel gegen Schottland (3:0) hatte der Leeds-Verteidiger erst drei Treffer für die Schweiz zu verzeichnen.
In Glasgow beschenkte sich der Zürcher am Dienstagabend – wenige Stunden vor seinem 30. Geburtstag – mit dem 2:0 und liess die feurigen Fans im Hampden Park erstarren.
Umso grösser war hingegen die Freude bei Elvedi und seinen Teamkollegen. «Ich bin sehr froh, dass ich meiner Mannschaft mit einem Tor helfen konnte.»
Vom Tiefpunkt zum Höhenflug
Das vierte Tor ist die logische Folge einer wundersamen Verwandlung. Vor über einem Jahr gab es die Ausbootung aus der Nati, als der damalige Gladbach-Verteidiger im März nicht mehr aufgeboten wurde.
Schon zuvor gab es Zweifel nach dem bitteren Abend in Kopenhagen, als Elvedi in der Nations League gegen Dänemark mit einer unbeholfenen Abwehraktion mit Rot vom Platz flog.
Doch anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen, stellte er sich selbst infrage. Genau das ist es, was Murat Yakin heute an seinem Verteidiger besonders schätzt.
«Er hat das damals selber eingesehen und eine sehr gute Wandlung durchgemacht», sagt der Nati-Trainer. Elvedi habe «wahrscheinlich alles hinterfragt» und erkannt, «dass es so nicht weitergehen kann».
Also stellte er vieles auf den Kopf
Elvedi krempelte seine Einstellung und seine Ernährung um: Yakin gab ihm eine zweite Chance und Elvedi entwickelte sich bei der WM 2026 zum grossen Gewinner. Von zahlreichen Medien wurde er zum besten Schweizer Abwehrspieler des Turniers gewählt.
Nun knüpft er nahtlos daran an. «In der Verfassung, in der wir ihn jetzt sehen, ist er defensiv bärenstark», sagt Yakin. «Er gewinnt alle Zweikämpfe, sichert die Mitspieler ab, setzt Akzente in der Offensive und schiesst jetzt auch noch ein Tor.»
Und dann fällt ein Wort, das bei einem Trainer über einen Verteidiger besonders viel Gewicht hat: «Spitzenklasse.»
Nico Elvedi: «Momentan ist einfach das Vertrauen da»
Elvedi selbst macht aus seiner Entwicklung kein grosses Geheimnis. «Momentan ist einfach das Vertrauen da, ich fühle mich sehr gut und versuche, das auf dem Platz umzusetzen.»
Mehr braucht es offenbar nicht. Er wirkt sicher. Er wirkt abgeklärt. Und er wirkt befreit.
Gegen Schottland lässt er sich auch von der aufgeheizten Atmosphäre im Hampden Park nicht aus der Ruhe bringen. Die Schotten sind körperbetont, die Kulisse laut, das Spiel nach dem frühen Platzverweis von Jack Hendry speziell.
Doch die Schweiz bleibt cool. Und Elvedi sowieso. «Wir haben uns nicht verunsichern lassen, das Spiel souverän zu Ende gespielt und schlussendlich verdient gewonnen», sagt der Eisvogel, wie er einst vom Fachmagazin «Kicker» genannt wurde.
Mit seinem Verhalten gegen Schottland bewies er vielmehr die Qualität eines Feuervogels.
Erst hinten dicht, dann vorne Feuer
Nach einer sicheren ersten Halbzeit wagt es Elvedi nach der Pause in den gegnerischen Strafraum. Und plötzlich jubelt er. «Natürlich spekuliert man auf den zweiten Ball», erklärt er. «Und dann kam der super Ball.»
Der Rest ist Geschichte. 2:0 – die Vorentscheidung. Und gleichzeitig das perfekte Geburtstagsgeschenk.
Michel Aebischer findet deshalb: Jetzt darf es auch noch ein bisschen knallen. «Da könnte er vielleicht einen ausgeben», sagt der Mittelfeldspieler.
Schliesslich sei ein 30. Geburtstag «eine runde Zahl», also fast schon ein Jubiläum. Plus das 3:0 gegen Nordmazedonien, sprich sechs Punkte aus zwei Spielen: «Ein Bierchen geht sicher», sagt Aebischer auf die Frage von 20 Minuten.
Murat Yakin: «Ich bin extrem froh für ihn»
Der vielleicht schönste Satz kommt aber von Yakin. Denn der Trainer spricht nicht nur über einen Spieler, der gerade gut Fussball spielt. Er spricht über einen, der aus einem Rückschlag gelernt hat.
«Es ist schön zu sehen, dass es Spieler gibt, die demütig sind, einsehen, dass sie an sich arbeiten müssen, und nicht die Schuld bei anderen suchen.»
Dann sagt Yakin: «Ich bin extrem froh für ihn.» Es ist die Geschichte eines Spielers, der schon ganz oben war, plötzlich aus dem Kreis der Nati flog und sich seinen Platz zurückeroberte.
Eines Spielers, der einst vor allem für seine kühle Art bekannt war. Hinten bleibt Elvedi der Eisvogel.
Und vorne bringt er das Eis als Feuervogel zum Schmelzen. «Das neue Selbstvertrauen führt mich vermehrt nach vorne», sagt Elvedi zu 20 Minuten und ist heiss auf einen Schlummertrunk: «Ich würde gerne auf den Sieg anstossen, wenn es möglich ist.»
Wie beurteilst du Nico Elvedis aktuelle Entwicklung in der Nati?
Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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