Pilzsaison in vollem Gange – Achtung, giftig: Warum Apps beim Pilzesammeln nicht helfen

Darum geht es: Herbst bedeutet Pilzsaison. Und auch wenn in diesem Herbst wegen des heissen und vor allem trockenen Sommers vor allem im Mittelland von einer eher mässigen Pilzsaison ausgegangen wird, kann man mancherorts durchaus Pilze finden. Dabei gilt es zu beachten: Wer keine ausgebuffte Pilzkennerin oder kein Pilzkenner ist, sollte sich auf keinen Fall allein auf Pilzbestimmungs-Apps verlassen – auch wenn sie KI-unterstützt sind. Sie gelten als unzuverlässig. Viel besser ist der Gang zur Pilzkontrollstelle. Zum Glück gibt es in der Schweiz Dutzende davon.
Die Apps zur Pilzbestimmung werden zwar immer besser – das sagen auch Pilzexperten. Aber sie sind noch keineswegs zu 100 Prozent zuverlässig – auch nicht, wenn sie mit künstlicher Intelligenz arbeiten.
Gründe gibt es dafür mehrere: Keine noch so gute App erkennt das unmittelbare Umfeld – die Bäume, die Bodenbeschaffenheit –, in dem der Pilz wächst. Das aber kann bei der Artenbestimmung entscheidend sein für den Ausschluss gewisser Pilzarten.
Auch hat die App keinen Geruchssinn – denn auch der Geruch eines Pilzes kann in manchen Fällen bei dessen Bestimmung helfen. Zudem spielt bei der Pilzbestimmung oftmals auch die Beschaffenheit des Pilzfleisches eine Rolle. Auch diese kann die App per Foto nicht erkennen.
Also: Verlassen Sie sich bei etwas, bei dem es im Extremfall um Leben oder Tod gehen kann, nicht auf eine App, die möglicherweise fehlerhafte Antworten liefert.
Drei Arten Pilze: Pilzsammler kennen drei Arten von Pilzen – essbare, ungeniessbare und giftige. Dabei gibt es kein allgemeingültiges Merkmal, ob ein Pilz geniessbar oder giftig ist. Es ist also falsch, davon auszugehen, dass zum Beispiel alle jungen Pilze oder etwa alle Röhrenpilze geniessbar seien. Wer auf Wiesen und im Wald Pilze zum Eigenverzehr suchen und finden will, muss also zumindest jene Pilze sicher erkennen können, die in seinem Kochtopf landen sollen. Empfohlen wird zudem immer der Besuch der örtlichen Pilzkontrollstelle.
Pilzexperten gehen von bis zu 3.2 Millionen verschiedenen Pilzarten auf der Erde aus. Früher galten Pilze als Pflanzen, inzwischen sind sie neben Tieren und Pflanzen eine eigenständige, dritte Gruppe von mehrzelligen Lebewesen.
Wichtig zu wissen: Was wir als «Pilz» bezeichnen, wenn wir einen im Wald finden, ist bloss der Fruchtkörper – wie der Apfel am Apfelbaum. Der Pilz-«Baum» dagegen heisst Myzel, befindet sich bei Waldpilzen unterirdisch im Boden oder im Totholz und geht oftmals Symbiosen ein, etwa mit Bäumen.
Das wiederum bedeutet, dass Pilze und Bäume einander helfen, zu überleben, indem sie sich Nährstoffe oder Zucker verfügbar machen.
Tipps zum Pilzesammeln: Pilze wachsen eher im Spätsommer/Herbst, ihre engen Verwandten, die Morcheln, eher im Frühling. Ausserdem wachsen Pilze und Morcheln tendenziell jedes Jahr immer wieder an denselben Stellen, falls der Platz nicht massiven, schockartigen Einflüssen wie Waldrodung oder Ähnlichem ausgesetzt ist. Geübte Pilzsammler suchen also immer wieder dieselben Fundorte im Wald auf. Und wenn alles zusammenpasst – Jahreszeit, Temperatur, Feuchtigkeit–, spriessen dort dann auch die Pilze aus dem Boden.
Einige der häufigsten Pilze in der Schweiz:
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Bild 1 von 6. Der Steinpilz – einer der wohl bekanntesten und gefragtesten Speisepilze. Er gehört zu den Röhrenpilzen und kann hervorragend getrocknet werden für den späteren Verzehr. Frisch zubereitet ist der Steinpilz unschlagbar bekömmlich. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
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Bild 2 von 6. Wer kennt ihn nicht, den Fliegenpilz? Mit seinem roten Hut, meist gesprenkelt mit weissen Punkten, ist er der wohl bekannteste Waldpilz der Welt. Aber Achtung: Der Fliegenpilz ist giftig und führt bei Verzehr zu Halluzinationen und massiven Bauchkrämpfen, Übelkeit und Erbrechen. Bildquelle: Keystone/Sigi Tischler.
