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Sunday, November 8, 2026

Diese KI-Anwälte helfen dir, dich scheiden zu lassen

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  • Ein Zürcher Start-up hat mit «iust.ai» eine KI für alltägliche Rechtsfragen entwickelt, die auch kommunale Gesetze kennt.
  • Der Chatbot gibt Rechtsauskünfte und verfasst rechtsgültige Einsprachen, etwa bei Scheidung, Miete oder Arbeitsrecht.
  • Ein Kunde beseitigte mit der 10-Franken-Version eine unberechtigte Betreibung über 27’000 Franken.

ChatGPT kann vieles, aber die KI holt sich ihre Informationen einfach aus dem Internet. Das ist bei «iust.ai» anders: Dort sind alle nationalen, kantonalen und gar kommunalen Gesetze und Verordnungen hinterlegt, auch bisherige Gerichtsurteile, Bundesgerichtsentscheide, anstehende Gesetzesanpassungen sowie juristische Literatur.

Die KI mit dieser umfassenden Datenbank wurde von einem Zürcher Start-up entwickelt. Zwei Millionen Franken hat das Projekt bisher gekostet, seit diesem Jahr ist «iust.ai» online und deckt die Schweiz, Deutschland, Österreich, die Benelux-Länder und Italien ab.

«Unser Chatbot ist so gut, dass er eigentlich eine Rechtsschutzversicherung ersetzen könnte», sagt Chef Robert Matic. «Vor allem bei Scheidungsfragen oder Miet- und Arbeitsrecht ist sie stark.»

KI-generierte Beschwerde beseitigte Betreibung

Sein Angebot sei vor allem für Laien entwickelt worden. «Andere juristische KIs adressieren sich an Juristen, aber unsere KI soll – zumindest beim ersten Schritt – teilweise einen Anwalt ersetzen können. Natürlich nicht für den Gang vor Gericht, aber mindestens für die ersten Rechtsauskünfte oder um rechtsgültige Einsprachen zu verfassen.»

Matic erzählt: «Wir hatten zum Beispiel einen Fall, da konnte ein Kunde mit unserer 10-Franken-Version eine Betreibung von 27’000 Franken beseitigen.» Drei Jahre nach einer Betreibung mit Rechtsvorschlag habe die Privatperson den unberechtigten Eintrag auf dem aktuellen Betreibungsauszug entdeckt, obwohl der Gläubiger längst in Konkurs war. Das Betreibungsamt erklärte, die Frist sei abgelaufen – der Eintrag bleibe bestehen. «Er hat sich mithilfe unserer KI eine Beschwerde erstellen lassen und der Fall konnte vor Gericht geklärt werden. Die ‹iust›-Beschwerde war erfolgreich und die Betreibung wurde gelöscht.»

Juristen überprüfen, ob Antworten rechtsgültig sind

Was das Gründerteam stolz macht: «Wir haben unsere anfängliche Fehlerquote von 17 Prozent auf sechs Prozent gesenkt. Das Ziel bleibt jedoch eine 1-prozentige Fehlerquote.» Er arbeitet in jedem Land mit Juristen zusammen, die die Antworten auf Herz und Nieren prüfen, damit der Chatbot rechtsgültige Aussagen ausgibt.

Die Nutzer können nicht nur in Alltagssprache reden, sie können in allen möglichen Sprachen nach Schweizer Gesetzen suchen – und das rund um die Uhr.

Wie stehst du zu einer KI, die dir bei Scheidung, Mietstreit oder Einsprachen helfen kann?

«Deshalb bin ich überhaupt auf die Idee gekommen», erzählt Matic seine Gründergeschichte. «Meine Frau ist in einer Gruppe mit anderen slawischen Frauen, und als am Freitagabend um 20 Uhr mal eine Frau in dieser Gruppe fragte, ob sie denn mit ihren Kindern die Schweiz verlassen müsse, wenn sie sich von ihrem Schweizer Ehemann scheiden lasse, antwortete ich ihr. Aber ich bin ja kein Anwalt.»

Doch die Frau habe mit ihrem dringenden Problem unbedingt mit jemandem reden und nicht erst bis Montagmorgen warten wollen, um einen Scheidungsanwalt zu kontaktieren. «Sie rief mich also an und nachdem ich sie beruhigt hatte, twintete sie mir 30 Franken. Da wusste ich: Es braucht ein Tool, von dem jeder Normalverbraucher eine verlässliche Rechtsauskunft bekommen kann, und zwar in jeder Sprache und zu jeder Uhrzeit. Aber besser als ChatGPT.»

Ein interner Jurist zum Auf-den-Tisch-Stellen

Der Dienst wird aber nicht nur Privatpersonen, sondern auch KMU angeboten, die keine eigene Rechtsabteilung haben. Dies sei deutlich günstiger als ein hausinterner Jurist. «Und unsere neuste Erfindung wird ein Anwalt oder eine Anwältin, die man sich bei Geschäftsleitungssitzungen oder anderen wichtigen Meetings auf den Tisch stellen und jederzeit um Rat fragen kann.» Das Objekt werde derzeit in Bülach ZH entwickelt.

Das Gadget – der Anwalt oder die Anwältin für auf den Tisch – wird in Bülach ZH produziert.

Das Gadget – der Anwalt oder die Anwältin für auf den Tisch – wird in Bülach ZH produziert.KI-Bild: iust.ai

Lokale Nähe war dem Unternehmen aus Dübendorf ZH wichtig. So werden die Server alle in Europa gehostet. Und auch das Large Language Model (LLM) solle dereinst auf ein europäisches umgestellt werden. Matic: «Wir müssen ja nicht unbedingt alle unsere heiklen Daten immer nach Amerika schicken.»

Céline Trachsel

Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.

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