«Unmöglich»: Handwerker meiden Zürich wegen Parkplatz-Situation

- Handwerker in Zürich leiden unter der Parkplatznot: 81 Prozent der 38 befragten Betriebe nennen die Suche schwierig.
- Bei 34 Prozent der Betriebe gehen pro Auftrag 31 bis 60 Minuten verloren, weitere 8 Prozent verlieren über eine Stunde.
- Die Hälfte lehnt Aufträge teilweise ab, sieben Betriebe nehmen gar keine Aufträge in Zürich mehr an.
Öffentliche Parkplätze sind in Zürich rar und ab Neujahr mit der neuen Parkkartenverordnung noch teurer. Zwar stimmte die Bevölkerung für eine Ausnahme fürs Gewerbe – Büezer sollten unter bestimmten Voraussetzungen kurz auf dem Trottoir parkieren dürfen. Doch der Bezirksrat hob die Ausnahme wieder auf. Bis zum endgültigen Entscheid des Verwaltungsgerichts bleibt die Ausnahme blockiert.
Wie gross die Unzufriedenheit mit der Parkplatzsituation in der Stadt ist, zeigt eine Umfrage der Handwerker-Plattform Ofri. Von 38 befragten Handwerksbetrieben mit Erfahrung bei Aufträgen in Zürich geben 81 Prozent an, die Parkplatzsuche sei eher oder sehr schwierig.
Die Suche nach einem Parkplatz und der längere Weg zum Kunden kosten die Betriebe Zeit. 34 Prozent verlieren bei einem typischen Auftrag 31 bis 60 Minuten, weitere acht Prozent sogar mehr als eine Stunde.
Wie unverhältnismässig dieser Aufwand gerade bei kurzen Serviceeinsätzen werden kann, zeigt die Erfahrung von Christian Losenegger von WPS Wärmepumpenservice. Losenegger sagt: «Für eine einstündige Inbetriebnahme einer Frischwasserstation suche ich regelmässig 30 Minuten einen Parkplatz, der dann 20 Minuten von der Baustelle entfernt ist.»
Justin Michél Mittler von der Mittler Bauunternehmung KLG aus Bülach spricht von durchschnittlich 30 bis 60 Minuten zusätzlichem Aufwand. Besonders schwierig werde es, wenn er schweres Material wie Betonsäcke zum Einsatzort transportieren muss. «Wir versuchen dann, möglichst nahe am Objekt zu parkieren. Teilweise muss ein Mitarbeiter beim Firmenwagen bleiben, damit er ihn jederzeit wegfahren kann.»
Mitarbeiter muss beim Firmenwagen warten
Für Handwerker Michael Späni von der Michi Späni GmbH in Sattel (SZ) steht der Aufwand bei kurzen Arbeiten teilweise kaum noch im Verhältnis zur eigentlichen Arbeitszeit. Schon für ein kurzes Ausmessen beim Kunden könne der Fussweg vom Fahrzeug hin und zurück länger dauern als der Termin selbst.
Jeder Zweite verzichtet auf Aufträge in Zürich
Wegen der Parkplatz-Not lehnt die Hälfte der befragten Handwerkerinnen und Handwerker Aufträge teilweise ab. Sieben Betriebe nehmen deswegen grundsätzlich keine Aufträge in Zürich mehr an.
Weitgehend aus Zürich zurückgezogen hat sich Klaus Planinz vom Zimmerei-Meisterbetrieb Ligo in Rotkreuz. «Bei einer Baustelle über zwei oder drei Monate kann man sich organisieren. Bei kleinen Aufträgen macht es aber kaum noch Sinn», sagt Planinz.
Wie beurteilst du die Parkplatzsituation für Handwerksbetriebe in Zürich?
Auch Peter Stalder von der SoundServiceCenter GmbH in Au/Wädenswil sagt, er nehme zunehmend lieber Aufträge ausserhalb der Stadt an und kenne zahlreiche Handwerker, die Zürich meiden. Er muss für seine Aufträge unter anderem Multimedia- und Musikanlagen transportieren. «Wenn ich mit einem 100 Kilogramm schweren Gerät nicht einmal nahe zum Kunden fahren kann, wird es irgendwann unmöglich», sagt Stalder.
Viele Kunden wollen von den Problemen nichts wissen
Mehrere der befragten Handwerker berichten, dass Kundinnen und Kunden zusätzliche Kosten für Parkplatzsuche und Materialtransport nicht akzeptieren. Deshalb verrechnen 61 Prozent der befragten Betriebe diesen Aufwand überhaupt nicht, obwohl er zusätzliche Arbeitszeit verursacht.
Parkplätze für Handwerker
Für Handwerksbetriebe gibt es in Zürich verschiedene Parkbewilligungen: Nach einmaliger Registrierung des Firmenfahrzeugs können Handwerker beispielsweise eine Tagesbewilligung für 30 Franken pro Tag und Fahrzeug beziehen. Wer für einen Auftrag einen bestimmten Parkplatz benötigt, kann diesen unter bestimmten Voraussetzungen auch im Voraus reservieren.
Für die Handwerker bedeutet die Parkplatzsituation deshalb nicht nur verlorene Zeit, sondern teilweise auch einen finanziellen Mehraufwand, den sie selbst tragen. Wie hoch dieser ausfallen kann, zeigt die Erfahrung von Rainer Schröter von der Schröter Trockenbaumeister GmbH aus Uerikon ZH: Bei einer dreiwöchigen Baustelle in Zürich entstanden ihm nach eigenen Angaben rund 1000 Franken Parkhausgebühren. «Die hat mir keiner gezahlt.»
So entstand die Umfrage
Ofri führte im September und Oktober 2026 eine Umfrage unter Handwerksbetrieben mit Erfahrung bei Aufträgen in der Stadt Zürich durch. Die Befragung erfolgte online sowie ergänzend telefonisch. Insgesamt nahmen 38 Handwerksbetriebe teil. Die Umfrage ist nicht repräsentativ.
Ofri empfiehlt Auftraggebern, die Parkplatzsituation bereits im Vorfeld anzusprechen. Wer einen privaten Parkplatz zur Verfügung stellen oder bei der Organisation einer Parkmöglichkeit helfen könne, solle dies dem Handwerker möglichst früh mitteilen.
Folgst du 20 Minuten Wirtschaft auf Whatsapp?
Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
