Sonne und Hitze – Bodennahes Ozon bleibt eine Gefahr für die Gesundheit

Sonne und Hitze Bodennahes Ozon bleibt eine Gefahr für die Gesundheit
Zwar sind gefährliche Ozon-Spitzenwerte schon länger Geschichte. Doch die Belastung im Sommer ist noch immer hoch. Ein Grund: Der Klimawandel.
01.10.2026, 06:58
Vor rund zwanzig Jahren herrschte in der Schweiz Alarmstimmung. So titelte der «Blick» im Juni 2005: «Um 15 Uhr kratzen Zürich und Basel an der gefährlichen 200er-Schallmauer.» Die Zeitung nannte das bodennahe Ozon sogar das «Killer-Gas».
Zum Glück ist das lange her. Und dass es seitdem vergleichsweise ruhig geworden ist um das Thema Ozon, hat handfeste Gründe: Die Emissionen von Stickoxiden sowie von volatilen organischen Verbindungen haben stark abgenommen. «Das führte dazu, dass die Ozon-Spitzenwerte im Sommer niedriger sind», sagt der Atmosphärenwissenschaftler Christoph Hüglin.
Die Luft ist sauberer geworden
Hüglin forscht an der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt EMPA. Nicht nur, aber auch wegen gefährlich hoher Ozonwerte beschloss die Politik damals etliche Schutzmassnahmen für die Luft. Abgase wurden reduziert und gefiltert. Als Folge sanken die Ozon-Spitzenwerte, doch das Ozon-Problem ist nicht wirklich verschwunden.
Ozon entsteht leichter, wenn drei Dinge zusammenkommen: Luftschadstoffe (davon enthält die Luft trotz aller Umweltschutzmassnahmen immer noch genug), Sonneneinstrahlung und Temperaturen von mehr als 25 Grad.
So schreibt der Bund vor – gestützt auf den Rat von Experten und Erfahrungswerte –, dass ein Grenzwert von 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft höchstens während einer Stunde pro Jahr überschritten werden solle.
Tatsächlich wurde dieser Grenzwert im Jahr 2026 im schweizweiten Schnitt aber während rund 450 Stunden überschritten. Vergleicht man 2026 mit anderen Jahren, sieht man, dass 2026 heraussticht – wie auch die Jahre 2015 und 2018.
In allen drei Jahren hatten wir heisse oder sehr heisse Sommer. Das erklärt, warum in solchen Fällen trotz saubererer Luft vermehrt zu hohe Ozonwerte gemessen werden.
Hitze und Sonne als Hauptverursacher
Der gute Trend dank weniger Schadstoffen in der Luft wird also quasi eingefangen von einem grösseren Trend: «Ein fortschreitender und sich verstärkender Klimawandel mit höheren Temperaturen im Sommer», sagt Jörg Klausen vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteo Schweiz).
Beide Wissenschaftler ziehen einigermassen ernüchternde Schlüsse: Die Vorgabe, dass der Grenzwert von 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft während maximal einer Stunde pro Jahr überschritten werden soll, sei ohne drastischen Klimaschutz realistisch betrachtet kaum zu erreichen. Dies selbst dann, wenn man Luftschadstoffe noch sehr viel stärker bekämpfen würde als jetzt.
Belastete Luft aus den Nachbarländern
Die Schweiz hängt dabei auch von dem ab, was Nachbarländer tun, sagt Klausen von Meteo Schweiz. «Die Schweiz ist punkto Luftreinhaltung natürlich keine Insel.»
Aus stärker industrialisierten Regionen in Frankreich und Italien wird Ozon zum Exportgut, das über Luftströmungen in der Schweiz landet und hier die Menschen belastet. Der neuste Copernicus-Bericht liefert dazu anschauliche Details.
Für den Versuch, gesundheitliche Folgen von Hitzesommern abzufangen, heisst das: Man sollte im Sommer die Ozonwerte beachten – und wenn sie hoch sind, das persönliche Verhalten anpassen. Heisst: Anstrengende Aktivitäten dann sein lassen, wenn die Ozonwerte ihren Peak erreichen. Das ist meist gegen 15 Uhr.
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