Fake Lashes: Studie findet bei fast allen Trägerinnen Milben

Darum gehts
- Laut einer neuen Studie berichtet fast die Hälfte der Frauen mit Wimpernverlängerungen von Augenbeschwerden.
- Bei 85 Prozent der untersuchten Frauen zeigen sich Funktionsstörungen der Meibom-Drüsen.
- Forschende finden bei fast allen untersuchten Wimpernproben Demodex-Milben.
Für einen betörenden Augenaufschlag setzen viele Frauen auf künstliche Wimpern. Manchen bescheren die Fake Lashes aber auch Probleme. Etwa weil die Trägerinnen allergisch auf den Kleber reagieren oder auf Billigprodukte setzen. So wie die 14-jährige L.S., der die Temu-Wimpern eine heftige Augenentzündung bescherten. Doch laut Tetiana Zhmud von der Nationalen Medizinischen Universität Pirogov in Winnyzja (Ukraine) scheinen Probleme mit den Augen ein gängiges Problem zu sein.
«Hinweise auf Probleme an der Augenoberfläche»
Die Augenärztin hat sich eingehend mit Wimpernverlängerungen bei Frauen zwischen 16 und 28 Jahren befasst. «Wimpernverlängerungen sind ein äusserst beliebter kosmetischer Eingriff bei jungen Frauen. Gleichzeitig mehren sich die Hinweise darauf, dass dieser Eingriff Probleme auf der Augenoberfläche verursachen kann», erklärte Zhmud am 44. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Katarakt- und refraktive Chirurgie in London (ESCRS), wo sie die Ergebnisse ihrer Studie vorstellte.

Gemeinsam mit ihrem Team hatte Zhmud 345 junge Frauen zu ihren Erfahrungen befragt. Zudem untersuchten sie mithilfe von Infrarotlicht die sogenannten Meibom-Drüsen (siehe Box) und analysierten Wimpernproben unter dem Mikroskop.
Meibom-Drüsen
Bei den Meibom-Drüsen handelt es sich um Talgdrüsen. Diese sitzen am oberen und unteren Lidrand (etwa 20 bis 30 pro Lid). Sie produzieren eine ölige Substanz, die sich mit der wässrigen Tränenflüssigkeit vermischt und so verhindert, dass diese einfach verdunstet. Das Sekret wird bei jedem Lidschlag auf die Augenoberfläche abgegeben. Ist es eingetrocknet, spricht der Volksmund auch von «Schlafsand» oder «Schlaf im Auge». In der Studie wurden die Meibom-Drüsen mithilfe der sogenannten Meibographie untersucht.

Rötungen, Tränenfluss oder Juckreiz
Das Ergebnis: Viele der Befragten hatten bereits Erfahrungen mit künstlichen Wimpern (fast ein Viertel) – und Augenbeschwerden:
- Mehr als die Hälfte (58 Prozent) liess sich alle drei bis vier Wochen Wimpernverlängerungen machen.
- Fast die Hälfte derjenigen, die Wimpernverlängerungen hatten machen lassen (47,6 Prozent), berichtete nach der Behandlung von Beschwerden wie Rötungen, Tränenfluss oder Juckreiz.
Womit das zusammenhängen könnte, zeigte die Meibographie. Demnach wiesen 85 Prozent der untersuchten Frauen Anzeichen einer Meibom-Drüsen-Dysfunktion auf, einer Funktionsstörung, die dazu führt, dass die Drüsen verstopfen oder zu wenig Fett produzieren.
Auf vielen Kunst-Wimpern leben Demodex-Milben
Womit das zusammenhängen könnte, zeigte die Analyse der Wimpernproben von 25 Frauen, die regelmässig Wimpernverlängerungen trugen. Bei allen bis auf eine Frau fanden sie die Hautmilbe Demodex folliculorum. Das sind winzige Milben, die vor allem auf dem Gesicht fast aller Menschen leben, sich aber bei manchen stark vermehren und dann Entzündungen auslösen können. Bei 18 Frauen fanden sie typische Anzeichen dafür: verklebte Wimpern, schuppige Haut direkt am Wimpernansatz oder gerötete und geschwollene Lider.
Laut Sorcha Ni Dhubhghaill, Vorsitzende des ESCRS-Komitees für Hornhauterkrankungen und Augenspezialistin am Uniklinikum Brüssel, ist das auffällig. Denn «obwohl diese Milben häufig vorkommen, sehen wir sie normalerweise nicht so oft bei jüngeren Frauen.» Ni Dhubhghaill war nicht an der Studie beteiligt.

Sollte man besser auf Fake Lashes verzichten?
Diese Frage beantwortet die Studie nicht: Die Stichprobe ist nur klein. Zudem handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die zwar Zusammenhänge aufzeigen kann, aber keine Aussagen zum direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang (Kausalzusammenhang) zulässt. Weiter beinhaltet die Studie keinen Vergleich mit Frauen im gleichen Alter, die keine Wimpernverlängerungen hatten.
Setzt du im Alltag auf Fake Lashes?
«Unsere Ergebnisse legen nicht nahe, dass man Wimpernverlängerungen generell meiden sollte», erklärt dann auch Zhmud. Sie unterstreichen aber die Wichtigkeit einer sorgfältigen Lidhygiene, des Erkennens von Symptomen «und einer umgehenden ärztlichen Untersuchung bei deren Auftreten.» Für eine optimale Pflege der künstlichen Wimpern empfiehlt Zhmud die zweimal tägliche Anwendung eines konservierungsmittelfreien, hypoallergenen Gels zur therapeutischen Lidhygiene mit einer Wimpernbürste. «Bei nachgewiesenem Demodex-Befall (siehe Box) kann eine antiparasitäre Behandlung in Betracht gezogen werden.»
Fake Lashes kaschieren den Befall
Sind Demodex-Milben auf den Wimpern vorhanden, «erkennen wir sie in der Regel an den sogenannten ‹Kragen›, die sie um die Wimpern herum hinterlassen», erklärt Ni Dhubhghaill in ihrem Statement zur Studie. Dabei handele es sich um wachsartige Ringe aus toten Milben, Milbenkot und Milbeneiern, vermischt mit Hautschuppen und Hautfett. «Da der Kleber, der bei Wimpernverlängerungen verwendet wird, nahe am Ansatz der natürlichen Wimpern aufgetragen wird, wo sich die Kragen typischerweise befinden, kann es deutlich schwieriger sein, sie bei Frauen mit Wimpernverlängerungen zu erkennen.»

Das Team um Zhmud betont die Wichtigkeit weiterer Untersuchungen mit einer grösseren Gruppe von Personen mit und ohne Wimpernverlängerungen, um die Milbenpopulation zu ermitteln und den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Wimpernverlängerungen und der Augengesundheit sowie den Symptomen eines Milbenbefalls zu untersuchen.
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Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
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