Wandern in der Schweiz – Darum stehen auf unseren Wegweisern Stunden – und keine Kilometer

In Ländern wie Frankreich oder Deutschland finden sich häufig Distanzangaben auf den Wanderschildern: «Plattenteich – 5 km» oder «La Lause – 4 km» heisst es da etwa. Ganz anders in der Schweiz: Hier zeigt uns der Wegweiser drei Stunden bis zum «Amselspitz» oder zum «Mittaggüpfi» an. Warum?
Wir betrachten die Zeitangabe als eine der wichtigsten Informationen.
«Die Wanderzeit ist für die Tourenplanung aussagekräftiger als eine reine Distanzangabe, gerade in den Bergen», sagt Vera In-Albon vom Verband Schweizer Wanderwege. Dort sei für die Wanderzeit nicht nur die Entfernung wesentlich.
Auch die Steigung und das Gefälle seien entscheidende Faktoren. «Wir betrachten die Zeitangabe daher als eine der wichtigsten Informationen unterwegs.» Wanderer könnten so besser einschätzen, wie anspruchsvoll eine Route sei und ob sie ein Postauto oder einen Zug noch erreichen.
Jede Region «wurstelte» selbst
Die Zeiten auf unseren Wegweisern sind schweizweit einheitlich berechnete Richtwerte. Sie geben die Marschdauer für einen Durchschnittswanderer an: «Das bedeutet auch, dass rund die Hälfte der Wanderer und Wanderinnen schneller unterwegs ist als die angegebene Zeit.» Wer regelmässig wandert, entwickle mit der Routine jedoch ein gutes Gespür für das eigene Tempo.
Doch wie werden diese Wanderzeiten berechnet? Früher war es üblich, dass verschiedene Personen die Strecken abgewandert sind. Doch dies führte zum bekannten Schweizer Flickenteppich: In manchen Regionen wanderten stets dieselben Leute los, damit möglichst vergleichbare Zeiten entstehen. Andere Gemeinden schickten wiederum extra unterschiedliche Menschen los, von Kindern bis zu Seniorinnen und Senioren, und berechneten einen Durchschnittswert.
Komplexe Formel löst alte Methoden ab
Seit 2006 werden die Wanderzeiten schweizweit nach einer einheitlichen mathematischen Formel berechnet. Diese hat ein Mitarbeiter des Bundesamts für Landestopografie in den 1980er-Jahren zusammen mit seinem Sohn entwickelt. Die komplexe Formel bezieht sich in erster Linie auf die Weglänge sowie auf Auf- und Abstiege. «Nicht berücksichtigt sind dabei die individuelle Fitness, die Wegoberfläche, die Ausrüstung oder Pausen», sagt Vera In-Albon.
Die Formel für Mathegenies:
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t_to = {L * [C0 + (C1 * S) + (C2 * S^2) + (C3 * S^3) + (C4 * S^4) + (C5 * S^5) + (C6 * S^6) + (C7 * S^7) + (C8 * S^8) + (C9 * S^9) + (C10 * S^10) + (C11 * S^11) + (C12 * S^12) + (C13 * S^13) + (C14 * S^14) + (C15 * S^15)]} / 1000
Trotz dieser Standardformel: Gewisse Schilder beruhen noch auf den alten Berechnungsmethoden. «Das liegt an der langen Lebensdauer der Wegweiser.» Besonders in Graubünden gibt es robuste Gusswegweiser. Sie trotzen Wind und Wetter teilweise schon jahrzehntelang. Und führen Wegzeiten auf, die noch durch Märsche oder andere Methoden bestimmt wurden. «Bei einer Neusignalisation werden die Angaben aber überprüft», sagt Vera In-Albon.
Tipps für Wandervögel
Wer seinen Wandertag im Vorfeld planen möchte, dem nützen die Zeitangaben auf den Wegweisern wenig. In solchen Fällen hilft eine einfache Faustregel: Für einen Kilometer Wegstrecke rechnet man im flachen Gelände mit 15 Minuten Wegzeit.
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Weitere 15 Minuten kommen pro 100 Höhenmeter Aufstieg hinzu – ebenso für 200 Meter Abstieg. Wer seine Route digital plant, kann zudem den Routenplaner der Schweizer Wanderwege oder die swisstopo-App verwenden.
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