Neue alte Schwingerkönigin lässt Eltern vor Stolz platzen

Auf dem Festplatz bahnt sich Elisabeth Gäumann (58) ihren Weg durch das Meer der Gratulierenden, um am Rand des Sägemehlrings die verschwitzte Schwingerkönigin innig zu umarmen. «Ich bin so stolz auf dich!», flüstert sie ihrer Tochter Jasmin Gäumann ins Ohr. Die 26 Jahre alte Bernerin hat am Eidgenössischen Frauen- und Meitlischwingfest in Schachen LU vor 1500 Gästen zwar nicht das Fest gewonnen, als Beste in der Jahreswertung aber ihren Titel verteidigt.
Im Gegensatz zu den Männern, die den Schwingerkönig alle drei Jahre an einem einzigen Wochenende ermitteln, wird die Schwingerkönigin jährlich gekürt. Der Titel basiert auf der Jahreswertung aller Kranzfeste der Saison.
Inzwischen hat sich Jasmin Gäumann das Sägemehl abgeklopft. Zur Siegerinnenehrung erscheint sie in der traditionellen Berner Tracht. Auf ihrem Kopf glänzt der goldene Königinnenkranz, am kräftigen Unterarm baumelt die gewonnene Treichel. Der Triumph seiner Tochter erfüllt auch Vater Fritz Gäumann (66) mit Stolz und Dankbarkeit: «Wir haben als Familie das Richtige getan!»
Mutter begleitet sie seit der Kindheit
Die Anwesenheit der Eltern hat die 18-fache Festsiegerin beflügelt. «Es ist immer schön, wenn man den Rückhalt der eigenen Familie vor Ort spürt. Seit meinem achten Lebensjahr begleitet mich meine Mutter zu Schwingfesten. Das finde ich wunderschön», sagt die 1,70 Meter grosse und 85 Kilogramm schwere Athletin, die sich für die Bernerinnen und den Schwingklub Zäziwil BE ins Zeug legt.
Jasmin Gäumanns Brüder Stefan (30) und Adrian (27) sind nicht ins Entlebuch gereist. Sie weilen am gleichzeitig stattfindenden Aare-Gürbetaler Hornusserfest und erwarten ihre hochdekorierte Schwester am Abend in Häutligen BE, wo sie zusammen aufgewachsen sind. «Da werden wir auf meine erfolgreiche Titelverteidigung anstossen», sagt die Kauffrau, die in Wichtrach BE wohnt und als Sachbearbeiterin bei der Anicom AG in Lyssach BE arbeitet.
«Der Titel Schwingerkönigin ist für mich von unschätzbarem Wert und zeigt mir, dass meine Leistung dieses Jahr gestimmt hat», sagt Jasmin Gäumann. Sie geht unabhängig durchs Leben und widmet ihre Energie aktuell voll und ganz ihrem Beruf und dem Sport. Zweimal pro Woche trainiert sie im Schwingkeller, ein- bis zweimal wöchentlich geht sie in den Kraftraum. Neben dem Schwingen reitet die 51-fache Kranzgewinnerin sehr gerne. Im Winter fährt sie oft Ski.
Bei der Krönung der Schwingerkönigin vor der Herz-Jesu-Kapelle in Schachen eifern die Kleinsten in Zwilchhosen ihren Vorbildern nach. 69 Meitli und 23 Zwergli zwischen fünf und fünfzehn Jahren wuseln aufgeregt herum. Leer geht niemand von ihnen aus: Spätestens am Gabentempel leuchten die Augen der enttäuschten Kinder wieder. Die Schwingerkönigin gibt ihnen einen wertvollen Tipp mit: «Glaubt an eure Träume! Wer dafür kämpft, wird sie auch erreichen.» Niemand verkörpert dies besser als Jasmin Gäumann.
«Ich sagte schon als kleines Mädchen: Eines Tages will ich Schwingerkönigin werden! Nun habe ich das schon zum zweiten Mal geschafft.» Und wer weiss: Sind nicht aller guten Dinge drei?
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