Champagner statt Revolution – Italiens Zentrale der Kommunisten wird zum Luxushotel

Dieser Tage ging in Rom ein neues Fünf-Sterne-Luxushotel auf – an der geschichtsträchtigen Via delle Botteghe Oscure. Geschichtsträchtig auch darum, weil genau dort, wo die Luxusherberge eröffnet, einst der Sitz der grössten kommunistischen Partei Westeuropas war: nämlich die Parteizentrale des Partito Comunista Italia.
In Rom wusste man lange ganz genau, wo der Kommunismus zu Hause war: in einem dunkelrot bemalten, düsteren Palazzo mitten in der Altstadt. Auf dem Dach des hohen Gebäudes waren grosse Antennen montiert. Sie vermittelten den Eindruck, die Zentrale der Kommunistischen Partei Italiens (KPI) stünde in stetigem Kontakt mit dem Kreml und der Sowjetunion.
Rund fünf Jahre residierten die KPI und ihre linken Nachfolgeorganisationen in diesem Haus. Bereits im Jahr 2000 kam es aber in andere Hände. Es bot unter anderem dem Bankenverband Büroräume, und seit einigen Tagen ist es nun ein Luxushotel.
Das heisst in jenem Büro, wo einst der legendäre Parteichef Enrico Berlinguer den sogenannten Spaghetti-Kommunismus dirigierte, nächtigen heute Touristinnen und Touristen. Kostenpunkt: etwa 3000 Euro.
Ein typisches Schicksal
Betritt man das noble Hotel, so wartet gerade am Anfang in einer Nische Antonio Gramsci. Zumindest steht dort noch immer die Büste des bedeutenden italienischen Marxisten und Theoretikers. Nur werden ihn viele der betuchten Gäste beim Vorbeigehen weder erkennen noch beachten.
Das Schicksal dieses Gebäudes, in dem italienische Nachkriegsgeschichte geschrieben wurde, ist durchaus typisch. Es gehört heute einem internationalen Investor. Der Palazzo dient nun also dem allmächtigen Tourismus, der Italiens Städten viel Geld zuführt, sie aber gleichzeitig auch aushöhlt und immer mehr zu Nostalgieparks degradiert.
Journalisten, wo einst Berlusconi nächtigte
Man muss nicht weit gehen, nur etwa 200 Meter, und man erreicht ein anderes historisches Gebäude, das heute ebenfalls einem anderen Zweck dient: den Palazzo Grazioli. Hier residierte bis vor wenigen Jahren Ex-Premier Silvio Berlusconi.
Im Zimmer, wo der «Cavaliere» einst schlief – und so hört man, viel Damenbesuch hatte –, arbeiten heute Journalistinnen und Journalisten der ausländischen Presse. Ausgerechnet – war das Verhältnis der internationalen Medien zum italienischen Langzeitpremier doch oft gespannt und voller Irritationen.
Touristen im Büro des Kommunisten, Chefs und Journalisten im Schlafzimmer Berlusconis. Römische Paläste sind reich an Geschichte und einige von ihnen auch voller Ironie.
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