VW-Belegschaft kritisiert Kommunikation des Vorstands in Krisenzeit
Krise bei Volkswagen Belegschaft wirft Management "desaströse Kommunikation" vor
Stand: 24.08.2026 • 12:09 Uhr
Die VW-Belegschaft kritisiert die Kommunikation des Vorstands scharf. Eine interne Umfrage zeigt die Verunsicherung der Mitarbeiter. Die Konzernspitze soll nun auf Betriebsversammlungen Antworten geben.
Während Europas größter Automobilkonzern Volkswagen über ein weiteres Sparpaket berät, kritisiert die Belegschaft den Kommunikationsstil des Managements. In einem Intranet-Artikel des Betriebsrates, aus dem die Nachrichtenagenturen Reuters und die Deutsche Presseagentur zitieren, heißt es: Wegen der "desaströsen Kommunikation nach außen durch den Vorstand", seien die Mitarbeiter und deren Familien "verunsichert und verängstigt".
Grundlage ist eine vom Betriebsrat initiierte Online-Umfrage zur Stimmung in der Belegschaft. In der vergangenen Woche konnten Beschäftigte im Intranet Kritik und Erwartungen an Konzernchef Oliver Blume und den übrigen Vorstand formulieren und Beiträge anderer Mitarbeiter mit einem "Like" unterstützen. Mehr als 100 Fragen und Vorschläge standen demnach am Ende zur Auswahl.
Mitarbeiter sorgen sich um die Zukunft
Besonders große Zustimmung erhielt die Kritik an der Kommunikation des Managements. Daneben beschäftigen die Mitarbeiter die Sorge um ihre Arbeitsplätze, die Zukunft von Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen sowie die Perspektiven der Werke in Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau. Auch die Strategie für künftige Produkte und das Vertrauen der Kunden wurden thematisiert.
Für zusätzlichen Unmut sorgt nach Angaben von Reuters der Umgang mit einem Interview Blumes, das am vergangenen Freitag im VW-Intranet veröffentlicht wurde. Der Betriebsrat kritisierte demnach, dass das Interview erst am Freitagnachmittag online gestellt worden sei, als zahlreiche Beschäftigte bereits auf dem Weg ins Wochenende gewesen seien. Einige Mitarbeiter hätten entsprechende Informationen zu diesem Zeitpunkt bereits aus den Nachrichten erfahren.
Blume sieht Konzern als "überdimensioniert"
In dem Interview bezeichnete Blume die Lage des Konzerns als "mehr als kritisch“. Volkswagen verdiene derzeit zu wenig, um die notwendigen Investitionen in neue Technologien, Produkte und Standorte dauerhaft finanzieren zu können. Der Konzern sei überdimensioniert und dadurch häufig zu langsam und zu kompliziert. Konkrete Antworten zur Zukunft einzelner Werke oder zu einem möglichen Stellenabbau gab Blume dabei jedoch nicht.
Volkswagen will seine Kosten deutlich reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Nach Angaben Blumes sollen die Kapazitäten der europäischen Konzernwerke um 500.000 Fahrzeuge pro Jahr sinken. Für die Werke in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm könne Volkswagen derzeit keine wettbewerbsfähige Auslastung für die 2030er-Jahre darstellen. Eine immer wieder genannte Größenordnung von rund 50.000 Stellen weltweit sei laut Blume allerdings keine feste Zielmarke für einen Stellenabbau.
Neun Betriebsversammlungen geplant
Antworten auf die offenen Fragen erwartet die Belegschaft nun auch auf mehreren außerordentlichen Betriebsversammlungen. Insgesamt neun Veranstaltungen sind in den kommenden Tagen an VW-Standorten geplant. Den Auftakt macht am Dienstag das Stammwerk Wolfsburg, wo sich Blume den Fragen der Beschäftigten stellen soll. Am Mittwoch folgen unter anderem Betriebsversammlungen in Emden und Zwickau.
Im Mittelpunkt stehen die Zukunft des Konzerns, mögliche Einsparungen und die Perspektiven der Standorte. Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaft verlangen angesichts der Sparpläne rasch Klarheit darüber, wie viele Arbeitsplätze betroffen sein könnten und welche Zukunft die einzelnen Werke haben.
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