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Wednesday, October 14, 2026

Neuer Roman von Juli Zeh – In «Pony Show» wird der Gerichtsprozess zum Medienspektakel

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Wo «Juli Zeh» draufsteht, ist auch «Juli Zeh» drin. Einmal mehr mischt die Bestseller-Autorin eine rasante Handlung mit allerhand Gesellschaftskritik.

«Pony Show» heisst ihr neuer Roman. Und der ist so packend, dass man ihn kaum weglegen kann. Ein Justiz-Krimi mit psychothrillerhaften Zügen.

Juli Zeh kam 1974 in Bonn zur Welt. Sie hat Jura studiert und im Europa- und Völkerrecht promoviert. Zudem hat sie eine Ausbildung am Literaturinstitut Leipzig absolviert.

Schon ihr Debüt «Adler und Engel» (2001) wurde hochgelobt. Der grosse Durchbruch gelang Zeh mit den Romanen «Unterleuten» (2016) und «Über Menschen» (2021).

Inzwischen sind ihre Bücher in 35 Sprachen übersetzt. Zahlreiche Auszeichnungen hat sie erhalten; in der Schweiz etwa den Solothurner Literaturpreis.

Juli Zeh ist nicht nur Bestseller-Autorin, sondern auch ehrenamtliche Richterin am Verfassungsgericht des deutschen Bundeslandes Brandenburg. Zudem meldet sie sich regelmässig in politischen Debatten zu Wort. Themen, die ihr – in ihrer Literatur wie auch gesamtgesellschaftlich – unter den Nägeln brennen, sind beispielsweise Bürgerrechte, Überwachung, Datenschutz, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Hauptfigur ist Bethany Hell, über 50, verheiratet, Mutter eines Sohnes und Chefin eines grossen Literaturverlags in Hamburg. Ihr wird eine Affäre mit dem Lektorats-Assistenten Fero nachgesagt, der noch keine 30 ist.

Plötzlich unter Mordverdacht

Eines Tages verschwindet Fero. Und Betty wird mit Falschgeld und einer Pistole aufgegriffen, an der Blut klebt. Die renommierte Verlegerin steht plötzlich unter Mordverdacht. Vom mutmasslichen Opfer Fero fehlt jede Spur.

Eine Person in einem karierten Mantel lehnt an einer Säule.
Legende: Mit Prozessen kennt sich Juli Zeh bestens aus. Die gelernte Juristin ist noch immer ehrenamtliche Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg. Imago/Emmanuele Contini

Es beginnt ein spektakulärer Prozess. Die Medien überschlagen sich in ihrer Sensationsberichterstattung. Der Fall spaltet die Öffentlichkeit. Für die einen ist Bethany der Beweis, dass Frauen in Machtpositionen genauso toxisch agieren können wie Männer. Für die anderen ist sie das Opfer einer Gesellschaft, die freiheitsliebende Frauen noch immer abstraft.

Im Englischen steht «Pony Show» für ein aufwändig inszeniertes Spektakel. Für ein solches wird Bethany im Laufe des Prozesses sorgen.

Wer sagt die Wahrheit?

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Bethanys Anwalt Mark. Der Fall ist der wichtigste seiner Karriere.

Schnell muss Mark merken, dass er sich auf nichts verlassen kann. Nur zaghaft kommt seine Mandantin ins Reden. Und ihre Sicht der Dinge ist eine völlig andere als die des Staatsanwalts oder die von Feros Mutter, die glaubt, Bethany habe ihren Sohn schamlos ausgenutzt und dann getötet.

Was ist wahr, was ist falsch? Und ist nicht alles eine Frage der Perspektive? Das ist einer der vielen Aspekte, die Juli Zeh aufgreift.

Auf gut 500 Seiten thematisiert Zeh aber noch vieles mehr. Die Erregungskurven der Öffentlichkeit etwa oder den medialen Druck, unter dem die Justiz steht, sowie das unterfinanzierte deutsche Rechtssystem.

Ein besessener Anwalt

Es geht aber auch um den Wunsch, dem eigenen, langweiligen Alltag zu entfliehen, womöglich gar ein Held zu werden. Mark, der Anwalt, entwickelt eine regelrechte Obsession für den Fall. Und er verliebt sich in seine Mandantin. Manipuliert sie ihn womöglich genauso, wie sie den jungen Fero manipuliert hat?

Mark wischt seine Zweifel beiseite. Lieber ist es ihm, Bethany als Opfer des Patriarchats zu betrachten. Die emanzipatorischen Widersprüche, die sich bei ihm zu Hause abspielen, fallen ihm dabei kaum auf: Während er tage- und nächtelang feministische Aufsätze liest, um ein überzeugendes Schlussplädoyer zu verfassen, kümmert sich seine Frau um die Kinder, kocht ihnen Essen, bringt sie ins Bett.

Juli Zeh: «Pony Show». Luchterhand, 2026.

Juli Zeh hat Rechtswissenschaften studiert. Ihr profundes juristisches Wissen kommt in «Pony Show» genauso zum Tragen, wie ihr Talent, Spannung zu erzeugen und eine Handlung so raffiniert zu konstruieren, dass man gar nicht merkt, dass sie konstruiert ist.

Es sind keine zarten Pinselstriche, mit denen Zeh die Handlung zeichnet. Dafür geht es Knall auf Fall. Zeh überrascht mit immer neuen Wendungen. Und am Schluss, wenn man alles bis zum Ende gelesen hat, erscheint dann sogar die vorangestellte Danksagung in einem ganz neuen Licht.

In der kommenden Ausgabe des «SRF-Literaturclub» wird «Pony Show» von Juli Zeh Thema sein. Ausstrahlung am 17. November um 22.25 Uhr auf SRF 1.

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