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Bild 3 von 6. Der Parasol gilt als ausgezeichneter Speisepilz. Als junger Pilz ist der Schirm noch kugelförmig geschlossen. Der Pilz ist meist vergleichsweise gross und damit sehr ergiebig: Mit zwei Pilzen kocht man schon fast ein Znacht für zwei Personen. Bildquelle: Imago/Jan Fischer.
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Bild 4 von 6. Die Totentrompete – ein wundervoll kräftig schmeckender Saucenpilz. Man findet ihn meist in sehr feuchter bis nasser Umgebung, oftmals in ganzen Kolonien. Die Totentrompete kann problemlos getrocknet und den ganzen Winter über zur Verfeinerung jedes Ragouts hervorgeholt werden. Bildquelle: Imago.
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Bild 5 von 6. Der Klebrige Hörnling oder Geissbart sieht aus wie eine Koralle. Er ist nicht giftig, aber wegen seiner gummiartigen Konsistenz wenig wertvoll für ein Gericht. Bildquelle: Imago/Frank Sorge.
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Bild 6 von 6. Der Grüne Knollenblätterpilz – der tödlichste Pilz, der hierzulande wächst. Er ist für bis zu 90 Prozent der tödlichen Pilzvergiftungen in der Schweiz verantwortlich. Glücklicherweise kommen solche aber nur selten vor – doch auch wenn man eine Pilzvergiftung überlebt, bleiben oft Schäden zurück, etwa in der Leber. Bildquelle: Keystone/Bernd Wüstneck.
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Pilze ernten: Zunächst sollte man der Wiese oder dem Wald nur jene Pilze entnehmen, die man kennt und die man essen will. Empfohlen wird, die Pilze aus dem Boden zu drehen, denn auch der Wurzelbereich ist für die Bestimmung womöglich wichtig. Ganz junge und offensichtlich alte Pilze sollte man stehen lassen. Die Pilze sodann in ein luftiges Gebinde wie einen offenen Korb oder einen Stoffsack legen, keinesfalls in einen Plastiksack. Wichtig: Keine rohen Pilze essen. Die gesammelten Pilze vor dem Verzehr bei einer Pilzkontrollstelle überprüfen lassen. Und: Pilze sind nicht lange haltbar, also möglichst rasch zubereiten und geniessen.
Zu den Pilzen gehören nicht nur die Speisepilze – auch Fusspilz, Schimmelpilz oder Hefepilz gehören zur Gruppe der Fungi (Pilze). Und so vielfältig die Pilze sind, so weit verbreitet sind sie auf der Erde. Man findet sie überall dort, wo für sie geeignete Substrate – also Nahrung – vorhanden sind. Sogar im Permafrost und im Meereis wurden Pilze nachgewiesen, in Salz- und Süsswasser sowieso. Am meisten Pilzarten leben allerdings an Land.
Kantonale Vorschriften: Beim Pilzsammeln gibt es gesetzliche Regeln und Vorschriften, die eingehalten werden müssen. Diese werden von den Kantonen erlassen, können also von Kanton zu Kanton unterschiedlich sein, manchmal variieren sie sogar von Gemeinde zu Gemeinde. Viele Kantone kennen beispielsweise eine Höchstmenge an Pilzen, die pro Person und Tag gesammelt werden dürfen (oftmals 2 Kilogramm pro Person). In manchen Kantonen gilt auch jeden Monat eine Pilzschonzeit von einigen Tagen oder ein nächtliches Pilzsammelverbot. Eine Übersicht finden Sie hier.
Der essbare Hallimasch gilt als jener Pilz, der die grössten unterirdischen Myzelien bildet. Im Malheur National Forest Oregon in den USA befindet sich der grösste bekannte Hallimasch, er soll sogar das grösste Lebewesen auf der Erde sein. Sein Myzel breitet sich auf einer Fläche von rund 9.6 km² aus und er ist mehr als 2400 Jahre alt. Auch in der Schweiz ist der grösste Pilz ein Hallimasch. Er befindet sich im Nationalpark in der Nähe des Ofenpasses. Sein unterirdisches Myzel misst rund 500 mal 800 Meter. Er ist mehr als 1000 Jahre alt.
Pilzsammeln als Hobby: Wer ernsthaft für den Eigenverzehr Pilze sammeln will, sollte sich keinesfalls auf Bücher oder Apps verlassen – er oder sie sollte sich intensiv mit der Thematik befassen. Hilfreich sind dabei die zahlreichen Pilzvereine in der Schweiz. Dort gibt es Exkursionen, Pilzkurse und vieles mehr, um sich das Pilzwissen anzueignen. Und wer nicht gleich einem Verein beitreten will, findet in der Schweiz etliche seriöse Anbieter, die Kurse in Pilzbestimmung und -sammeln organisieren.
Regionaljournal Basel Baselland, 9.10.2026, 6:31 Uhr ; srf/snep;mcep;brus
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