KI-Bild der SVP polarisiert: «Solche Aktionen sind unter jeder erdenklichen Gürtellinie!»
KI-Bild der SVP polarisiert
«Solche Aktionen sind unter jeder erdenklichen Gürtellinie!»
Die SVP setzt im politischen Schlagabtausch auf künstliche Intelligenz. Damit löst die Partei eine hitzige Grundsatzdebatte aus. Darf für eine politische Botschaft eine Szene erfunden werden? Die Leserinnen und Leser sind sich uneinig.
Publiziert: vor 18 Minuten
Aktualisiert: vor 16 Minuten
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- SVP nutzt KI-Bild von schlafendem Beat Jans in umstrittenem Podcast-Teaser
- 56 Prozent der Befragten lehnen KI-Bilder für politische Kampagnen ab
- Kritiker fordern Verbot, Befürworter plädieren für klare Transparenzregeln
Sarah RiberzaniRedaktorin Community
Ein schlafender Bundesrat Beat Jans, dazu der Eindruck, er habe es sich während der Arbeit bequem gemacht: Mit diesem Bild wirbt die SVP für ihren Podcast «Dütsch. Dütlich. Dettling!». Nur: Die Szene hat so nie stattgefunden. Das Foto wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt. Jans wurde digital in ein Büro gesetzt und schlafend dargestellt. Zwar weist die SVP darauf hin, dass das Sujet «KI-generiert» ist. Die Kennzeichnung ist allerdings so klein angebracht, dass sie leicht übersehen werden kann. In einzelnen Versionen des Teasers fehlt der Hinweis sogar vollständig.
Der Fall zeigt, wie einfach sich mit KI politische Botschaften erzeugen lassen, die auf einer erfundenen Szene basieren. Für die SVP ist das kein Problem: Die Partei argumentiert, das Bild sei als Montage erkennbar und die politische Auseinandersetzung dürfe zugespitzt geführt werden. Andere Parteien sehen das anders und haben sich bereits auf einen gemeinsamen KI-Kodex verständigt, der den Einsatz künstlich erzeugter Bilder für negative Kampagnen untersagt.
Scharfe Kritik am KI-Bild
Wie weit darf politische Zuspitzung mit künstlich erzeugten Bildern gehen? Genau diese Frage spaltet auch die Community. In einer Leserumfrage zeigt sich ein gespaltenes Bild: 56 Prozent der Teilnehmenden finden, dass Parteien solche KI-Bilder nicht für Kampagnen einsetzen sollten, weil die Darstellungen offensichtlich nicht der Wahrheit entsprechen. 24 Prozent würden den Einsatz akzeptieren – allerdings nur, wenn die Bilder klar und deutlich als KI-generiert gekennzeichnet sind. Für 20 Prozent spricht hingegen grundsätzlich nichts dagegen, dass Parteien mit solchen Bildern Wahlkampf und politische Kampagnen machen.
In der Kommentarspalte überwiegt zunächst die Kritik. Deutlich fällt die Reaktion von Leserin Doris Binggeli aus: «Sorry, aber solche Aktionen sind unter jeder erdenklichen Gürtellinie.» Auch Kai Hölscher kritisiert den Einsatz der Technologie durch die SVP. «Tolle Vorbilder – eigentlich sollte die Politik und die Parteien gegen Deepfake vorgehen», schreibt er. Stattdessen nutze die SVP diese Technik selbst und «feiert sich dafür».
User Demian Maurer steht dem Einsatz ebenfalls kritisch gegenüber. «Wie jemand ein KI-Video als seriöse Politik nehmen kann, ist mir fern», schreibt er. Statt mit Fakten zu argumentieren, versuche man, «das Volk aufzustacheln». Sein Fazit: «Schon traurig.»
Noch schärfer formuliert es Leif Rosenberger. Ihm sei «egal, was für eine politische Meinung eine Partei vertritt». Wenn eine Partei jedoch beginne, KI «für den Wählergewinn zu verwenden», sei eine Grenze erreicht. Rosenberger bezeichnet dies als «KI-Betrug» und fordert, solche Methoden sofort zu verbieten.
Nicht alle ziehen eine rote Linie
Auf der anderen Seite gibt es Leserinnen und Leser, die den Einsatz von KI in der politischen Auseinandersetzung verteidigen. Monica Richter verweist dabei auf KI-generierte Bilder, die auch aus dem linken politischen Lager verbreitet würden. Für sie gehört der Einsatz der neuen Technologie zur politischen Meinungsäusserung: «Jeder hat seine Meinung, und das ist auch richtig so. Neu halt mit KI.»
Auch für Leser Rolf Gurtner gehören zugespitzte und unangenehme Bilder zur politischen Auseinandersetzung. «Die Wahrheit kann und soll gezeigt werden!», schreibt er. Dass dabei KI zum Einsatz kommt, sieht er nicht grundsätzlich als Problem.
Michael Ronner spricht sich gegen ein grundsätzliches Verbot aus: «Neue Technologien erfordern keine neuen Verbote, sondern klare Spielregeln. Politische Werbung darf übertreiben und KI nutzen.» Eine Grenze sieht er dort, wo erfundene Szenen wie echte Aufnahmen wirken: Die Stimmberechtigten müssten erkennen können, was Fiktion und was Realität ist. «Entscheidend ist deshalb nicht die Technologie, sondern die Transparenz – und dieser Massstab muss für alle Parteien gleichermassen gelten!»
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