Für mehr Zufriedenheit lohnt sich ein Blick in deine Agenda

Glücksforscher ziehen Bilanz
Für mehr Zufriedenheit lohnt sich ein Blick in deine Agenda
Die Freundin vertrösten, den Besuch bei den Eltern verschieben: Im Alltag kommen Beziehungen schnell zu kurz. Dabei nehmen sich selbst Glücksforscher inzwischen bewusster Zeit für ihre Liebsten. Was wir uns davon abschauen können.
Publiziert: vor 17 Minuten
Gunda BosselSEO-Redaktorin
«Wir sollten uns unbedingt bald wieder einmal sehen!» Im Whatsapp ist der Satz ernst gemeint. Dann kommen die volle Arbeitswoche, die Wäsche, der Elternabend und ein anstrengender Tag dazwischen. Dann turbulente Wochen. Und bis zum nächsten Treffen vergehen Monate.
Auch wer beruflich erforscht, was Menschen glücklich macht, muss solchen Begegnungen bewusst Platz einräumen. Mehrere führende Glücksforscher berichten, dass sie heute mehr Zeit mit ihren Liebsten verbringen. Denn ihre wissenschaftliche Arbeit hat ihnen vor Augen geführt, wie wichtig Beziehungen für das Wohlbefinden sind.
Für einen Beitrag im «Journal of Happiness Studies» tauschten sich 13 Fachleute über ihre Erkenntnisse und persönlichen Erfahrungen aus. Zusammen bringen sie rund 600 Jahre Forschungserfahrung mit. Eine zentrale Botschaft ihrer Bilanz: Menschen zu haben, auf die man zählen kann, ist entscheidend.
Wer würde dir nach einem schlechten Tag zuhören?
Dafür braucht es keinen riesigen Freundeskreis. Laut Mitautorin Lara Aknin, Sozialpsychologin an der kanadischen Simon Fraser University, kann bereits eine einzige verlässliche Bezugsperson einen bedeutenden Unterschied machen. Weitere Beziehungen und die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft können das Wohlbefinden zusätzlich stärken.
Wie eine solche Verbindung im Alltag aussehen kann? Vielleicht ist es die beste Freundin, die man nach einem schwierigen Gespräch im Büro anruft. Der Freund, bei dem man auch einmal sagen darf: «Heute läuft gar nichts.» Oder die Nachbarin, mit der aus einem kurzen Schwatz vor der Haustür regelmässige Spaziergänge geworden sind.
Die Frage ist also weniger, wie viele Kontakte im Handy gespeichert sind. Sondern: Bei wem kann ich mich melden, wenn ich jemanden brauche?
Zum Znacht reichen auch Pasta und eine halbe Stunde
Gemeinsame Zeit scheitert manchmal schon am eigenen Anspruch. Für eine Einladung müsste die Wohnung aufgeräumt sein, zum Essen möchte man etwas Besonderes kochen. Also wird wieder nichts daraus.
Dabei könnte die Verabredung viel einfacher aussehen: zusammen Pasta essen, in der Mittagspause mit einem Kollegen an einen Tisch sitzen oder nach Feierabend noch eine Runde durchs Quartier laufen.
Zumindest für gemeinsame Mahlzeiten gibt es einen deutlichen Befund: Der «World Happiness Report 2025» untersuchte Daten aus 142 Ländern und Gebieten. Wer häufiger mit anderen ass, berichtete im Durchschnitt über eine höhere Lebenszufriedenheit und mehr positive Gefühle.
Ob das gemeinsame Essen zufriedener macht oder zufriedene Menschen häufiger in Gesellschaft essen, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Beim Zuhören auch wirklich da sein
Einige der Fachleute berichten zudem, dass sie Erkenntnisse ihrer Forschung bewusst im Alltag anwenden: Sie hören aufmerksamer zu, drücken Dankbarkeit aus oder engagieren sich freiwillig.
Das kann im Kleinen beginnen. Beim Kaffee das Handy in der Tasche lassen. Nachfragen, wie der Arzttermin gelaufen ist, von dem der Vater letzte Woche erzählt hat. Oder einer Freundin sagen, wie gut das letzte Gespräch getan hat.
Daraus muss keine weitere Aufgabe werden, die man möglichst perfekt erledigt. Auch glückliche Menschen haben schlechte Tage. Die Forschenden betonen, dass Wohlbefinden mit den eigenen Werten, Beziehungen und dem Umgang mit Veränderungen zusammenhängt.
Vielleicht fällt dir gerade jemand ein, den du schon länger sehen möchtest. Statt «Wir sollten mal wieder» könnte die nächste Nachricht etwas konkreter sein: «Hast du am Donnerstag Zeit für einen Spaziergang?»
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